22.11.2017   Rezension, Buchbesprechung, Buchkritik   Literatur, Buch, Kritik         Thomas Thiemeyer - Das verbotene Eden - David und Juna: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
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- Das verbotene Eden - David und Juna

(2011)
Speicheldusche von der Kanzel der Schwarzen Kathedrale
Auch im Genre Dystopie legt Bestsellerautor Thomas Thiemeyer eine handfeste und elegante Geschichte vor und verquickt Gender-Thematik, Systemkritik, Religion als Keule und ... natürlich Liebe, zwischen zwei jungen Erwachsenen.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 01.11.2011
Thomas Thiemeyer - Das verbotene Eden - David und Juna
Zoom Thomas Thiemeyer - Das verbotene Eden - David und Juna

In einem der besten Science-Fiction-Filme der Nuller-Jahre, der schweizerischen Produktion Cargo, ist es der Mega-Konzern "Kuiper Enterprises", der nicht zulassen kann, dass in rationaler und ökologisch sinnvoller Weise gewirtschaftet werden kann. Denn er lebt davon, so gut wie die ganze Erdbevölkerung mittlerweile in stadtgroße Orbitalstationen verfrachtet zu haben oder sie gleich zum angeblich erdähnlichen Planeten "Rhea" zu verschicken. Der Mythos, die komplette Erde sei verseucht und unbewohnbar, ist seine bestgehüteste Lüge. Denn die Natur hat längst zurückgeschlagen...

Thomas Thiemeyers "Das verbotene Eden - David und Juna" spielt in einer nicht so weit fortgeschrittenen Zukunft, etwa in den 2060er Jahren, und von Hochtechnologie kann man nur träumen, geschweige, dass den Begriff überhaupt noch jemand kennt. Doch auch in dieser Geschichte ist Hauptmotiv, an sich schlechte Strukturen um des Machterhalts Willen gewaltsam und auf Lüge gestützt unbedingt aufrechtzuerhalten. Thiemeyer hat in den 10er-Jahren einen künstlichen Virus auf die Menschheit losgelassen, der die hormonelle Anziehung zwischen den Geschlechtern in das Gegenteil verwandelt. Männlein und Weiblein gehen sich gegenseitig an die Gurgel. Das gesamte soziale und ökonomische Gefüge zerbricht innerhalb weniger Jahre - weltweit.

Tausendsassa Thomas Thiemeyer ist bisher bekannt für seine Wissenschafts- und Mystizismus-Thriller sowie für Jugend-Abenteuerbücher. Viele meinen, dass in diesen Bereichen der Deutsche seinen angelsächsischen Schriftsteller-Kollegen vorzuziehen ist. Das hat Gründe. Er diversifiziert ungemein von Buch zu Buch. Spielt etwa das fantastisch erzählte "Nebra" von 2009 ausschließlich im deutschtümelnden Harz, so lässt er seinen 2008er Wissenschaftsthriller "Magma" an Schauplätzen in insgesamt zwölf Ländern spielen! In der Dystopie "Das verbotene Eden - David und Juna" nun, kann der Leser in den von Thiemeyer selbstgestalteten Vorsatzblättern - sein Brotjob vor seinem Erfolg war Illustrator - leicht die einstige Stadt Köln ausmachen mit ihren markanten Rhein-Schleifen. Im Buch sind die Straßen an den meisten Stellen mittlerweile undurchdringbarer Dschungel und die Tierwelt ist nach der krassen Dezimierung der Menschheit nicht freundlich gesinnt. Der Dom hat sich von der derzeitigen touristischen Landmarke ins Domizil des hasserfüllten Führers der ansässigen "Heiligen Lanze" und selbsternanntem "Inquisitor" gewandelt (ob Vorbild Kardinal Meisner ist, müssen Sie Thomas Thiemeyer fragen) und ist nur als "die schwarze Kathedrale" bekannt.

Zeichen mehren sich, dass eine Wiederannäherung zwischen den Geschlechtern stattfinden könnte. Doch die Gegensätze der in Naturverbundenheit eher in Dorfgemeinschaften lebenden Frauen und den, gendertypisch, eher auf Artefakten einstiger Technologie abfahrenden, in den Stadtruinen hausenden Männer - Mad Max lässt grüßen - scheinen unüberwindbar. Mit den beiden 17- und 18-jährigen Hauptfiguren ist sicherlich auf ein Lesepublikum junger Erwachsener abgezielt, doch Thiemeyers erzählerische Leichtigkeit und Eleganz sogar in dieser Dystopie lädt auch ältere Leser ein. Klar, man ahnt es: Die beiden sind Junge und Mädchen, denen man ihr Leben lang vorgemacht hat, dass sie sich hassen sollen...

Ach ja: Kinder, wenn auch wenige, entstehen schon. Irgendwie. Lesen Sie selbst. Und schnitzen Sie so einen brusthohen Mönchswanderstock schon mal. In sechzig Jahren brauchen Sie den, um mit gewisser Technik gelegentlich ein Rudel Wolfshunde in die Flucht zu schlagen.

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Besprochene Ausgabe: Pan  |  2011  |  464 Seiten  |  Festeinband*  |  € 16,99

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