Nach seinem fulminanten Debüt spitzt Steven Uhly mit seinem neuen Roman die Kunst des Erzählens, des Verwirrspiels und der Frage nach Identität weiter zu:
Adams Fuge liefert der aktuellen Diskussion um Integration, Migration und Bildung von Identitätsmustern einen literarischen Spiegel, der die landläufigen Argumentationen hellsichtig beleuchtet.
Steven Uhlys neuer Held wird als Kind von seinem türkischen Vater aus dem Umfeld der deutschen Mutter in einen Vorort von Ankara entführt. Jahre später tötet er bei einem militärischen Konflikt mit kurdischen Aufständischen einen Menschen. Kurze Zeit darauf sendet ihn das Verteidigungsministerium der Türkei unter dem Vorwand einer
Familienzusammenführung mit einem nur scheinbar belanglosen Auftrag zurück nach Deutschland. Er wird Agent wider Willen und muss über Umwege feststellen, dass er als Spielball internationaler Interessen eingesetzt wurde. Seine Mission gerät zu einer fugenartig komponierten Abfolge von Such- und schließlich Fluchtbewegungen quer durch das heutige Deutschland, quer durch die Vorstellungsbilder über Türken oder Deutschtürken oder Deutsche, je nach Kontext und Perspektiven.
Mit seinem ironisch komponierten Spiel der Identitäten zieht Steven Uhly den Leser in den Bann eines Erzählers, dessen tragikomische Schicksalswendungen Adams Fuge zu einem Bildungsroman werden lassen, der die großen Themen von Identität und Integration, Schuld, Urteil und Vorurteil neu verhandelt.
Während dieser Zeit übersetzte er vor allem juristische Texte aus dem Portugiesischen ins Deutsche. 2002 übernahm er die Leitung des deutschen Instituts der Bundesuniversität in Belém do Pará. Er blieb viereinhalb Jahre in Brasilien. Nach seiner Rückkehr gründete er gemeinsam mit seiner Frau den Münchner Frühling Verlag, der sich vor allem mit der Herausgabe der Reihe einmaleingedicht einen Namen gemacht hat. Aus Belém hatte Uhly ein Konvolut von Gedichten des Widerstandskämpfers und Politikers Paulo Fonteles mitgebracht, die er übersetzte, kommentierte und 2007 bei Matthes & Seitz unter dem Titel „Wenn der Tod sich nähert, nur ein Atemzug“ herausbrachte. Für das Goethe-Institut gestaltete er 2008 die Website www.goethe.de/tropen mit einer großen Auswahl von Texten, die das Verhältnis Europas zu den tropischen Regionen der Erde über fünf Jahrhunderte spiegeln. 2009 brachte er im Münchner Frühling Verlag seine Übersetzung der „Folk Tales from Bangladesh“ des Dichters Jasimuddin heraus. Derzeit bereitet Uhly gemeinsam mit seiner Frau die Veröffentlichung einer argentinischen Publikation zum Thema der Verschwundenen während der letzten Militärdiktatur vor. Steven Uhly lebt mit seiner Familie in München.
Pierre Wazem, Tom Tirabosco:
Im Dunkeln
Avant-Verlag, Broschur
Toine Heijmans:
Irrfahrt
Arche, Festeinband
Virginie Despentes:
Apokalypse Baby
Berlin Verlag, Festeinband
Florian Scheibe:
Weiße Stunde
Luftschacht, Festeinband
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