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 25.05.2012         Walter Jon Williams - Off: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Walter Jon Williams - Off: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Off

(2009) - Orig.: This is Not a Game (2009), engl. (dt. ab Aug. 2009 / Rezension der engl. Ausgabe)
Amoklauf und Puppetmasters
Da ist ein Genre altersweise, aktueller und besser zugänglich geworden: Cyberpunk-Heroe Walter Jon Williams liefert ein Sittengemälde der Software- und Alternate-Reality-Gaming-Welt und - und da ist sich das Genre treu geblieben - des Entfesselten Kapitalismus ab.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin * 03.03.2009

Ein Autor möchte einen ambitionierten „Wirtschafts-Thriller“, möglichst auf makroökonomischer Ebene schreiben: Dann steht er vor der gewaltigen Aufgabe, glaubhaft ökonomisches Handeln und Machenschaften und deren Mechanismen zu schildern, ohne dies in der gesetzten Form eines Volkswirtschafts-Lehrbuches tun zu können. Eine spannende Story muss drumherum gebaut werden.
Dies gelingt Walter Jon Williams mit „This is Not a Game“ im ersten Drittel des Buches mit einem fulminanten Einstieg, im Rest leidlich gut. Ab der Hälfte des Buches wird die Story sehr vorhersehbar. Trotzdem ist das Buch lesenswert; der Plot und die Ideen sind gut, schade nur, dass Williams vom Erzählerischen her viel vergibt.

Der Cyberpunk-Altmeister nimmt den Leser zum einen mit in die Welt der sogenannten „Alternate Reality Games“, zum anderen kann er natürlich von seinem alten Thema Cybercrime nicht ablassen. Dies alles passiert in einer nahen Zukunft, die Gimmicks sind ein bisschen moderner als heute, sagen wir, in fünf Jahren.

ARGs bauen Schattenwelten auf. Die „Puppetmasters“, also die Macher des Spiels, denken sich den Plot, Puzzles, Rätsel, Verschwörungen und geheime Botengänge aus. Alle verfügbaren Medien werden genutzt, um den fiktiven Anteil voranzutreiben. Gepfeffert wird das durch reale Anrufe bei den Mitspielern, Live-Events in Städten rund um den Globus oder sonstige reale Aufgabenverteilung in der Community, durch deren Lösung das Spiel auf die nächste Stufe gebracht wird. Williams ' Macher heuern Schauspieler an, die Szenen im Tonstudio - für die Telefonanrufe von Band - und Videomaterial erstellen sowie beim großen Showdown anfassbar für die Fans gefeiert werden können. Spieldauer sind mehrere Wochen. Meist wird ein Produkt oder einer Dienstleistung promotet.

'Dagmar' ist gutverdienender Puppetmasta und Crack in ihrer Branche; Anfang 30. Mit drei Jungs zusammen, von denen zwei mittlerweile Multimillionäre sind, studierte sie einst in Kalifornien. Eine Zeitlang in ihrem Leben kannten alle vier nur das Gaming...

Dagmar muss zufällig am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt, wenn ein ganzes Land in eine von aussen induzierte Währungskrise abstürzt. In einem Zweite-Welt-Land ist sie plötzlich von Demonstrationen und Ausschreitungen umgeben, bald von Plünderungen und Gräueltaten. Williams kann hier richtig packen und ganz sublim, ohne dezidierte Gewalt zu schildern, den Leser in einen Alptraum schicken, im 14. Stock des Hotels wartend, dass irgendwann der sachlich vorgehende und sauber organisierte Mob, der momentan noch systematisch das Parterre ausräumt, das eigene Zimmer erreicht. Essen wird zum Problem und bald fehlt der Strom. Das heißt, dass sich ein modernes Glas- und Stahlgebäude mit nicht zu öffnenden Fenstern in eine Dauer-Sauna verwandelt...
Eine Evakuierungsaktion durch eine ortsansässige Bande mit Hilfe eines Auto-Konvois lässt einem ebenso das Blut in den Adern gefrieren. Von Stadtteil zu Stadtteil, von Hood zu Hood, tastet sich der Anführer vor, ständig per Handy verhandelnd mit dem jeweiligen Kopf der Miliz, der den entsprechenden Stadtteil in der Hand hat. Auch hier wieder: knisternde Spannung durch die Umgehung von Gewalt. Lieber wird am nächsten Schlagbaum ein Sack Reis als Bezahlung aus dem Kofferraum geholt.

Williams montiert in seinem Roman das Erleben einzelner Betroffener als Gegenaufnahmen zum anonymen Agieren von Entscheidern im Finanz-Biz, ambitioniert und streckenweise sehr gekonnt. Dass gegen den Amoklauf einiger Finanzjongleure die Community eines ARGs eine immer größere Rolle gewinnt, ist sein Appell an unser aller Gemeinschaftssinn.

Das Vokabular ist einfach und Williams pflegt keinen extravaganten Satzaufbau, sodass „This is Not a Game“ auch für den ungeübten Englisch-Leser geeignet ist.

Besprochene Ausgabe: Orbit | 2009 | 370 Seiten | Broschur* | € 13,99


 

 

 

 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
 
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