Philip Palmer - Zone - Interview Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Zone

(2008) - Orig.: Debatable Space (2008), engl.
Interview mit Philip Palmer: „Diese Schriftsteller lieben es, auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen“
„Debatable Space“ (dt. Ausgabe „Zone“) - ein anarchisches Punk Pirate Space Opus - ist das Respektloseste was dem Genre SF seit langem untergekommen ist. Und das ist gut so. Palmer zur Beugung von Genres, Trends in der SF und einem Luder namens Lena.  Von Orbit Books - Übersetzung, Bearbeitung sf magazin * 26.09.2008

Orbit: Debatable Space ist eindeutig ein SF-Roman, jedoch scheint das Etikett Science Fiction einen immer größer werdenden Rahmen an Prosa zu beschreiben. Haben Sie eine persönliche Definition des Genres?

Philip Palmer: Ich habe Definitionen im Kopf, doch keine kann wirklich der irren Spannweite der SF Rechnung tragen. Meine derzeitige Lieblings-Definition ist, dass sich die SF von demselben Geist tragen lassen sollte, der auch die Wissenschaft inspiriert - Extrapolation, Spekulation und das Denken des Unmöglichen, um dann herauszufinden, wie man es möglich machen kann - anstatt nur wissenschaftliche Fakten zu liefern. Denn das würde Magischen Realismus oder schrullige Sachen ausschließen, wie etwa Jeanette Winterson's ausgezeichnetes „The Stone Gods“, das mit SF-Elementen spielt, aber letztendlich im Wesentlichen 'irrational' bleibt (nicht negativ gemeint; es macht nur nicht in dem Sinne, wie man das von der SF zu erwarten hat, Sinn).

Wenn ich schon dabei bin - ich las gerade Michael Marshall Smith's „Only Forward“, das wie ein Krimi der Schwarzen Serie im SF-Gewand daherkommt, aber auch Träume beschreibt und äußerst brillant und eigenartig ist. Natürlich ist es SF und wird auch als solche vermarktet. Aber ist es rational im Sinne von rationaler Wissenschaft? Oder ist es nur 'anders'?

Sehen Sie bestimmte Trends in der jüngsten SF/Fantasy?

Die Beugung von Genres ist in meinen Augen immer noch die Welle, die über diese und andere Genres hinwegschwappt. Es gab eine Zeit als Pulp Fiction sowohl Krimi als auch SF bedeutete, aber natürlich konntest du sie einfach auseinanderhalten. Heute werden genauso viele Noir-Geschichten in der SF wie im Krimi-Genre geschrieben.

Ein weiteres Beispiel für 'Genre-Beugung' ist Ken MacLeod's kürzlich erschienenes und großartiges „The Execution Channel“. Es ist SF, aber nicht, wie wir sie kannten; es ist jede Zeile wie ein zeitgenössischer Spionage-Thriller à la John Le Carré, bedient aber einige brillante SF-Konzepte. Richard Morgan, Jon Courtenay Grimwood, Alastair Reynolds, Jeff Somers - diese Schriftsteller tanzen alle auf mehreren Hochzeiten. All dies führt zu größerem Ehrgeiz bei den SF-Schriftstellern, in Bezug auf Stil und Atmosphäre und dem was SF sein kann, wobei das für mich der übergreifende Trend ist, noch vor dem Heranwachsen von Sub-Genres wie der Mundane-SF.

Haben Sie eine Theorie, warum Science Fiction so eine loyale Gefolgschaft anzieht?

Weil wir coole Geschichten für coole Leute schreiben.

Und, vielleicht, weil Science Fiction ein Genre ist, das der Vorstellungskraft freien Lauf lässt. Du kannst Starship Trooper sein, Kriegerin-Prinzessin oder Cyborg; im Gegensatz zu einem Buch, das dich daran erinnert, wer du bist und in welcher Welt du lebst.

Das heißt nicht, dass SF eskapistisch ist, in abschätzigem Sinne; tatsächlich zieht sie nämlich passioniert politische Schriftsteller an.

Die Figuren in Debatable Space sind ungeheuer kraftvoll und farbenfroh. War es einfach, Ihre Schöpfungen in die richtige Richtung zu lenken oder haben welche versucht - gegen Ihre Erwartungen - sich in den Vordergrund zu schieben?

Irgendwie wußte ich, dass 'Lena' mich an seltsame Orte führen würde und so tat sie es dann auch. 'Flanagan' ist offensichtlich der Held, trotz all seiner Schonungslosigkeit ist er auch voller Tugenden. Lena hingegen ist Laster und Makel in Person - und ist daher wesentlich enger an mich angelehnt.

Nachdem die Struktur stand - Space Opus wechselnd mit Tagebuch - hatte Lena die Kontrolle. Ich liebe es, dass die Charaktere eines Schriftstellers seine oder ihre Sklaven sind; aber Lena ist niemandes Sklave. Ich folgte ihr einfach, dem kleinen Luder.

Besprochene Ausgabe: Orbit (engl.) | 2008

      
 
 
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