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Während der ersten Staffel hatte die NBC-Serie 30 Rock fünf Millionen Zuschauer. Wenig, nach US- und (einstigen) NBC-Maßstäben. Friends etwa, lag immer bei 20 Millionen. Doch es kam der Emmy 2007 für die beste Comedyserie für 30 Rock. Jetzt konnte die NBC wohl nicht mehr zurück, wie Tina Fey in ihrem "Bossypants - Haben Männer Humor?" mutmaßt, und lässt bis dato die siebte Staffel abdrehen. Neben der während der Konzeptionsphase geborenen ersten Tochter, ist 30 Rock das wichtigste Baby der heute 42-Jährigen. ZDFneo holte die Serie ins per GEZ bezahlte deutsche TV.
Doch es scheint, als ob sie erst durch ihren gewichtigen Eingriff in die US-amerikanische Politik richtig bekannt geworden ist. Einen Dankes-Anruf von Hillary Clinton und landesweite Bekanntheit bescherten ihr die Sarah Palin-Parodien bei Saturday Night Live im heißen Wahljahr 2008, zusammen mit Kollegin Amy Poehler als Clinton-Darstellerin. Der erste Auftritt wurde allein am darauffolgenden Tag noch sechs Millionen Mal auf youtube aufgerufen. Anders als Berufspolitiker, kann man dafür wiederum einen Emmy bekommen: So geschehen 2009 in der Kategorie Outstanding Guest Actress in a Comedy Series.
Was macht nun dieses 30 Rock aus, das ja auch Erfinderin Tina Fey wiederspiegelt? Fernab von Filmtechnik (Ein-Kamera-Methode) und Jack-Darsteller Superstar Alec Baldwin scheint es die von blindem Gutmenschentum befreite Links-Liberalität im Humor zu sein, die im besten Sinne das tut, was Comedy tun sollte: die Finger in die Wunden legen und auch mal von hinten rum aufzurollen, was einem als allgemein zementiert geltende Belange der Political Correctness aufbürden. So schrieb sich Fey eine Serie, in der sie einen stockkonservativen TV-Boss (Alec Baldwin) auf eine liberale Head Writerin (Tina Fey selbst) loslassen konnte sowie überdrehte schwarze Stars in der produzierten Show innerhalb der Serie auf überdrehte Weiße, die sich in atemberaubender Geschwindigkeit zu allen gesellschafts- und geschlechterrelevanten Anliegen gegenseitig bashen.
Dazu ging Tina Fey von der Pike auf durch eine harte Schule. 1992, am berühmten Chicagoer Improvisationstheater The Second City galt der Grundsatz, gespielt wird, wenn im Zuschauerraum mindestens soviel sitzen wie Akteure auf der Bühne sind. Allerdings muss man dazusagen, dass es bis dato Größen wie John Belushi, Dan Aykroyd oder Bill Murray hervorbrachte (okay, auch der Rezensent schafft's an dieser Stelle, drei Männer stellvertretend hinzuschreiben - mea culpa).
In den Nuller-Jahren dann weitere Berufsjahre auf dem Weg zur Meisterschaft unter Lorne Michaels, dem auch derzeit noch amtierenden Chef von Saturday Night Live. Was sie von diesem Mann bezüglich "Bossypants" gelernt hat, gehört zu den beeindruckensten Passagen dieser wild gemixten Autobio. Der Leser erhält zumindest eine Vorstellung, wie das TV-Biz abläuft und auf was es ankommt.
Ach ja, es ist ja eine Bio, die hier besprochen wird. Doch ist es tatsächlich so, dass Tina Fey zu etwa zwei Dritteln über ihre Arbeit schreibt. Das ist gut so, denn erstens ist die Dame erst 42, wohlbehütet aufgewachsen, und zielstrebig auf das zugegangen, was sie heute darstellt. So sind Zoten aus Kindheit und Jugend wohltuend nicht überbewertet und machen lieber einer Schilderung einer Kreuzfahrt mit ihrem Ehemann Platz, in der das lakonische komödiantische Talent auch schriftlich besser aufblitzen kann. (Man wünscht sich diese Zote gleich filmisch umgesetzt als eine Art Anti-Titanic.)
Angenehm tief stapelt Tina Fey die meiste Zeit, und so ist auch ein Kapitel über ihren Vater eines der herausstechendsten. Beide Eltern sind tolerante gefestigte bürgerliche Mitte, die keinen Mucks machen, als Tina als Jugendliche als beste Freunde zwei um mehrere Jahre ältere Lesben und zwei Schwule hat, während sie aber "ein Leben lang Republikaner sind", wie Fey in einem Interview sagt. Und so passt auch das Queere und der Crossover der Positionen, die Tina Fey 's Humor in der Zukunft auszeichnen sollen zu einer Zote aus den 1980ern, wenn Vater Fey angesichts konkret schwieriger Nachbarschaft zum Stadtteil West-Philadelphia durchaus sagt, "Wenn ihr zwei Schwarze seht, die zusammen auf einem Fahrrad fahren, stellt euer Fahrrad in die Garage." Kein Rassismus, sondern einfach, weil auch ein gut situierter Weißer seinen Gören nicht alle Nase lang ein neues Fahrrad kaufen konnte.
Es gibt Bios, die kann man nur lesen, wenn man sich wirklich für die portraitierte Person interessiert und andere, die man liest, und sich dann für selbige interessiert - weil sie einfach gut geschrieben und gehaltvoll sind. "Bossypants - Haben Männer Humor?" ist da universell zu gebrauchen. Harte Fakten wechseln mit eingestreuten Sprenkseln zum weiblichen Rollenbild bezogen auf Körperlichkeit/Schönheit oder mit dem Kapitel "Promi-Leitfaden zur Gestaltung der Weihnachtsfeiertage" ab, oder auch mit dem Familien-Biz, mit Ehemann und den mittlerweile zwei Töchtern und der nach Fey beleidigendsten Frage an Frauen, nämlich "Wie kriegen Sie das alles unter einen Hut?" Immer alles von hinten durch die Brust ins Auge durchzogen von der Klugheit und dem Humor Tina Fey 's.
Besprochene Ausgabe: rowohlt Polaris | 2012 | 288 Seiten | Festeinband* | € 13,95
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