ANZEIGE

 25.05.2012         Rosemary Sutcliff - Troja: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Rosemary Sutcliff - Troja: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

* buchtipps buchkritik buchneuerscheinungen

 
buch neue literatur romane bestseller krimis thriller science fiction buchempfehlungen buchbesprechungen buchtipps buchkritik

- Troja

(2008) [Hörbuch] - Orig.: Black Ships before Troy (1993), engl.
“So sei es denn ein kurzes Leben für mich und lang anhaltender Ruhm“
Mit dem Rock'n'Roller-Motto stürzt sich Achill in den zehnjährigen Trojanischen Krieg. Rosemary Sutcliff erzählt in gerafftem, charmantem Ton und der Schauspieler Torsten Michaelis liest sie vier Stunden. Besser geht's nicht.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 01.04.2009

Irgendwer hat es als Jugendbuch gelistet. Doch diese Ausschließlichkeit ist Quatsch. Denn welcher Erwachsene möchte sich schon durch die Original-Ilias quälen, die zudem nur einen Teil der Sage enthält, oder durch die lähmende Nacherzählung von Schwab, die auf jedem Wohnzimmerschrank verstaubt. Das Original ist in Versen geschrieben, die sich Hexameter nennen. Dieses Versmaß hatte ein jahrtausendealtes, erfülltes Leben, doch ist es schon lange tot. Im Gegensatz zur Sage und dem zweifelhaften Ruhm des Achill. Rosemary Sutcliff arbeitet in toller Erzählsprache die Motive und Gefühle der Handelnden heraus, die uns in ihrer Menschlichkeit und ihren Verirrungen nur allzu vertraut sind. Das Handeln teils exzentrischer Einzelner und das Zusammenführen von Interessen in der Gemeinschaft stehen bei ihr im Vordergrund, sowie die großen Themen Freundschaft, Liebe und Romantik, Rache und Abenteuer, und die Mutterliebe. Freilich, bei alledem, sorgen die Götter immer wieder für ein gehörig Maß was wir nicht beeinflussen können.
Sutcliff beschwört die rohen, archaischen, unvergänglichen Gefühle und Verhaltensmuster herauf, die den Menschen seit Anbeginn in die Wiege gelegt sind.
„Troja“ belegte kürzlich den 3. Platz beim HÖRkulino 2009, dem Kinderhörbuch-Publikumspreis des Buchhandels.

Thetis, da sie doch Meernymphe ist, sieht genau voraus, auf was sich ihr Sohn Achill einläßt, als er die Schiffe Richtung Troja besteigt. Seit diesen alten Zeiten sind es also schon ausschließlich die Mütter, die, wenn es nach ihnen ginge, Kriege gar nicht zuließen. Denn, würden sie ihre Söhne wirklich zurückhalten können - was Thetis sogar mit einem Zauber versucht - wäre niemand da, der sie ficht. Das Kreuz scheint nur, dass, wenn Achill hingeht, er sich einen Namen machen wird, „der nicht vergeht, solange sich die Männer am Feuer Geschichten erzählen, ja bis zum Ende der Welt.“ Da haben wir es, warum die Männer also in den Krieg rennen. Egal ist Achill hierbei, dass er „das erste graue Haar in seinem Bart“ laut seiner Mutter nicht erleben wird.

Es macht Spaß, sich in diesen jungen Paris hineinzuversetzen, dessen „Urteil des Paris“ wir von Torsten Michaelis lebhaft vorgetragen bekommen. Da sieht sich der Kerl plötzlich drei - im wahrsten Sinne göttlichen - Frauen gegenüber, von denen sicher keine einzige auch nur mittelmäßig aussieht, und soll die Schönste wählen. Wir wissen, auf wievielen tausend Gemälden diese Szene verewigt ist und welche Konsequenzen seine Wahl hatte. Doch Paris, in diesem Moment, wie soll er irgendeine Tragweite einschätzen? Da ist Athene, die ihm höchste Weisheit verspricht, falls er sie wählt, Hera, die ihm Macht, Reichtum und Ehre verspricht, und schließlich Aphrodite, die an diesem Tag wohl am ehesten den Paris verzaubert, die er auswählt, und die ihm eine Frau verspricht „so schön, wie sie selbst.“

Es wird sein: Helena von Troja. Welch klingender Name und welch Dramatik, die er auslöst...
Der größte Teil der Sage erzählt von der Zuspitzung des Krieges, nach einem neunjährigen Ringen zwischen dem Heerlager der Griechen am Strand und den nur gelegentlich aus ihrer Stadt ausbrechenden Trojanern. Im letzten Jahr des Kampfes verweigert sich eben dieser Achill des Kampfes, weil ihn der Großkönig gekränkt hat. Eine Einzelentscheidung, die wahrscheinlich weiteren Männern das Leben oder Zeit kostet. Doch dann, wieder aus einem persönlichen Schicksalsschlag heraus - sein bester Freund wird getötet -, erledigt Achill das Idol der Trojaner, Hektor. Doch auch Achill erwischt's alsbald an der Ferse. Das sinnlose Dahinraffen der Helden und gemeinen Soldaten zerschmettert beim Zuhörer endgültig das Bild von Heldenhaftigkeit und Größe eines wie immer gearteten Krieges. Ob Helena, die einst ihren Mann und König wegen dem jüngeren Paris verließ, soviel Entscheidungsfreiheit gehabt hätte, den Konflikt zu beenden, lässt auch Sutcliff offen. Aus Sutcliff 's Sicht ist es eher die Männerwelt, die Dinge überbewertet und emotionale Entscheidungen nicht akzeptieren kann, wenn dabei die Ehre geschmälert wird.
Die Ilias, ein Antikriegs-Epos? In der Lesart Rosemary Sutcliff 's auf jeden Fall.

Torsten Michaelis, deutsche Synchronstimme vieler, unterschiedlichster Hollywood-Stars wie Benicio del Toro oder Wesley Snipes, liest gewohnt souverän, lebhaft und mitfühlend. Sein Deutsch ist äußerst präzise und hat doch eine wohlklingende Weichheit.

Besprochene Ausgabe: Patmos | 2008 | Hörbuch 3 CDs | 19,95


 

 

 

 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
 
blog comments powered by Disqus
 
 

We see you! sf magazin lebt von Werbung. Sie haben keine Berechtigung, diese Site mit eingeschaltetem Ad-Blocker (Werbeblocker) zu surfen!
 
>>> Mehr Info ...


 


     
  • sf magazin   +
  • Bücher Romane Bestseller Krimis Thriller Buchneuerscheinungen
  • Exaktes Ad-Serving.
    Elegante Kunden-Reportings.