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 25.05.2012         Sean McMullen - The Miocene Arrow: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Sean McMullen - The Miocene Arrow: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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The Miocene Arrow (2000), engl. (Book Two of The Greatwinter Trilogy; in dt. noch nicht erschienen)
Liebe, so empfindlich wie Stoffbespannung
Wieder mit anfaßbarem, beseeltem Maschinenarsenal und barocken Figuren und romantischen Schwärmern und idealistischen Draufgängern entfacht McMullen ein kontinentweites Mingle-Mangle. Diesmal in Nordamerika.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 18.04.2008

Muß in der SF Literatur immer alles physikalisch einigermaßen erklärbar sein was da beschrieben wird, die Blaupausen quasi hinten angehängt sein an das Buch? Natürlich nicht. Dann wäre ja jeder SF Autor sofort reich, könnte er der Wissenschaft vorausgreifen. Die entfachte Bereitschaft des Lesers sich noch nicht Dagewesenes vorzustellen unter Zuhilfenahme einer gewissen Basis an Vertrautem, real Existierendem, ist das Wichtigste in dieser Gattung.
Ein Großmeister hierin ist Sean McMullen. Zwar spielen die drei Bände seines „Greatwinter“-Zyklus in der Zukunft, doch kommen eine Menge Elemente einer „Alternativen Realität“ hinzu: Stellen Sie sich vor, einen Computer zu bauen, obgleich Ihnen Elektrizität unbekannt ist! So geschieht es im auf deutsch bereits erschienenen „Seelen in der großen Maschine - Greatwinter 1“ (sagen wir genauer, Elektrizität ist verboten, ohne zuviel zu verraten). In diesem Band wie auch in „The Miocene Arrow“ hält McMullen wunderbar die Waage zwischen einerseits Skurrilität und Absurdität der beschriebenen Maschinen, Fortbewegungsmitteln, Kommunikationsmitteln, Waffen, Kleidern und Gimmicks und dem Glaubenmachen „Ja, das könnte so irgendwie funktionieren, logisch, sympathisch!“

McMullen's Figuren setzen sich im Gedächtnis fest. Lange nach dem Lesen, wenn man sich beileibe nicht mehr an alle Namen erinnert, bleiben sie als Weggefährten in Erinnerung, als plastische Momente in einer turbulenten Geschichte an exotischem Ort in idealistischen Missionen.
Es sind eher die Guten, denen er seine volle Aufmerksamkeit schenkt, als die Schurken. Bei den Schurken glaubt er noch an das Gute, sodass man auf manche Wandlung gefaßt sein kann.

„The Miocene Arrow“ spielt in Nordamerika im 4. Jahrtausend. Nur kleine Teile der Landmasse sind besiedelt, in den größeren herrscht der „Ruf“ und macht sie unbewohnbar. Nach unserer Jetztzeit muß es eine Apokalypse gegeben haben, die die verbliebenen Menschen auf Bewohner von streng aristokratisch geprägten Staaten zurück geworfen hat. Was nicht heißt, diese seien unglücklich, sie kennen es nicht anders, denn das vorangegangene vermeintlich höher entwickelte Zeitalter ist nur schemenhaft aus wenigen Büchern bekannt. Übrigens sehr realistisch: Die heutige Wissenschaft kennt den Begriff des "Digitalen Lochs“, will heißen, keines unserer digitalen Speichermedien ist für Jahrhunderte konzipiert. Und machen Sie in letzter Zeit noch Fotoabzüge auf beständigem Papier?

Eine zweite Fraktion hat sich in Nordamerika undercover eingeschleust: Es sind Australier, die den Vorgängen vor der Apokalypse schon nahe auf der Spur sind und technische Artefakte nutzen. Leider sind diese wiederum in zwei Interessensgruppen gespalten. Die älter gewordenen Protagonisten aus „Greatwinter 1“ versuchen die Restbedrohung aus vergangener Katastrophe aus der Welt zu schaffen. Die rassistischen „Aviads“ verfolgen andere Ziele.
Sie zetteln in der, zugegeben, reichlich romantisch beschriebenen, aber dadurch sehr sympathischen Aristokratenwelt einen Krieg an. Die Nordamerikaner benutzen dieselbetriebene Flugmaschinen zu zeremoniellen Zwecken und auch um die „Rufzonen“ gefahrlos zu überbrücken und zu überwachen. Schön baut McMullen auf dem Bekannten auf, dem Fliegerethos unseres 1. Weltkrieges, bei dem zu Anfang alles noch ritterliches Spiel Mann gegen Mann war, um gegen Ende in das normale Morden miteinzustimmen (Angriffe mit Bomben auf Flugfelder, Schützengräben, Krankenstationen).
Jetzt werden die altehrwürdigen „Airlords“ abgelöst durch heißspornige 20-jährige Fliegerinnen und Flieger, die nun im Zeitraffer erwachsen werden müssen und nebenbei Klassengrenzen aufheben. Es ist erstaunlich, wie sich McMullen in Irrungen und Wirrungen dieser Altersgruppe hineinversetzt.
Was wird am längsten in Erinnerung bleiben von „The Miocene Arrow“? Es ist die Liebesgeschichte in einer Fliegergeschichte in einer Science-Fiction-Geschichte.

Besprochene Ausgabe: TOR science fiction (engl.) | 2000


 

 

 

 
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