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- Rachel Rising 1 – Tochter des Todes

(2014) - Orig.: Rachel Rising - The Shadow of Death (2012), engl.
Dunkler als schwarz
Mit "Rachel Rising" erhebt sich gleich mit Band eins eine süchtigmachende Comic-Serie um die dunkleren Bande zwischen den Bewohnern einer US-Kleinstadt, meisterlich in Zeichnung und Szenario von Terry Moore.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 15.05.2014
Terry Moore - Rachel Rising 1 – Tochter des Todes
Zoom Terry Moore - Rachel Rising 1 – Tochter des Todes

Es gibt einen Hügel am Rande der Kleinstadt "Manson", namens "Firehill". Schön sichtbar von der Stadt aus, damit ihre Bewohner die lodernden Feuer sehen konnten, wenn man die Leichen an der Hinrichtungsstätte verbrannte. Hundert Hexen sollen auch darunter gewesen sein. Das erzählt 'Tante Johnny', einzige Pathologin und Bestatterin im Ort. In den Achtzigern hätte sie mal die Leiche eines halben Jungen obduzieren müssen, die am Firehill gefunden wurde. Sie sei etwa 300 Jahre alt gewesen und leider sei kein Bär der Übeltäter gewesen: Der Junge war durchgesägt.

Die Dinge, die heute passieren in Manson, in der Comic-Reihe "Rachel Rising", lassen zum einen an die TV-Serie Twin Peaks erinnern - um ein Beispiel zu nennen, das jeder kennt - mit ihrer geballten Boshaftigkeit und Abartigkeit der Bewohner einer Kleinstadt, zum anderen mit ihren Horrorelementen an "The Fog", denn schon im ersten "Rachel Rising"-Band wird man das Gefühl nicht los, dass sich da irgendwas oder irgendwer aus einer schaurigen Vergangenheit rächen will ... Und den heutigen Bewohnern den Spiegel vorhält, die zu sublimeren Grausamkeiten ihren Mitmenschen gegenüber gegriffen haben, auch wenn sie keine Hexen mehr verbrennen.

Es ist ein mit dem ersten Schuss süchtigmachender Comic-Auftakt. Das muss es sogar gewesen sein, als in den USA das erste Einzelheft herauskam (Vorliegender Band vereint die ersten sechs Hefte). Auf nur 20 schwarzweißen Panelen entwickelt Terry Moore einen Sog, der in eine Geschichte hineinzieht, die vom Reiz lebt, eine sich nur häppchenweise erschließende Grenzwelt mit der Realwelt zu vermischen. Es gibt den äußerst lebensecht skizzierten Anteil seiner Figuren, allen voran freilich Heldin Rachel sowie deren Busenfreundin 'Jet', es gibt die leicht verschrobenen Bewohner wie Tante Johnny und - die Bewohner, deren Fassade Moore meist im letzten Bild eines Kapitels oder Panels wegbrechen lässt, mit meisterlicher entglittener Mimik oder einer verräterischen Geste - es sind die Bewohner vor denen man Angst kriegt.

Dabei bleiben aber selbst Rachel und Busenfreundin Jet nicht lange "normal" in dieser Stadt des aufkeimenden und seit langem versteckten Horrors. Rachel gräbt sich gleich zu Anfang aus dem Schotter eines ausgetrockneten Flussbetts frei. Grandios schaurig in dem feinlinigen Schwarz, durchsetzt mit manch Vollfläche, die nicht durch die Drucktechnik, sondern durch Terry Moore 's Geschichte schwärzer wirkt als schwarz. Gleich hier spielt er mit dieser Ambiguität, die sich durch ganz "Rachel Rising" ziehen wird. Ist sowas möglich, war sie nur leicht verschüttet, oder steht da tatsächlich eine von den Toten wieder auf? Dann steht da eine geheimnisvolle schöne Frau an der Böschung. Sieht diese von ihrer Position aus, was vorgeht oder nicht? Im Fortlauf spielt er es mit Androgynität aus: Bei zwei wichtigen Figuren verschleiert er trickreich bei ihren ersten Auftritten deren Geschlecht - nicht weil er sie schlurig gezeichnet hätte; er will es so!

Rachel's Freunde und Bekannte im Comic reagieren fortan teils recht verstört auf sie, einige mit einem recht schroffen "Sie sind nicht Rachel!" Doch der Leser verliebt sich in dieses Gesicht sofort. "Ich bin nicht Stiller!" ist einer der besten Buchanfänge, hier von Max Frisch, und auch Terry Moore wird sich für uns mit Szenario und mit den wechselnden erhellenden Blickwinkeln seiner Frames trotz aller Schaurigkeit hoffentlich bemühen, seiner Heldin beizustehen, auf ihrer Suche nach Identität.

"Rachel Rising" ist eine Reihe, bei der man sofort bereit wäre, alle ein, zwei Monate beim Comic-Laden vorbeizurauschen, um 3,95 Dollar hinzublättern für die nächsten 20 kostbaren Panele, bei Heft 23 in den USA mittlerweile. In Deutschland geht's weiter im September 2014 mit Sammelband 2 "Das Böse in Dir". Dann ist es Herbst und man kann sich schonmal warm anziehen.

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Besprochene Ausgabe: Schreiber & Leser  |  2014  |  128 Seiten  |  Broschur*  |  € 14,95

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