22.11.2017   Rezension, Buchbesprechung, Buchkritik   Literatur, Buch, Kritik         Stephen Hunter - Shooter - Vom Kriegshelden zum Staatsfeind Nr. 1: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Stephen Hunter - Shooter - Vom Kriegshelden zum Staatsfeind Nr. 1: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur
 

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- Shooter - Vom Kriegshelden zum Staatsfeind Nr. 1

(2014) - Orig.: Point of Impact (1993), engl.
Lange Reichweite
Damals noch ging das: ein ohne Hast perfekt konstruierter Rache- und Polit-Thriller nun in voller Länge neu übersetzt. Komplett ohne modernen Ein-Seiten-Kapitelquatsch.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 11.06.2014
Stephen Hunter - Shooter - Vom Kriegshelden zum Staatsfeind Nr. 1
Zoom Stephen Hunter - Shooter - Vom Kriegshelden zum Staatsfeind Nr. 1

Die erste Figur, die gründlich eingeführt wird in "Point of Impact" - so im Originaltitel, erschienen 1993 - ist der 'Tim'. Tims Sehen kann eher keine Formen unterscheiden. Nur Bewegungen. Sein mächtiges Geweih hat eine ungerade Anzahl Enden, da ihm ein unfähiger Jäger eines abgeschossen hat. Tim ist Hirsch. Diesmal jagt ihn ein Jäger, der ihm nichts Böses will, in einer kalten Nacht.

Schon diese erste Szene zelebriert der US-Amerikaner Stephen Hunter ausgiebig. Da wird Respekt ersichtlich, unendliche Geduld und Können vom Ex-Marine und Scharfschützen 'Bob Lee Swagger'. Da werden Assoziationen wach an Hemingway 's Nick-Adams-Stories und Hunter unterfüttert diesen Stil noch mit seinem elegant vorgetragenen Wissen um Waffen. 640 Seiten. Ein Monster von einem Buch? Nach dem Einstieg ist klar, es wird ein Genuss, und der Autor wird sich nicht atemlos verstolpern, wie so manch Kollegin oder Kollege bei Thrillern dieser Länge. Sein gemächlicher Schritt wird sich mit Sprints abwechseln, doch die Taktung dazwischen ist genau die richtige.

Ja, Hunter ist im wahren Leben Waffennarr. Verzeihung - er lebt "gun culture", das heißt ständiges Rumfeilen und Modifizieren an der Waffe selbst und das Selbstbefüllen extrem präziser Munition für Sportschüsse bis zu 1.000 Meter. Seinen Helden Bob ließ er in Vietnam kämpfen. Er ist verschroben und lebt eher wie "Der Mann in den Bergen", fühlt sich aber noch glücklich davongekommen im Gegensatz zu vielen Kameraden, die den Wiedereinstieg ins Zivilleben nicht mehr geschafft haben. Stephen Hunter muss "Shooter" - nun in der Neuausgabe so benannt nach der Verfilmung mit Mark Wahlberg und Danny Glover - kurz nach dem Zweiten Golfkrieg geschrieben haben. Das war der mit dem siegreichen General Schwarzkopf, endlos brennenden Ölquellen, Uranmunition und der Traube tausender ausgebrannter PKWs auf einer Ausfallstraße. Und dennoch als eleganter US-amerikanischer Sieg hingestellt. Man war wieder wer, nach Vietnam. Die Soldaten von 1991 sind Helden. Die von Vietnam gucken immer noch in die Röhre und ernten allenfalls Mitleid. Hunter lässt eine Figur sagen, der Golfkrieg musste uberpatriotisch geführt werden, um das Vietnam-Syndrom auszumerzen.

Obgleich Bob nichts an nachträglicher Würdigung seiner Leistungen liegt, kriegt ihn eine zweifelhafte CIA-nahe Organisation mit einem Angebot, dass er nicht ablehnen kann: angeblich soll der Schütze, der einst seinen besten Freund und Spotter getötet hat, in den USA an einer Anschlagsplanung beteiligt sein. Ziel soll niemand weniger sein als der Präsident.

Es ist meisterlich komponiert, wie Bobs Feinde - dass sie es sind, ahnt der Leser an Details, und es ist nicht zuviel verraten - ihn fester und fester in die Falle zurren. Klar, "Shooter" wird ein Rache-Thriller werden, und Bob rächt nicht nur Persönliches, sondern Hunter lässt ihn gleich ein ganzes Fass aufmachen mit US-Machenschaften in El Salvador ...

Du gehst auf "deinen Kreuzzug", sagt eine Liebe zu Bob, "Ich kenne deine Sorte. Ihr geht immer." Ein Intermezzo, man leckt Wunden und anderes. Exakt in der Mitte des Buches. Und Bob bleibt Gejagter. Er wird aber selbst auch zum Jäger. Doch das wäre Stephen Hunter zu langweilig. Bob findet weitere Verbündete. Es ist der eher vom Pech verfolgte FBI-Agent 'Nick', der die plastischste Figur von allen wird. Hunter schafft es genüsslich, ihn in seinem Mammut-Schinken in drei Stufen einzuführen. Erst ist nur in Erzählungen über ihn die Rede, dann erlebt man ihn live im Einsatz. Schließlich - mit einer eigentlich noch zwischengeschalteten Stufe, in der sich beide nicht ausstehen können - kämpft er mit Bob gegen die Verschwörer.

Es ist der Reiz mitzudenken, Einzelheiten zu erfassen und für sich abzuwägen, warum Bob so handelt wie er handelt, was "Shooter - Vom Kriegshelden zum Staatsfeind Nr. 1", diesen makellos durchkonstruierten Thriller, zum Klassiker werden lässt.

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Besprochene Ausgabe: Festa  |  2014  |  640 Seiten  |  Broschur*  |  € 13,95

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