T Cooper - Beaufort: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Beaufort

(2009)
„Ruhm, Kabbala, Scientology - nichts davon hatte mir geholfen“
Es hätte ein Epos à la Fitzgerald werden können, eine US-amerikanische Tragödie von Aufstieg und Fall auf 500 Seiten. Nein. T Cooper macht es auf 25 zweispaltig bedruckten, großen Seiten, begleitet von ebenso vielen ganzseitigen Illustrationen des Zeichners Alex Petrowsky.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 14.09.2009

Neben dieser unheimlichen Komprimierung auch noch die Chuzpe, einen Eisbären als Hauptfigur zu nehmen. Die Beaufort-See, wird Eisbär 'Beaufort' einmal im Buch gefragt, die liege doch vor Frankreich, oder? Ja, hier geht es auch um Klimakatastrophe, doch die ist nur ein Aufhänger. Leo DiCaprio, ebenfalls als er selbst gewichtige Figur im Buch, ist groß auf dem Buch-Rücken zitiert: “So kann es nicht weitergehen: Den Eisbären schmilzt der Schnee unter den Hintern weg!“ Als wenn das das Hauptproblem von Beaufort wäre. Der erkennt schließlich: Schluss damit, der globalen Erwärmung die Schuld fürs Scheitern zu geben. Vor der eigenen Tür aufräumen.

So startet zwar diese Geschichte von Selbstsuche und Selbstzerstörung mit dem Zerbrechen einer Eisscholle. Auf der einen sitzt Beaufort 's Mutter, auf der anderen bleibt er selber sitzen. Und treibt ab. Zuerst nach Alaska, wo er schnell erwachsen wird, als Schiffsjunge in der harten Männerwelt eines Fischkutters. Das ist ihm schnell nicht mehr genug. Auf nach Hollywood, immer an der Küste runter, mit dem Greyhound. Etwas Geld hat er gespart, zusätzlich zu dem Zwanzig-Dollar-Schein, den ihm wohl seine Mutter unbemerkt noch ins Fell geschoben hatte. Da bleibt ein Grundthema, das an Beaufort nagen wird: Warum hatte sich seine Mutter so offensichtlich nicht um seine Rettung bemüht?

Es folgen Aufstieg und Fall im Schnelldurchlauf und eine bissige Hollywood-Satire. Beaufort trifft beim Kellnern 'Leo', ja, eben den Leo DiCaprio, der gerade mit Tobey, Schauspielerkollege Tobey Maguire, abhängt. Schwupps, engagiert der ihn für sein Filmprojekt „Separation of Oil and State“. Beaufort wird gefeierter Star. Frauen, Villa, Pool, Parties, alles am Start. Doch, unerfahren wie er ist, macht er Fehler. Lässt sich mit sich an ihn schmiegenden Girlies ablichten. Ertränkt die Beziehungs-Schwierigkeiten mit der ihn ausnutzenden 'Svava' in einer Wick-Medinait-Sucht. „BEAUFORT: ER STEHT AUF MINDERJÄHRIGE“; so schnell wirkt sich so etwas in der Presse aus.

Es wird schlimmer kommen. Und Wick-Medinait bleibt das Harmloseste. Nach seiner eigenen Produktion „Bär“ ist er als Schauspieler nicht mehr gefragt und versucht sich an weiteren Drehbüchern. Die Probleme mit den Frauen und der Mutter bleiben. Der Pool versüfft und in der begleitenden Illustration ziert ein großer „Fuck Knut“-Aufkleber Beaufort 's Laptop. War dieses Berliner Zoo-Vieh tatsächlich international bekannt geworden? Vielleicht auch nur Insiderwissen des österreichisch-stämmigen Zeichners Alex Petrowsky, der seit 2001 in den USA lebt.

Nochmal symptomatisch für das System Hollywood, die Blogger-Karriere Beaufort 's: zuerst tausende Klicks, weil er die „dunklen Seiten Hollywoods“ aufdeckt. Dann bleierne Ablehnung, als er zu konkret wird, und Ikonen namentlich demontiert...

Er leiht sich 2.000 Dollar von Leo für einen Neustart in einer anderen Stadt, an einer anderen Küste, dreieinhalb Tage Greyhound. Hier geht's erstmal weiter bergab, nur in einer anderen Szene. „PolarHole212“, aus einer Kontaktbörse, ist gar kein Bär, aber irgendwie doch, eben aus der schwulen „Bär-Szene“. Man trifft sich in „The Cock“ und die dortige Lieblingsszenedroge schmeckt auch Beaufort.

Doch das Buch hält noch Überraschungen offen. Die Illus sind eine tolle Kollage-Technik mit Hintergrundfotos aus der Realwelt, den mit nur wenigen Strichen gezogenen Charakteren Leo, Tobey, Beaufort und Konsorten, alles nur teil-koloriert und durchzogen von atmosphärischen, groben Pinselschwüngen in der Breite einer Tapezierbürste. Die Farbgebung ist in jeweiliger Wechselwirkung mit Inhalt und Stimmung der Illu und beschränkt sich auf höchstens zwei oder drei monochrome Abstufungen. Beim ersten Bild, auf dem Tobey und Leo auftauchen, muss man einfach laut auflachen oder bei Beaufort mit zwei schwulen „Bears“ vor einer brodelnden Tanzfläche mit ausschließlich nackten Oberkörpern, natürlich alles in lila gehalten.

Den Preis von 24 € begründet der Verlag mit dem durchgängigen Vierfarbdruck sowie klimaneutraler Herstellung. Für den gebundene Comics kaufenden Leser ist der Preis nicht überraschend, doch dem unbedarften Leser sei dies erläutert.

(Achtung: Entgegen der automatisierten Angabe unterhalb dieses Artikels, ist dieses Buch tatsächlich fadengeheftet.)

Besprochene Ausgabe: Arche | 2009 | 64 Seiten | Festeinband* | € 22,90
 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel

      
 
 
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