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 25.05.2012         Robert Hültner, Bernd Wiedemann - Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski - Graphic Novel: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
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- Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski - Graphic Novel

(2011)
Verloren im Grau
Die kurze Spanne, in der Bayern wirklich "Freistaat" war, versuchen Krimi-Autor Robert Hültner und Illustrator Bernd Wiedemann in einer Graphic Novel wiederzugeben.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 04.05.2011

Vor der Ausrufung der Münchner Räterepublik 1919, die nur wenige Wochen das Licht der Geschichte erblickte, standen komplexe, kaum strukturierbare Revolutionswirren in ganz Deutschland. So beginnt Robert Hültners und Bernd Wiedemanns Graphic Novel denn auch mit Szenen zerfurchter und stacheldrahtverhangener Erde auf den Schlachtfeldern vom Herbst 1918, als für den deutschen Kaiser ein vierjähriger Krieg verloren geht, von dem seine Generäle behauptet hatten, er würde gleichfalls nur einige Wochen dauern.

In den Städten verhungern seit geraumer Zeit Menschen, hunderte Kilometer von den Kampflinien entfernt, oder werden von der in ganz Europa grassierenden Spanischen Grippe dahingerafft. Das Revolutionspotential, sich speisend aus nackter Existenznot und der Unfähigkeit der Aristokratie, kann vom Zeichner Bernd Wiedemann erstmal adäquat in äußerst düsteren Bleistiftzeichnungen vermittelt werden. Doch eigentlich geht es im Fortlauf um einen Kriminalfall, den sich Autor Robert Hültner erstmals im 1995 als Roman erschienenen "Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski" ausgedacht hat. Was im Roman wohl damals gut ankam, funktioniert als Graphic Novel - zumindest in dieser Form - nicht.

Der Münchner Inspektor Kajetan begibt sich während der Suche nach dem Mörder eines Journalisten in ein politisches Wespennest und selber in Lebensgefahr. Der Ermordete schickte sich eventuell an, das Attentat auf Ministerpräsident Kurt Eisner aufzuklären und legte sich so natürlich mit dem Geflecht rechtsgerichteter Geheimbünde an. Eine gute Dramaturgie um die Verschwörer und ihre Marionetten herum ergibt sich in der naturgemäß gerafften Form der Graphic Novel nicht, was an Faktoren liegt, die wahrscheinlich nicht Autor und Zeichner alleine zu verantworten haben.

Ein durchdachtes, rein grafisches Layout - also Präsentation und Anordnung von Wiedemanns Bildern untereinander sowie textliche Anordnung - ist nicht erkennbar. Ein schlecht synthetisierter Text aus dem Original von Robert Hültner ist lieblos an irgendwelche Stellen von Bernd Wiedemanns Bildern geklatscht und hat inhaltlich kaum Kohärenz. Aussparungen, die teils für den Text gemacht sind, wirken mehr störend als verbindend und harren der Zuordnung.

Was "Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski" zeichnerisch völlig abgeht ist das Erzeugen von Emotion beim Betrachter durch Emotion in den Gesichtern der Protagonisten. Die gucken durch die Bank die ganzen über hundert Seiten so stumpf, als sei 1919 jegliche Gesichtsregung verboten gewesen. So ausgehungert können nicht alle gewesen sein.

Was auf dem festen Bucheinband noch eine tolle Wirkung erzielt, verliert im Fortlauf seinen Reiz. Den Deckel ziert ein eher helles Motiv, das im Bereich des Buchtitels allerdings zusätzlich aufgehellt ist, und so schon die kommende Problematik in sich trägt. Als Papier ist Salzer Werkdruck gewählt. Ein an sich schönes Papier, nicht reinweiß, sondern cremefarben, das eine Wärme ausstrahlt - wenn nicht zuviel davon bedruckt ist! Der Verlag wählte ein Buchformat, das wesentlich kleiner als DIN A4 ist und klatschte es randlos voll mit den schwierig im Druck wiederzugebenden Graphitzeichnungen von Bernd Wiedemann. Nicht einmal zwischen den einzelnen Bildern innerhalb einer Seite gibt es einen Millimeter Weiß. Das cremefarbene Papier schwächt nun zudem die Kontraste in den freilich gewollt düster gehaltenen Motiven ab. Werke, die auf Wiedemanns Originalzeichnungen sicherlich noch grandios ausgesehen haben, zerfließen zu grauem Matsch. Beim Druck bleibt unverständlich, warum nicht einmal schwarze Farbwerte, die im Original sicherlich an die 100% schwarz angelegt waren, wirklich schwarz gedruckt wurden. So vermindert sich wiederum der Gesamt-Kontrast.

Im Interview mit dem Verlag entblößt Text-Autor Hültner, warum der Band inhaltlich mißlungen sein könnte. Er ließ Zeichner Wiedemann völlig frei vor sich hin zeichnen und entwarf erst im Nachhinein seinen Text dazu. Jeder geübte Storyboarder wäre über so ein Vorgehen entsetzt.

Alles in allem sollte man eher 25 Euro für eine Live-Ausstellung der tollen Bilder Bernd Wiedemanns hinblättern, als für das schlechte Abbild.

Besprochene Ausgabe: DVA | 2011 | 112 Seiten | Festeinband* | € 24,99


 

 

 

 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
 
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