19.06.2013         Robert Ludlum, Eric van Lustbader - Das Bourne Duell: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
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- Das Bourne Duell

(2012) - Orig.: The Bourne Objective (2010), engl.
Bourne bleibt Jesus
Eric van Lustbader 's Halunken in Pentagon, NSA und CIA wechseln von Band zu Band, sich gegenseitig auslöschend, doch Bourne bleibt. Das Ringen um Erinnerung des Agenten nach seiner Amnesie bleibt faszinierender Anker und Erzähltrick.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 04.02.2012

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Multiple Identität ist von jeher das zentrale Moment eines jeden Agenten-Thrillers gewesen, und seien sie so alt - und dabei zeitlos - wie die von Graham Greene. "Keiner war das, was er vorgab zu sein. Ich versteh gar nicht, was uns zusammengebracht hat", meint jemand in "Das Bourne Duell" zum titelgebenden Helden, der erwidert: "Das ist der Punkt, nicht wahr?"
Das ist der Punkt, der dieses Genre vom Krimi unterscheidet. Der Krimi mag die Frage stellen, ob der gute oder böse Anschein einer Figur trügt oder sich bestätigt. Der Agentenroman setzt noch eins drauf: Die Protagonisten erfinden sich Lebensläufe für ihre diversen Gegenspieler. Nicht mal das ist klar: Mit was für einer Person habe ich es überhaupt zu tun?

Doch auch dabei beließ es Bourne-Erfinder Robert Ludlum, verstorben 2001, nicht. Sein Geschöpf erleidet bei einem Einsatz eine Amnesie. Wie im Nebel stochernd, muss Bourne Erinnerungsfetzen auflesen, wenn er auf Personen trifft, die ihm vertraut vorkommen. Lauscht er ihren Erzählungen, können sich Zusammenhänge manifestieren, doch ebenso sehr muss er sich vor Manipulation hüten: Jemandem mit fehlenden Erinnerungen kann man viel erzählen ...

Die Möglichkeit zu stochern, hat ein Erst-Leser eines Bourne-Romanes gar nicht. Den Fans geschuldet, bezieht sich der Erbe des Erzählstoffes, Eric van Lustbader, auch auf Figuren aus den jeweils vorangegangenen Bänden. Das ist durchaus positiv fordernd, auch der Rezensent hatte beim letzten Buch der Reihe ausgesetzt ("Die Bourne Intrige", 2011). Sehr häppchenweise ergänzt sich das Wissen um mannigfache Figuren in den vielen Erzählsträngen. Wenn man es so betrachtet, korrelieren die Erfahrungswelt des gehandicapten Bourne mit der Erzählweise der Bourne-Romane, die den Leser mitreißen obgleich sie ihn fast 600 Seiten im Trüben fischen lassen.

Zentral und dabei immer wieder humorvoll und zynisch skizziert Eric van Lustbader die Zerwürfnisse der beiden Washingtoner Geheimdienstbehörden CIA und NSA. Letztere gehört zum Pentagon, also zum Verteidigungsministerium. Dessen Begehrlichkeiten machen vor der CIA nicht Halt. Ex-Agent Bourne und seine Kollegen werden auch in "Das Bourne Duell" wieder gebeutelt durch die schachartigen Züge ihrer einstigen und aktuellen Vorgesetzten im Spiel um Macht und persönliche Fehden. Da wird das "Typhoon"-Projekt mit der altbekannten Chefin 'Soraya Moore' zerschlagen, nur weil der neue Agency-Chef dem Konzept, nur arabisch-stämmige Mitarbeiter im Kampf gegen Islamisten einzusetzen, Misstrauen entgegenbringt. Eine andere Weggefährtin Bourne's, 'Moira Trevor', steht ebenso auf der Straße und kann so dem freiberuflichen Auftragsangebot eines geheimnisvollen, reichen, in den USA lebenden Marokkaners nicht widerstehen, einen gestohlenen Laptop aufzuspüren.
Und schließlich ist die Bombe im Buch, dass "Treadstone", ja, genau das Projekt, das die beiden Killermaschinen Jason Bourne und Leonid Arkadin hervorgebracht hat, wiederbelebt werden soll. Die einzigen beiden Absolventen sind seit Langem verfeindet.

Wie hinter einem Schleier tauchen für Bourne wichtige Menschen aus der Vergangenheit als Schemen auf. Viele davon tot. Ludlum/van Lustbader haben immer wieder ein Händchen für Namensgebung. Manch Klang allein löst schon Verheißung aus, wie bei 'Tracy Atherton' oder 'Holly Marie Moreau'. Und genauso kunstvoll ist die Annäherung an die wahren Ichs dieser beiden. Für Bourne bedeuten beide romantische als auch schmerzliche Erinnerungen. Doch um seine Gefühle richtig einordnen zu können, wird er sich wie üblich auf die Socken rund um den Globus machen müssen, um herauszufinden, wie Tracy und Holly in ein Geflecht aus Drogen- und Waffenhandel auf höchster Hierarchieebene passen.

Fast schon liebevoll kann man mittlerweile das Verharren der Reihe auf den Erzählstrang Russische Geheimdienste nennen. Zu Ludlum 's Zeiten, noch im Kalten Krieg, war der Untergrundkampf der beiden damaligen Supermächte ja nicht wegzudenken. Van Lustbader behält die Tradition bei, wenn auch freilich unter anderen Vorzeichen. Der Kampf der Systeme ist einer süffisanten Selbstzerfleischung von Polit-, russischer Neureichen- und Geheimdienstszene gewichen, die in ihrer Abartigkeit der Washingtoner in nichts nachsteht. Held 'Oberst Karpov', altgedienter Unterstützer Bourne's, muss sich auch in "Das Bourne Duell" mit russischer Stoa und Fatalismus einige Wege freischießen.

Mehr oder weniger jagen alle bisher erwähnten Parteien dem typischen Hitchcockschen McGuffin hinterher. Inklusive kleiner Mystizismus-Anleihen, was der Bourne-Reihe nicht gut steht. Doch man ist wieder versöhnt, wenn van Lustbader in die Erzähltrickkiste greift und Bourne bei einer Wohnungsdurchsuchung auf ein Foto von vier Personen stößt, abgleitend in ein Gefühl von Déjà-vu und Verwirrung - da ist er dann wieder, der Mythos Bourne, und wir gehen bereitwillig mit auf die Reise, um dem Geheimnis des Fotos auf die Spur zu kommen ...

Besprochene Ausgabe: Heyne | 2012 | 592 Seiten | Festeinband* | € 22,99


 

 

 

 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
 
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