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- Gesetz des Todes

(2014) - Orig.: The First Rule (2010), engl.
Die Luft im Waffenlauf
Robert Crais ' Plot um serbische Banden, Zwangsprostitution und Waffenhandel in Los Angeles verspricht viel, liefert aber neben einem Private Investigator, dem sowieso alles gelingt, nicht mal einen entfernten Einblick in diese Themen.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 03.07.2014
Robert Crais - Gesetz des Todes
Zoom Robert Crais - Gesetz des Todes

Über ein Dutzend Bände hat US-Autor Robert Crais mittlerweile um sein Ermittler-Duo PI 'Elvis Cole' und 'Joe Pike', Ex-Söldner, geschrieben. Cole war immer ein guter Privatdetektiv, ein wenig linkisch, Hawaiihemden tragend, und - Hauptsache - mit guten Verbindungen zur Polizei und in alle Datenbanken dieser Welt inklusive Dark Web. Den Rücken hielt ihm immer der wortkarge Pike frei. Der ist eher dieser Typ Unverwundbar, eins neunzig groß, neunzig schwer. Also so, wie wir Thriller-Fans es lieben ...

Und Pike übernimmt diesmal die Hauptrolle. Er ist nicht so gut mit Daten, dafür kann er Observation, Geduld und Einschüchterung. Er wirkt sogar richtig emotional in "Gesetz des Todes". Denn er bekommt ein Baby! Nein, mit der Zeugung hat er nichts zu tun. Leute wollen soweit gehen, das Zehnmonatige einer "Huren-Mutter" zu töten. Es geht um perversen Vaterstolz und Abrechnung zwischen blutsverwandten Banden um jeden Preis.

Hineingezogen wird Pike in die Geschichte gleichwohl auf einer äußerst emotionalen Basis. Und die ist, was das Lesen von "Gesetz des Todes" eben bis zu einem gewissen Punkt vorantreibt und rechtfertigt. Sein alter Söldner-Kamerad 'Frank' wird mit seiner kompletten Familie regelrecht hingerichtet. Alles erscheint willkürlich, bis auf die ebenfalls ermordete serbische Hausangestellte. Und die Frage, ob Frank, nun wohl in seinen Dreißigern, nach der Quittierung seiner Dienste und nun im Leben eines seriösen Geschäftsmannes, doch noch in irgendwas Krummes verwickelt war, raubt Pike den Schlaf.

Er wird alles daran setzen, seinen Freund zu rächen. In die Parade fahren ihm dabei vermeintlich Polizei und ATF (Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives). Genüsslich zelebriert Crais hier die Hierarchie der Bundesbehörde über die L.A.-Cops, in Form einer toughen ATF-Agentin. Doch es ist ein inszeniertes Geben und Nehmen zwischen den Privatdetektiven und den Offiziellen. Wer hier wen benutzt, bleibt lange unklar, und ist ein gutes Momentum im Buch.
Auch das systematische Vorgehen und die Gelassenheit Pike's bilden Identifikationspunkte mit dem Helden. Etwa wenn Robert Crais beschreibt, wie Pike wiederholt und über Stunden mit unterschiedlichen Taxen an einem Haus langsamer vorbeifahren lässt und auch an willkürlich ausgewählten anderen Häusern mit falschem "Ansetzen". Denn Pike weiß, dass die Polizei ebenfalls den Verdächtigen observiert und muss selber unauffällig bleiben.

Wir wissen schnell, dass die nach dem Bürgerkrieg eingewanderten Serben zu einer Sorte Verbrecher gehören, denen jeglicher Moralbegriff abgeht, für die Kollateralschäden nur ein Wort ist, menschliche Hüllen, vor denen man wirklich Angst haben muss, Leute, denen man niemals begegnen möchte. Eigentlich macht Robert Crais ein riesen Fass auf mit den angerissenen Themen. Doch der Schaum fällt schnell in sich zusammen. Sowohl im klassischen Whodunit-Krimi, und erst recht im hard-boiled angehauchten Krimi, wollen die Leser eine gewisse Relevanz hinsichtlich Sozialpolitik oder Psychologie. Crais liefert seinen Helden Pike und sonst nichts. Wie kommen Männer dazu, ihre ebenfalls im Exil lebenden Landsfrauen zu versklaven, wie funktioniert das psychologisch, warum kann niemand helfen? Crais liefert nichts dazu. Wie ticken Bandenchefs, ihre Mitglieder, warum fühlen sie nichts mehr, warum sind sie entmenschlicht? Crais liefert dazu nichts. So sympathisch sein Held Pike sein mag - auch er liefert dazu: nichts.

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Besprochene Ausgabe: Heyne  |  2014  |  416 Seiten  |  Broschur*  |  € 9,99

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