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Sebastian Lehmann - Kein Elch. Nirgends: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur
 

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- Kein Elch. Nirgends

(2014)
Die Benzin-Krise
Solange eine Vin-Diesel-Namen-Witze-Enzyklopädie dicker wäre als Wikipedia, kann die Welt nicht langweilig sein. Und noch lebt der Mann. Das weiß auch Sebastian Lehmann, und behauptet doch, das Leben hätte zu wenig Variation.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 27.08.2014
Sebastian Lehmann - Kein Elch. Nirgends
Zoom Sebastian Lehmann - Kein Elch. Nirgends

Der Lehmann kommt aus der Poetry-Slam- und Lesebühnenecke. Ist dann ein gedrucktes Buch von diesen Leuten slam fiction oder doch ein Roman? Und geht das überhaupt, dieses gesellige schummrige verranzte Lesebühnengefühl in den heimischen Sessel zu holen? Es funktioniert bei "Kein Elch. Nirgends", wenn man in den richtigen Fluss reinkommt und es am Stück verzehrt, was kein Problem bei seinen beschwingten knapp 200 Seiten darstellt, und zeitlich eben dann genau die Länge eines Slam-Abends absteckt. Und nein, es ist nicht wirklich ein Roman, von dem man vor dem Schlafengehen 30 Seiten liest und danach tief grübelnd und intellektuell egogefickt in die Träume sinkt. "Kein Elch. Nirgends" will eine schnell wirkende Lunge voll Poppers sein, nicht mehr, nicht weniger.

Dabei bedient sich Sebastian Lehmann allerdings trickreich bei der Methode des Ovid, in seinen locker zusammenhängenden Momentaufnahmen aus dem Leben des Ich-Erzählers, der zufällig so heißt wie der Autor und in einer der Episoden 30 wird. Da verwandelt sich der Späti-Verkäufer mit seinem mächtigen Schnäuzer in Friedrich Nietzsche, der beste Jugendfreund in den keifenden Vater, und ... Vin! Immer wieder Freund Vin Diesel, der in Charlottenburg wohnt und trotz aller Anstrengungen seiner Eltern Richard Diesel und Charlotte Bio-Diesel, ihn mit humanistischem Internat und Studium bei Derrida in Paris von seinem Kindheitstraum abzubringen, zu dem wird, was er werden wollte: eine Kampfmaschine. Doch im Buch ist wirklich sehr nett und vernünftiger als Held Sebastian.

Denn der muss schon mit seinen knapp 30 erkennen, was die Generation im mittleren und goldenen Alter nur noch mit einem Schulterzucken goutiert, weil man's eh nicht mehr so lange macht: Die Welt besteht nicht mehr aus verschiedenen Flecken, mit Gerüchen, Gewohnheiten, Kleidung. Sie ist der Fleck und sie ist jetzt uniform. Und das wird so bleiben, bis uns der große Fusionsantrieb nach Alpha Centauri auswandern lässt ...

Sebastian versucht dem trotzdem zu entkommen. Keine Chance - wenn er etwa bei den Amis die Smalltalk-Oberfläche wegkratzt, den Stockholmern auf den Zahn fühlt, warum die alle ins verheißene Berlin-Neukölln auswandern wollen und auch bei den Finnen keinen Elch findet - ein Trauma aus seiner Kindheit. (Er wird in Asien am Strand einen garantiert in Finnland gefertigten Holz-Elch noch erstehen.)

Die Wiederholung ist allgemeines Konzept in "Kein Elch. Nirgends". Sie folgt freilich nicht in so hoher Frequenz wie auf der Bühne, wo dem Zuhörer Zucker des Wiedererkennens geliefert werden muss, um den nächsten Lacher zu evozieren. So stirbt Sebastian so oft wie Kenny in Southpark. Und die "drei Alkis vor dem Späti" kommen regelmäßig so intellektuell wie Walldorf & Statler von den Muppets daher. Sie haben schon geschnallt, dass man den "Wellness-Tag" an jedem Ort der Erde machen kann, wenn sie ihre Füße gerade in Spülschüsseln stecken haben. Und der Charakter Sebastian? Wird der sich ändern im Reigen der Momentaufnahmen? Schätzungsweise wird er, wenn er von einer seiner Frustreisen wiederkommt, mit der Freundin Alternativnamen von Vin Diesel auf Bierdeckel schreiben. Es ist noch nichts verloren!

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Besprochene Ausgabe: Aufbau  |  2014  |  204 Seiten  |  Broschur*  |  € 8,99

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