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 25.05.2012         Sergej Lukianenko - Spektrum: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Sergej Lukianenko - Spektrum: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Spektrum

(2007) - Orig.: Spektrum (2002), russisch (Günstige TB-Neuauflage Feb. 2009, Heyne)
„Einsam ist es hier und traurig. Sprich mit mir, Wanderer.“
Ignoriert vom deutschen Feuilleton, verkauft Sergej Lukianenko Bestseller um Bestseller. Stellvertretend vorgestellt sei „Spektrum“, wo sich russischer Stoizismus und Erzählkultur paaren.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 12.09.2008

Eigentlich gehören die Nicht-SF-Anteile zum Schönsten am Buch. In denen zeigt sich Mütterchen Russland mit ihrer Gemütlichkeit, Warmherzigkeit, Genusssucht und dem sympathischen Schlendrian. Den Russischen Bären, den Lukianenko schon mal in seinen Horrorgeschichten, z. B. der „Wächter“-Serie, einsetzt, lässt er hier brav zuhause. Doch sind auch die SF-Anteile alles andere als 'science', eher ein Vehikel um zu fabulieren und - eben Geschichten zu erzählen. Wirklich im Sinne dieses Satzes muss der Reisende den 'Schließern' - sie tauchten eines Tages auf der Erde in den wichtigsten Städten auf und installierten interplanetare Tore - etwas vortragen, als einziges Entgelt, um zu bestimmten Planeten im Netzwerk reisen zu dürfen.

Die Schließer sind so ziemlich das maulfaulste Volk, was einem jemals untergekommen ist. Den Menschen verraten sie gar nix; warum sie gekommen sind, warum sie die Tore installiert haben, woher sie kommen - nix.
Das Dreisteste: Niemand kennt die Faktoren - sagen wir Spezifikationen - nach denen eine vorgetragene Geschichte als würdig erachtet wird, also zum Reisen berechtigt, oder einfach abgelehnt wird - in welchem Fall der Aspirant vor der Tür stehen bleibt! Die Schließer beantworten niemals eine Frage; reden aber manchmal von sich aus drauf los, um den Zuhörer vollends zu verwirren und mit umso mehr Gegenfragen zuzudecken. Doch - typisch Mensch - solange die Schließer keine Bedrohung darstellen und man die gewährten Vorteile nutzen kann, stellt man auch nicht allzuviele Fragen. Sie gehören irgendwann zum Alltag, ihre Tore so wie bessere Busbahnhöfe. Das Abtauchen auf andere Planeten wird vor allem von eher subversiveren Elementen gerne genutz.

'Martin' hat das Etwas, er bekommt nach ein, zwei Geschichten immer seinen Zutritt. Er erzählt unprätentiös und etwas zutiefst Menschliches ist in allem Thema. So gibt er auch im Leben viel Zeit hin für die menschlichen Dinge des Alltags: Das Kochen und Schwadronieren und natürlich Trinken; gerne mit seinem Onkel. Das wirkt bei Lukianenko selten als Klischee. Fast in kochbuchartiger Länge wird die Zubereitung von russischen Speisen zelebriert und dabei der Charme der kulturellen Eigenheiten versprüht. Ruhig und verschmitzt und das Alltägliche hochhaltend - russisch - ist der Erzählstil.

Dem entgegengesetzt ist eine rasante Detektivgeschichte, in die Martin gerät, die ihn zu vielen fremdartigen Planeten und Wesen führt und ihm schließlich zeigt, dass auch die Schließer nicht die Allmächtigen sind, als die sie augenscheinlich gelten.
Doch bei allem bleiben der (fast) unerschütterliche Stoizismus der Schließer und die absurden Warten-auf-Godot-Szenen an den einsamen Türmen der Schließer das Herausragenste. Eine SF-Geschichte, in die Lukianenko unzählige kleine Geschichten eingekapselt hat.

Besprochene Ausgabe: Heyne | 2007


 

 

 

 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
 
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