Scott Spencer - Während des Sturms: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

* buchtipps buchkritik buchneuerscheinungen

sf magazin google plus   Bücher   Scott Spencer - Während des Sturms: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   Buch Bücher
11.02.2012   > Impressum   > Mediadaten  
 
 
buch neue literatur romane bestseller krimis thriller science fiction buchempfehlungen buchbesprechungen buchtipps buchkritik
Romane Krimis Thriller Lesetipps Bücher Buchkritik Literatur
 

- Während des Sturms

(2010) - Orig.: A Ship Made of Paper (2003), engl.
Schwarz-weiß, beidseitig
btb erbarmt sich endlich, den vorletzten Roman des großartigen US-Amerikaners Scott Spencer zu übersetzen. Die Geschichte um die Liebe zweier, jeweils schon in verantwortungsvoller Beziehung Steckender, ist wie ein Geschoss, ummantelt von feinster Sprachtrickserei.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 19.06.2010

Scott Spencer ist eine Liebesgeschichte nicht genug: Der Liebende ist Weißer, die Liebende ist Schwarze, und das macht „Während des Sturms“ zusätzlich zu einer Bestandsaufnahme um die Empfindsamkeiten von Schwarz und Weiß in den USA. Nicht zufällig siedelt er die Handlung des 2003 im Original erschienenen Romans zur Hochzeit des Mord-Prozesses um den realen O. J. Simpson an, ehemaliger Football- und Filmstar, im Jahr 1995. Entstanden ist das exakte Portrait der zwei Liebenden und der zwei Gehörnten im Spannungsfeld der Rassenunterschiede. Im und neben dem Strang um Absolute Liebe, Rationalität und Verantwortung benennt Spencer, der weiße Autor, lakonisch Ressentiments, Vorbehalte und Unterschiede der beiden Ethnien, nach zwei Jahrzehnten rigidester gesellschaftlicher Politcal-Correctness-Indoktrinierung während der Achtziger und Neunziger. Nach dem zwanghaften Versuch, sämtliche Unterschiede zu überwinden, scheint zumindest Spencer 's Figur 'Danny', ein weißer Rechtsanwalt, nicht aufgegeben zu haben, dem Schwarz-Sein eine Überhöhung zuzusprechen und seine persönliche Erlösung - fast - in der Liebe zur Schwarzen 'Iris' zu finden, während der aus einer weit zurückzuverfolgenden Ahnengalerie erfolgreicher Schwarzer stammende 'Hampton' seiner Verachtung der Weißen freien Lauf lässt, doch gleichzeitig das „Geheimnis jedes Schwarzen“ in sich trägt, so Ehefrau Iris, nämlich den Weißen gefallen zu wollen.

„Und das wirklich Merkwürdige daran ist, dass Hampton von seinem Schwarzsein besessen ist, er ist vierundzwanzig Stunden am Tag schwarz, er denkt an nichts anderes.“

Ehefrau Iris dagegen gibt offen zu, wie anstrengend es für sie sei, sich ständig gegen die Einvernahmung als „Sister“ in der schwarzen Hood zu wehren. Sie sehnt sich, einfach Individuum zu sein. Autor Scott Spencer seziert dies alles für seine Leser völlig unangestrengt. Er stellt der Wörtlichen Rede seiner Protagonisten oft direkt deren eigentliche Gedanken hintenan, das Nicht-Gesagte. Das macht er sehr elegant und im Präsens; es mag ein paar Seiten lang ungewohnt sein, doch dann entwickelt es einen Sog. Der Allwissende Erzähler begibt sich selber in den Hintergrund und wirft uns in eine Intensität und Genauigkeit, die sich aus den vier Blickwinkeln der Hauptfiguren speist.

Danny, Mittdreißiger, ist zusammen mit 'Kate', einer zynischen Journalistin und Schriftstellerin; ihre kleine Tochter aus erster Ehe liebt er abgöttisch. Iris ist verheiratet, wird aber zusehends unglücklicher mit Ehemann Hampton, ein hochgebildeter, erfolgreicher Investmentberater, der die Werktage in New York verbringt und seine Ehefrau verachtet. Die Affäre zwischen Danny und Iris beginnt. Scott Spencer lässt dem Leser keine Chance, eingleisig Sympathien für die oder jene Figur aufkommen zu lassen, weder auf Seite der Liebenden noch der Gehörnten - wobei allerdings bei Hampton die Gehörntgrenze verwischt...
Gnadenlos zeigt er die vielen Facetten des Menschseins, dieses Schwanken zwischen bedingsloser Verantwortung und Loyalität und dem Drang aufbrechen zu wollen, etwas Neues erleben zu wollen, hier in der Form einer Liebe, für die man auch bereit wäre zu sterben. Dieses bewusste Ausschalten der Rationalität, die für einen bereithält, dass man sich um Wohlergehen und Emotionen anderer kümmern muss, das Einschalten von Egoismus und Selbstverwirklichungstrieb.

Das alles treibt Scott Spencer in Leydon voran, einer Kleinstadt, etwa 100 km von New York. Er schafft sich einen abgekapselten Schauplatz und kann so ungestörter sezieren, ohne auf die Großstadtneurosen eingehen zu müssen. Seine Figuren hatten zwar alle einen Teil Lebensgeschichte in New York, aber sie sind jetzt eher Mrs. und Mr. Everywhere denn Stadtneurotiker. Mit dem aufkommenden Oktober-Schneesturm zu Beginn des Buches, ein Ausbruch aus den Regeln der Natur, lässt Spencer auch Danny und Iris ausbrechen - oder -scheren, je nach Gusto. Mit liebevoll skizzierten Nebenhandlungen und -personen beweist er jedoch, dass die beiden bei weitem nicht die einzigen sind, die sich dort in Leydon gleichzeitig abstrampeln und genießen, immer am Rande einer allgemeingültigen Moral entlang, die nicht existiert, da sie für jeden etwas anderes ist.

Besprochene Ausgabe: btb | 2010 | 480 Seiten | Festeinband* | € 21,95
 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel

      
 
 
blog comments powered by Disqus
 
 

We see you! sf magazin lebt von Werbung. Sie haben keine Berechtigung, diese Site mit eingeschaltetem Ad-Blocker (Werbeblocker) zu surfen!
 
>>> Mehr Info ...

 
> Impressum   > Mediadaten   |  sf magazin google plus  Bücher   Neue Bücher  Buch Bücher
 
  • + sf magazin!
 
 
 
> Datenschutz
 
  • sf magazin   +
  • Bücher Romane Bestseller Krimis Thriller Buchneuerscheinungen
  • Exaktes Ad-Serving.
    Elegante Kunden-Reportings.