Ein eigenartiges Buch bringt Kosmopolit und einstiger Schweizer Rolf Lappert. Ein Abenteuerroman mit Anspruch ist es zu Anfang. sf magazin scheut Vergleiche, doch hier liegen sie sehr auf der Hand. Das Lesegefühl liegt zwischen Garland 's Klassiker „The Beach“ und der TV-Serie „Lost“. Dann zerpflügt er dieses Gefühl im Mittelteil mit einer Coming-of-Age-Passage über seinen irisch-stämmigen Helden. Im letzten Drittel geht es zurück zur Geschichte „Auf den Inseln des letzten Lichts“ im phillipinischen Niemandsland. Mit der Egge glättet er wieder und beschert insgesamt Vergnügen durch die Exotik seines Stoffes, der gleichzeitig realistisch und absurd daher kommt und durch den sanften, unaufgeregten Erzählfluss.
Der mitte-zwanzigjährige Ire 'Tobey' reist wagen Hinweisen hinterher auf die so ziemlich abgelegenste Insel der Welt. Von seiner Familie und seinem Freundeskreis ist zu diesem Zeitpunkt nichts mehr übrig außer seiner Schwester 'Meg'. Doch die hat er auch seit elf Jahren nicht mehr gesehen und sucht sie jetzt. Beiläufig eingeflochten, doch ein Kernthema, ist der Untergang des Klein-Bauerntums - in der angelsächsischen Literatur ein beliebter Stoff, in der deutschsprachigen ein seltener. Farmer 'Seamus O Flynn', Vater der beiden Geschwister, stemmt sich gegen Modernisierung. Seine Kinder zwingt er, über den frühen, freiwilligen Weggang der Mutter auf ewig mitzuleiden. Dementsprechend schnell verlieren sich Tobey und Meg nach dem Tod des Vaters aus den Augen. Wer will schon an die triste Farm und die noch tristeren Familienverhältnisse erinnert werden...
Der Strang, der „Auf den Inseln des letzten Lichts“ spielt, lebt lange Zeit vom Ungesagten, vom Mysteriösen und von den dort im wahrsten Sinne des Wortes gestrandeten, halbseidenen Figuren. Meg, muss man wissen, ist von Kindheit an radikale Tierschutz-Aktivistin, und auf der Insel, so heißt es, finden Experimente mit Primaten statt. Die Szenerie, die auf Tobey wartet, ist von vorneherein beklemmend und trotz Schönheit der Landschaft klaustrophobisch. Tatsächlich trifft er auf eine Handvoll angeblicher Wissenschaftler, ziemlich intelligente Affen und eine exzentrische, sehr alte Dame. Die vegetiert in einer halbverfallenen Villa und auch der Rest der Anlagen scheint eher Potemkinsches Dorf. Ein bisschen erinnert das alles in positivem Sinne an ein gutes Point-And-Click-Adventure, auch deswegen, weil die Künstliche Intelligenz der Figuren in einem solchen Spiel nur ein begrenztes Antworten-Repertoire hat - ähnlich den verschmitzten, unergründlichen Figuren in Lapperts Buch. Tobey entdeckt mal hier ein neues Gebäude, dort eine Katakombe, einen neuen Bewohner, plötzlich ein neues Boot am Strand... Die Bewohner pendeln zwischen freundlich und feindselig. Am heißesten ist Pseudo-Arzt 'Tanvir', der innerhalb „Auf den Inseln des letzten Lichts“ drei verschiedenen Zuhörern drei verschiedene Lebensgeschichten auftischt. Sehr viele weitere Motive aus „The Beach“ oder „Herr der Fliegen“ gesellen sich hinzu, faktische als auch psychologische. Mehr sei nicht verraten.
Meg hat sich verrannt in ihrem bisherigen Leben und auch Tobey. Wenn sie sich auf dieser durchgeknallten Insel wiederfinden würden, wäre das nur logisch. Meg mit ihrer Aktivisten-Organisation „Illegal Eagles“ hat den Sündenfall schon erlebt: Bei einer ihrer militanten Aktionen stirbt ein Feuerwehrmann. Umso eigenartiger, dass Rolf Lappert im Interview mit dem Verlag Gewalt im Zuge von Tierschutz-Aktionen als legitim erachtet.
Letztlich ein Buch, von dem man nicht so recht bestimmen kann, warum man es eigentlich mag. Denn Figuren, die allesamt familiäre Verluste erlitten und Freunde verloren haben müssen per se deswegen noch nicht sympathisch sein. Vielen Lesern wird sogar für die radikale Aktivistin jedes Verständnis fehlen. Ihrem Ehemann auch ziemlich schnell, nachdem sie auf der quasi Hochzeitsreise nur noch Emotion für verletzte Orang-Utans aufbringt und sich ihm entzieht. Es muss der charmante Grundton von „Auf den Inseln des letzten Lichts“ sein, mit dem Rolf Lappert
ein gutes Gefühl hinterlässt.
Besprochene Ausgabe: Hanser | 2010 | 544 Seiten | Festeinband* | € 24,90
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
2. Jonas-Philipp Dallmann: Notschek (2011)
3. Gavin James Bower: Dazed & Aroused (2009)
4. Ron Leshem: Der geheime Basar (2011) - Orig.: Megilat zchujot hajareach (2009), hebräisch
Martin Amis:
Die schwangere Witwe
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Shumeet Baluja:
Silicon Jungle
suhrkamp nova, Broschur
Moti Kfir, Ram Oren:
Sylvia Rafael. Mossad Agentin
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Martin Amis:
1999
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Sorj Chalandon:
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dtv premium, Broschur
Douglas Coupland:
Eleanor Rigby
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