ANZEIGE

 25.05.2012         Robert Ludlum, James Cobb - Der Arktis Plan: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Robert Ludlum, James Cobb - Der Arktis Plan: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

* buchtipps buchkritik buchneuerscheinungen

 
buch neue literatur romane bestseller krimis thriller science fiction buchempfehlungen buchbesprechungen buchtipps buchkritik

- Der Arktis Plan

(2009) - Orig.: The Arctic Event (2007), engl.
„Du hast den üblichen Blankoscheck, Fred. Stell dein Team zusammen.“
James Cobb ist der jüngste „Manuskript-Erbe“ des verstorbenen Robert Ludlum. In überraschend charmantem Ton liefert er einen starken Thriller und Abenteuerroman zugleich.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 19.06.2009

Da sind zwar die exakten Waffenbeschreibungen zu den Spielzeugen seiner Agenten, des bisher durch Military-Thriller bekannten James Cobb. Doch sie kommen nicht um ihrer selbst willen und wirken oft augenzwinkernd. In richtiger Dosierung tut das den meisten Krimis oder Thrillern im Sinne der Authentizitätssteigerung gut, vorausgesetzt der Autor entblößt sich nicht durch nur angelesenes Wissen über Waffen. Cobb, als Spross einer Marine-Familie, dürfte einiges selber in der Hand gehalten haben, von dem er schreibt.

Kennen Sie die Geschichte des US-amerikanischen „Camp David“, des „Sommersitzes“ des US-amerikanischen Präsidenten? Nein? Eine interessante Einführung dazu kriegen Sie ziemlich zu Anfang des Romans. Und schon - Bamm! - wird der dort gerade weilende Präsident aus der Routine gerissen, als mal eben ein russischer General ohne großes Protokoll mit dem Hubschrauber landet. Erwarte das Unerwartete!
Der General bittet die USA und Kanada um Hilfe. Ein Flugzeug der ehemaligen sowjetischen „Fernfliegerkräfte“- welch herrlicher, sozialistisch sachlicher Euphemismus für die Strategische Bomberflotte - war 1953 auf einer Arktis-Insel abgestürzt und kürzlich von einem Klimaforscher-Team entdeckt worden. Ohne zuviel vorwegzunehmen: Es hatte zwei Tonnen Anthrax-Sporen geladen. Das ist schon schlimm genug. Doch da war doch noch was, 1953, - einer der Top-Diktatoren des Zwanzigsten Jahrhunderts stirbt...

Nach einem geradezu poetischen Eingangskapitel werden in beiläufiger Detailfreudigkeit Person um Person eingeführt, so auch durch die Vita der wohl schon aus anderen Ludlum-Romanen bekannten Figur 'Jon Smith'. Für viele Autoren ist das eine Gefahr: Oft denken sie dabei zu wenig an ihre Erst-Leser. Cobb meistert diese Klippe mit Bravour - Jon Smith ist dem Leser schnell und gründlich zugänglich.
Natürlich wird nicht gekleckert, sondern geklotzt, bei den Fähigkeiten und Qualifizierungen der Hauptfiguren, so etwa bei Smith: „In seinem fortwährenden Bestreben, die enorm unterschiedlichen Aspekte seines Lebens auszubalancieren - das eines Soldaten, Wissenschaftlers, Arztes und Spions -, war dieser Kurs für Gebirgsjäger ein nachhaltiger Erfolg gewesen.“ Im Zuge der Geschlechterbalance - Smith's Agenten-Trüppchen wird aus zwei Spioninnen und zwei Spionen bestehen - haben die beiden Frauen nicht weniger drauf: 'Val' ist in ihrem öffentlichen Leben Museumskuratorin und Professorin und pflegt ein Faible für selbstgeschmiedete Wurfmesser. 'Randi' ist CIA-Angestellte und muss ihren gelegentlichen Covert-One-Einsätzen absolute Priorität einräumen.
Cobb trifft immer wieder den richtigen Thriller-Ton, mit Umschreibungen wie „sein gebräuntes Gesicht war gut geschnitten und wirkte aufmerksam und irgendwie ungerührt - ein Gesicht, das Geheimnisse gut bewahren konnte“; wie auch immer so ein Gesicht aussehen mag - der Satz hört sich einfach gut an. Und immer wieder Tipps fürs Leben, - falls Sie sich mal in der Arktis aufhalten: „Als er durch das Fernglas schaute, achtete er sorgsam darauf, das eisige Metall nicht mit seiner Gesichtshaut in Berührung zu bringen.“ Das tut Aua sonst, beim Wegreißen.

Es beginnt ein Spiel mit falschen Karten, von dem beide Parteien wissen, dass es ein solches ist. Da lässt sich der russische Flieger-Major, der dem US-amerikanischen „Wissenschaftler-Team“ zur Erforschung des Wracks zur Seite gestellt wird, nicht beeindrucken von den beiden „amerikanischen Mannequins“ Val und Randi und dem „Arzt“ Jon Smith, die durch Covert-One direkt dem Präsidenten unterstellt sind. Das gegenseitige Abtaxieren der vier ist gut gemacht und bildet einen faszinierenden Kern des 530-Seiten-Buches, lange bevor auch die Action-Komponente hinzukommt. Es menschelt zwischen ihnen, und die Freund-/Feind-Stellungen verschwimmen. Eigentlich verbringen die vier wenig Zeit miteinander, denn im Eiltempo müssen sie sich zum 80. Breitengrad hochmanövrieren. Kein leichtes Unterfangen, dafür aber eine kondensierte Reise, die in ihrer Intensität Conrad'sche „Heart of Darkness“-Ausmaße annimmt - nur verkürzt auf zwei Tage. Eine dritte, wenn auch erwartete Partei, macht schon während der Reise Schwierigkeiten...

Auf der Arktis-Insel selber werden Eiskletterer, Kletterer, Outdoor-Freaks - aber auch, und am wichtigsten, der normale Leser - kräftig Spass haben an Spannung und Detailfreudigkeit und „cooler“ Erotik, im wahrsten Sinne des Wortes: Val muss sich splitterfasernackt in einem Doppelschlafsack an die lebensbedrohlich unterkühlte Randi anschmiegen, um sie langsam wieder unter die Lebenden zu holen. Jon Smith hatte uneigennützigerweise diese Aufgabe weiterdeligiert.

Mit vielen Techniken hält Cobb den Leser bei der Stange. So geht Jon Smith schon lange vor Ankunft auf der Insel die Personal-Akten der dortigen Klimaforscher durch - und mit ihm der Leser. Das erzeugt eine Erwartungshaltung auf das tatsächliche Auftauchen im Buch. Ebenso gibt es einen parallelen Handlungsstrang in Albanien und man weiß, dass, während die vier Agenten schon unterwegs sind, eine große Truppe des „Air Commandos“ zusammengestellt wird, die Kavallerie sozusagen. Man vermutet also einen gewaltigen Showdown.
Abgehangenheit, wie es sich für die Figur des Agenten in der Fiktion gehört, gesellt sich hinzu, so über Randi: „Dort waren eine Spur von Trostlosigkeit und eine nie nachlassende Wachsamkeit zu erkennen, mit der sie ihre Umwelt im Auge behielt - das unverwechselbare Kennzeichen eines Menschen, der beides schon gewesen ist: Jäger und Gejagter.“

Auf englisch gibt es schon eine zweite Ludlum-Geschichte, geschrieben von James Cobb: „The Infinity Affair“.

Einen, der im heutigen Russland leider wieder zunehmende, staatlich gesteuerte Rehabilitierung erfährt, würde dieses tolle Buch richtig ärgern: Genosse Stalin.

Besprochene Ausgabe: Heyne | 2009 | 544 Seiten | Broschur* | € 9,95


 

 

 

 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
 
blog comments powered by Disqus
 
 
 

We see you! sf magazin lebt von Werbung. Sie haben keine Berechtigung, diese Site mit eingeschaltetem Ad-Blocker (Werbeblocker) zu surfen!
 
>>> Mehr Info ...


 


     
  • sf magazin   +
  • Bücher Romane Bestseller Krimis Thriller Buchneuerscheinungen
  • Exaktes Ad-Serving.
    Elegante Kunden-Reportings.