Es gibt keinen Bösewicht. In einer kompletten, fiktiven US-amerikanischen Großstadt wird die omnipräsente, bewusstseinssteuernde "Shine"-Technologie von der Künstlichen Intelligenz der Technologie selbst übernommen. Alle Erwachsenen werden zu von der KI gesteuerten Zombies und raufen gegenseitig ein bisschen miteinander rum. Alle vorpubertären Kinder - für sie ist die Technologie noch nicht implementiert -, versuchen aus der Stadt zu flüchten, die alsbald von der Regierung hermetisch abgeriegelt wird. Die 17-jährige Heroine 'Rocky' ist aus irgendwelchen Gründen kein "Shiny", also resistent - ein Kunstgriff von Tricia Sullivan. Dasselbe in abgewandelter Form mit Heroe 'Xavier', 14-jährig, drogennehmend, um künstlich seine Pubertät herauszuzögern. Er sieht also aus wie ein Kind. Die Heroine versucht innerhalb der Stadt mit unbändigem Helfer-Syndrom zu retten was zu retten ist, der Heroe kommt von außerhalb der Stadt zurück, weil er seine Droge beschaffen muss. Man läuft sich freilich über den Weg, taxiert sich, bandelt an, und wird versuchen, die Stadt und ihre meist willenlosen Bewohner zu retten, bevor das Militär Schlimmeres tut ...
Noch der billigste Groschen-Roman, noch der grottigste B-Movie, würden diese Situation mit mehr Beklemmung schildern. Doch das Außenlager der Kinder - kitschigerweise angereichert mit ein paar Erwachsenen der dort ehemals auf Farmen arbeitenden Indianer - kommt daher wie ein Ferienlager, es gibt zwar den natürlichen Alpha-Jungen, der das Gewehr führt, der aber so besonnen wie ein Rentner ist, obwohl er Herr der Fliegen sein müsste. Heroine Rocky sucht nach ihrer Mutter, wie Sullivan uns gefühlt auf jeder zweiten Seite eintrichtert. Eigenartiger Teenager; real wäre: Endlich weg von den Alten! Ein bisschen Pech für Tricia Sullivan, dass hier in Deutschland gerade Cormac McCarthy präsent ist im Film "The Road", und zeigt, was Apokalypse bedeutet. Zugegeben, nochmal härter wird der Rezensent dadurch ihr Buch abkanzeln. Ein Gutmenschentum wie in "Lightborn" gibt es nicht, auf keiner Alters-Ebene seiner Protagonisten. Es bleibt völlig abgehoben vom wahren Menschsein. Zudem wird das Chaos in der Stadt nicht greifbar, kein einziges Mal wird richtige Angst eines Menschen dem Leser spürbar gemacht. Die Orte bleiben wie so wie einer dieser Spielteppiche mit aufgedruckten Straßen, also ungefähr einhalbdimensional.
Über 430 englische Seiten, das würde etwa 600 in deutscher Übersetzung entsprechen!, torkeln diese seltsam sittsamen Kids durch ein Buch ohne wirkliche Geschichte. Gegenseitig befragen und erklären sie sich immer wieder die banalsten Dinge, etwa alle 20 Seiten dieselben! Warum muss Sullivan das tun? Weil ihre Geschichte keine Substanz hat, keinen Faden und eben nur diesen einen Wendepunkt nach schon zwölf Seiten: die Übernahme durch die KI. Die möglichen Implikationen und Verhaltensmuster der Erwachsenen durch die "Shine"-Technologie wiederholt sie tausend Mal, ohne dass sie irgendwie plastisch werden würde. Das grundlegende Handwerkszeug des SF-Autoren, nämlich Dinge, die freilich heute oder niemals funktionieren oder so sein könnten, dennoch dem Leser als völlig plausibel zu verkaufen, geht Tricia Sullivan leider ab. Das ärgerlichste SF-Buch seit langem.
Besprochene Ausgabe: Orbit | 2010 | 464 Seiten | Broschur* | € 11,99
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1. Ben Tripp: Infektion (2011) - Orig.: Rise again (2010), engl.
2. J. L. Bourne: Tagebuch der Apokalypse (2010) - Orig.: Day by day Armageddon (2009), engl.
3. Caragh O'Brien: Die Stadt der verschwundenen Kinder (2011) - Orig.: Birthmarked (2010), engl.
Markus Stromiedel:
Die Kuppel
Droemer, Broschur
John Ringo:
Planetenkrieg – Feindliche Übernahme
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Ian Whates:
Geisterjagd
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Ernest Cline:
Ready Player One
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John M. Cusick:
Girl Parts - Auf Liebe programmiert
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