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 25.05.2012         Sergej Lukianenko - Sternenspiel: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Sergej Lukianenko - Sternenspiel: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Sternenspiel

(2009) - Orig.: Zvezdy - Cholodnye Igruski (2007), russisch
Kurzrezension: Sergej Lukianenko - Sternenspiel
 Von Franz Birkenhauer - sf magazin * 17.01.2009

Das ist schon einer, dieser Lukianenko. Während andere in ihren SF-Romanen einem gleich auf den ersten Seiten erstmal die utopischsten technischen Gimmicks um die Ohren knallen, steigt er in einer Art altmodischen Pilot-und-Stewardess-Atmosphäre ein und lässt den Piloten Piotr in der Flughafenbar die Vorzüge der schnieken Uniform einer deutschen Kollegin beschreiben; nebenbei kräftig Seitenhiebe auf die Deutschen im Allgemeinen einfügend. Da ist von Anfang an ein verrückter Retro-Stil - denn man fliegt mit Überlichtgeschwindigkeit - und in einem solchen Stadium haben sich die Nationen auf Good Old Earth, auch Russland und Deutschland - bestimmt überholt.
Nun, bei Lukianenko spielt sich Weltraum-Fliegen so ab wie im Pan Am-Bereich der Sechziger Jahre . Da ist noch etwas Glamour und Luxus und vor allem Einfachheit in der Technik. Der Flug wird an einem Gate ausgerufen, der Pilot macht einen kurzen Gesundheits-Check, und ab geht's!

Leider gehört die Menschheit nicht zu den 'Starken Rassen' der Galaxie, zu denen man seit einigen Jahrzehnten Kontakt aufgenommen hat. Im 'Konvent' sind den niedrig stehenderen Rassen Aufgaben je nach Befähigung zugewiesen. Menschen vertragen als Einzige den Überlichtsprung, so gelten sie als die 'Fuhrmänner' und kümmern sich um den interstellaren Handel. Andere Rassen sind die 'Blinker', sie sind Kommunikationsspezialisten, die 'Zähler', wahre Rechen-Genies und schneller als jeder Computer, die 'Stäubler', man ahnt es schon, eher zuständig für Drecksarbeiten etc.

Anfangs genießt man die Lakonie in Lukianenkos Vortrag und seine Narreteien, etwa wenn miese „Kunstwerke“, hier Bilder, reissenden Absatz durch eine der Alien-Rassen finden:

„Jedes zeigte einen Ausschnitt vom Meer mit Bäumen am Ufer, dem Mond am Himmel und einem silbrigen Streifen auf dem Wasser. Die Maler gaben sich alle Mühe, die größtmögliche Abwechslung in die hineinzubringen, weshalb manchmal ein paar Segel aufblitzten, Vögel am Himmel flogen oder sich Wolken vor den Mond schoben. Dergleichen könnten sie sich getrost sparen, denn der Blick der Hypsoiden ist unserem weit überlegen. Ihnen genügt jene Individualität, die das Bild durch ein aus dem Pinsel herausragendes Haar oder einen Fingerabdruck in der Tempera erhält, vollauf.“

Doch schnell langweilen seine Litaneien über russische Essensspezialitäten, über den augenzwinkernden Ruhm des russischen Militärs, das Aufs-Korn-Nehmen der Heldenverehrung, die Moskauer Lebensmittelspezialabteilungen, die Ess- und Trinkgewohnheiten. Nach gelungenem Auftakt durch eine krude Notlandung Piotr 's mit einem Alien an Bord und der Andeutung einer galaxieweiten Verschwörung bringt es Lukianenko fertig, den Leser einhundert Seiten - ja, tatsächlich genau hundert - hiermit zu nerven, sowie mit leerem Gerede, das die Charaktere keinen Deut weiterbringt. Das spielt auf der Datscha von Piotr 's Großvater. Dass Lukianenko kein typisches Space-Opus liefern würde, war vorauszusehen. Dass seine Bücher eher von Witz und Verschmitztheit leben ist ebenso klar. Doch dieses Mal plätschert alles zu sehr dahin, wobei hinzukommt, dass das Genre Space-Opera eine gute Portion Innovation verlangt. „Sternenspiel“ bietet zu wenig gute Einfälle und keine Visionen. Im Gegenteil, scheint Lukianenko einige müde Motive aus russischen SF-Klassikern aufgegriffen zu haben ohne sie zu modulieren oder umzuinterpretieren. Mit seiner Behäbigkeit allein ist es nicht getan.

Besprochene Ausgabe: Heyne | 2009


 

 

 

 
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