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 25.05.2012         Sean McMullen - Eyes of the Calculor: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Sean McMullen - Eyes of the Calculor: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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Eyes of the Calculor (2001), engl. (Book Three of The Greatwinter Trilogy; in dt. noch nicht erschienen)
John Glasken hat endlich eigene Brüste
Im dritten Teil seiner „Greatwinter Trilogy“ treibt McMullen den Geschlechterkampf auf die Spitze. Dennoch oder gerade deswegen wird soviel im Namen der Intrige und der Politik kopuliert wie in keinem Teil davor. Doch auch im Raufen mit anderen Waffen um Posten, Partien und falsche Propheten legt McMullen nochmal eins drauf.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 26.05.2008

Seine Greatwinter Bücher spielen auf den Kontinenten Nordamerika und Australien im 4. Jahrtausend. Jedoch befinden wir uns in zwei feudalen, streng hierarchischen Gesellschaften, die gerade erst anfangen sich zu beschnuppern, da, durch einen Niedergang der Technologie mehrere Jahrhunderte zuvor, Transport- und Kommunikationsmittel nur rudimentär vorhanden sind.
Ihren Charme beziehen die Bücher aus der Feurigkeit der Beschreibung dieser rückwärtsgewandten Zukunft und der greifbaren Vitalität der Protagonisten.
Mit rasanter Geschwindigkeit entwirft McMullen in Eyes of the Calculor einen Plot, in dem er die besten Elemente aus Spionage-, Thriller-, Krimi- und Liebesgeschichte mischt. Gerne wird er ob dieses „Mingle-Mangle“ mit Shakespeare verglichen und das zu Recht. Die bunte Vielfalt der tollen und weniger rühmlichen technischen und gesellschaftlichen Errungenschaften dieser „ver-rückten“ Vergangenheit mit einem Schuß Zukunft tut ein Übriges.

Das australische „Rochester Commonwealth“ hält sein Reich mit Hilfe seiner Drachen-Bibliothekare, seiner Windzüge, einer Kommunikation über Leuchtsignal-Türme und einer toleranten Politik gegenüber Minderheiten in Religion oder Abstammung zusammen. Die Drachen-Bibliothekare bilden die Intelligenzia und bauten den ersten Computer, der allerdings mehrere Hallen füllte, da er aus versklavten menschlichen Komponenten bestand. Mittlerweile besteht er aus faustgroßen elektrischen Relais, löst sich jedoch in Rauch und Schlacke auf, als wieder einmal „Mirrorsun“ zuschlägt. Aus einer Zeit vor der Apokalypse ist die Erde von einem intelligenten Band im Orbit umgeben, das einen Groll gegen zuviel Technologieentwicklung zu hegen scheint.

Auf der anderen Seite des Globus werden die wenigen Nordamerikaner von ihren „Airlords“ regiert. Diese benutzen als einzige einfache Flugmaschinen, um Befehlsstrukturen auch über große, seit der Apokalypse unbewohnbare Landstriche aufrecht zu erhalten. Zudem duelliert sich die Aristokratenschicht in akribisch zeremonieller Weise mit diesen Dingern!

Plötzlich entfällt eine andere bisherige weltweite Bedrohung: Das Rennen um Ressourcen, Land und Macht kann beginnen. Die Annäherung Australiens und Nordamerikas kann entweder in Eroberung oder beiderseitig fruchtbarem Handel enden...

McMullen macht sehr oft Geschichte erfahrbar. Er zeigt, wie sie von der Tatkraft einzelner, aber auch vom Enthusiasmus eines ganzen Volkes abhängt. So erkennt die nordamerikanische Aristokratie sehr schnell, dass die Verwaltung Pferde braucht, um sich in den plötzlich zugänglichen riesigen Gebieten gegenüber den vordringenden Siedlerströmen durchsetzen zu können. Allerdings gibt es die nur in Australien!
Nahe liegen auch das tolerante Miteinander und das Umschlagen ins Progrom in seiner Geschichte beieinander.
Seine Herrschenden legen viel in die Waagschale mit mehr Eigenverantwortlichkeit als es ein heutiger Politker jemals wagen würde. Sie intrigieren eine Menge, bezahlen aber mit dem Leben, nicht mit ein paar nicht wehtuenden Euros oder Dollars Strafe.

Das Buch beginnt eigentlich über die ersten hundert Seiten hinweg als knallharte Rachestory über zwei Vergewaltigungen, davon eine mit Todesfolge. Die Rache der Familie kann böser nicht ausfallen, sie wird aber von McMullen in ihrem Maß bewußt so angelegt und vertreten. Er ist Feminist und steht in seiner Menschenliebe, die sich in allen seinen Romanen offenbart, den Frauen oft näher als den Männern.
Und - da Greatwinter Steam- und Cyberpunk zugleich ist - kann der alte Haudegen Major John Glasken in einem Frauenkörper gleich mal selbst erleben, wie es ist, ständig angegrabscht zu werden oder Dinge bei Vorgesetzten nur durch sexuelle „Gefälligkeiten“ erreichen zu können. Gut, dass Glasken von seiner verbalen und körperlichen Schlagfertigkeit nichts eingebüßt hat.

Lakonisch teilweise die Dialoge: Ein altes Paar beobachtet ein junges Liebespaar und sinniert was die Welt für es bereithält:

- „Betrayal.“
- „Death.“
- „Jealousy.“
- „Costly child care.“
- „Poor young fools.“
- „Think they'll do it?“
- „Sure to.“
- „Lucky young fools.“
- „Why?“
- „In love.“
- „Futile. Love leads nowhere but dinner, drinks, and bed.“
- „You can do that without being in love.“
- „Fancy another drink?“
- „Love one.“

Der erste Band "Souls in the Great Machine" ist bisher als einziger als "Seelen in der Großen Maschine" auf deutsch erschienen. Eine Rezension zum zweiten Band "The Miocene Arrow" liegt auf sf magazin vor, Link siehe untenstehend.

Besprochene Ausgabe: Tor (engl.) | 2001


 

 

 

 
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