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- Stirb mit mir

(2014) - Orig.: The Sacrificial Man (2011), engl.
Selbstmordpakt
Den englischen Romantiker John Keats lässt Ruth Dugdall Pate stehen für die Obsessionen ihrer Figuren. Der dichtete unverblümt über den perfekten Augenblick des Todes, bevor die Zeit Liebe und Schönheit tötet.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 21.01.2014
Ruth Dugdall - Stirb mit mir
Zoom Ruth Dugdall - Stirb mit mir

Bewährungshelferin 'Cate' steht verdutzt da, als sie ein vorgerichtliches Gutachten über eine Angeklagte anfertigen soll, die Dozentin für Englische Literatur am Essex College ist. Also nicht die üblichen Weirdos, mit denen sie es sonst zu tun kriegt. Aber dennoch ist die Anklage keine Kleinigkeit: Illegale Sterbehilfe mit einem süffisanten Detail - Dozentin 'Alice' verzehrte ein Stück Fleisch des Selbstmörders.

Da ist nun gleich in den ersten Kapiteln ein massiver Haken gesetzt, an dem der Leser hängt. Wie tickt diese hyperintelligente Frau, die gleichzeitig in ebenso hohem Ausmaße ihre Umwelt verachtet und dies durch Arroganz und Worte mitteilt? Immer tiefer steigt Autorin Ruth Dugdall in die Vergangenheit dieser Alice hinunter, genüsslich und langsam. Denn diese Frau kann ihr Gegenüber, hier die unscheinbare und stets etwas unsicher wirkende Bewährungshelferin, manipulieren in Wort und Schauspielkunst. In den vom Gericht verordneten Gesprächen kommt da keineswegs eine geordnete Vita mit selbsterkennenden psychologischen Hintergründen. Man klopft sich erstmal gegenseitig weich, in vielen Terminen.

Dieser Ablauf dürfte ein typischer sein, in der Arbeit von Cate, hat doch Ruth Dugdall selbst viele Jahre als Bewährungshelferin gearbeitet. Diesen Umstand nutzt die Autorin, um an die Figur Alice und ihren Geliebten, den Selbstmörder 'Richard' heranzuführen. Freilich fasst sie nur Splitter der Gespräche in ihren Roman und macht es nicht manuskriptartig, was dann ermüdend wirken könnte. Vielmehr überlässt sie ihre Protagonisten einer Mischung aus Innerem Monolog und Erzählen aus ihrer jeweiligen Perspektive. Sehr gekonnt und effektiv.

Ruth Dugdall tut gut daran, den genauen Tat-Hergang - durch einen beteiligten Polizisten als Sprachrohr - erst nach über hundert Seiten zu schildern. Denn die Tat wirkt okkult, krank und unmenschlich. Man hätte sich ein Monster vorgestellt. Doch so führt Dugdall in aller Ruhe die schöne Englisch-Dozentin Alice ein.

"Es ist, als spräche ich mit einem Hologramm, das zwar lebensecht aussieht, letztlich jedoch nur ein Bild ist. Zu der wahren Alice dringe ich anscheinend gar nicht durch",

meint Cate und muss sich immer wieder reiben mit Alice, etwa wenn diese fragt, ob Cate Bücher lese und auf deren Hinweis, sie habe zuwenig Zeit dazu, antwortet: "Die übliche Ausrede. Dabei haben wir alle dasselbe Maß an Zeit zur Verfügung."

Wenn Alice über den Dichter John Keats philosophiert, lösen sich zum ersten Mal Schemen aus dem Nebel hinsichtlich ihrer Motivation für ihre Sterbehilfe an Richard, den sie erst kurze Zeit zuvor per Annonce kennengelernt hatte. Die beiden haben sich gesucht und gefunden, um ein Gedankengebäude um selbstlose Liebe und Leben jenseits von Zeit und Verfall aufzubauen. Nicht aus Tollerei, sondern beide haben sehr konkrete Gründe in Gegenwart oder Vergangenheit, wie Cate herauskitzeln wird. Das macht ihre Urteilsfindung nicht einfacher. Ein Buch, das auch am Ende dem Leser nicht eindeutig Opfer und Täter liefert. Umso spannender.

>>> Mehr Bücher im Genre Krimis / Thriller ...

Besprochene Ausgabe: Piper  |  2014  |  384 Seiten  |  Broschur*  |  € 9,99

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