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 24.05.2012         Robert A. Heinlein - Die Marionettenspieler: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
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- Die Marionettenspieler

(1994) - Orig.: The Puppet Masters (1951), engl.
Das Kollektiv im Genick
Niedlich liest er sich schon streckenweise, der Heinlein der Fünfziger Jahre. Aber immer mit Sprüchen, die, heute wiederangewendet, Kult verbreiten würden: „Hallo, Junge, geh vor Anker“ ist nicht die schlechteste Art, für eine auf dem Barhocker sitzende Frau.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 20.07.2008

Die Hemdsärmeligkeit in der Sprache ist überraschend, erfrischend und gekonnt. Gerne hätten die Popliteraten der Neunziger solche Dialoge im Duktus ihrer Zeit geschrieben und sind gescheitert. Heinlein's wirken wirklich wie die Unterhaltung zweier Checker, zweier Hipster, die in einem gutgelaunten und hellwachen Schlagabtausch gegenseitig immer noch eins draufsetzen. In den leichteren Teilen der Geschichte ist es wie das erregende, aufschaukelnde Geplänkel an einem Sonntagnachmittag, zwischen zwei Streunern, die durch die Stadt ziehen, sich ihrer Coolness bewußt sind und sich in ihr übertrumpfen wollen.

Als Nachhall der amerikanischen Schwarzen Serie im Film und der Hardboiled-Schule in der amerikanischen Kriminalliteratur lagert sich die Abgebrühtheit auf den Helden und auch Antiheroisches. Der Agent Sam ist sich seiner positiven Motivation seinem Vaterland gegenüber nicht immer so sicher. Gerne würde er öfter den mehr zweifelhaften Genüssen des Lebens frönen und den Laden, der immer wieder Unmögliches und Lebensgefährliches von ihm zu verlangen scheint, hinschmeißen. Sex, Drogen, ein gewisses Machoding erinnern den heutigen SF-Leser an das Genre Cyberpunk, das sich tatsächlich viel aus diesen 40ern und 50ern ausgeliehen hat.

Neben den absurden, trockenen Gags à la James Bond gibt es sowohl Seitenhiebe auf den westlichen 'Baum der Freiheit' als auf die Welt hinter dem Eisernen Vorhang. Die Angreifer in diesem Invasionsroman sind zwar außerirdisch, es sind jedoch Kollektivwesen, die unter Idealbedingungen alle an einer Gesamterinnerung und -erfahrung teilhaben können. Der Seitenhieb ist deutlich und es ist klar, auf wessen Seite Heinlein zu Zeiten des Kalten Krieges steht. Das ist legitim und Heinlein wird auch zu späteren Zeiten nie hetzerisch. Dietmar Dath modelliert in seinem guten Aufsatz die „links-anarchistische“ Seite und die „rechts-anarchistische“ Seite Heinlein's raus (auf sf magazin, Link siehe unten), er ist eben nicht so leicht zu fassen.

Doch zurück zum Roman: Eine parasitäre, kollektive, intelligente Lebensform schickt sich also an, sich auf der Erde auszubreiten. Dabei verwenden sie primär den Mensch, aber auch jegliches andere halbwegs intelligente Säugetier als Wirt. Dieser gehorcht dann dem Willen des Parasiten. Der Kampf der Nichtinfizierten gegen sie bleibt schwierig. In einer zu 90% befallenen „roten Zone“ fallen Dinge vor, die wenig appetitlich sind. In perfekter Tarnung müssen die Parasiten die gewohnte Wirtschaftsordung aufrecht erhalten - denn ohne diese würden ihre Wirte zugrunde gehen -, entdecken aber auch Freude an sadistischen Lüsten des Menschen. So schicken sie Mann und Frau in den Ring, die sich regellos zermartern, bis sie an zuvielen Brüchen oder Wunden verbluten. Der Parasit kann sich danach einfach einen neuen Wirt suchen.

Da ist es schon netter, als Sam, der Agent, von einem Anruf seines Chefs aus dem Schlaf gerissen wird und in das Gesicht einer unbekannten Blondine blickt. „Sie hatte sich ebenfalls aufgesetzt und schaute mich mit großen Augen an.“

Besprochene Ausgabe: Bastei Lübbe | 1994


 

 

 

 
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