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- Mahlstrom

(2009) - Orig.: Maelstrom (2001), engl. (dt. März 2009, Heyne)
Das Sequel im Mahlstrom
Wie die Papst-Anhänger den von Luther genutzten Buchdruck fürchteten, dämonisiert Watts im Jahr 2001 das Netz. Leicht antiquiert kommt seine Cyberpunk-Öko-Biotech-Dystopie „Maelstrom“ (dt. Ausgabe „Mahlstrom“) daher, als Sequel des grandiosen „Starfish“ (dt. Ausgabe „Abgrund“).  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 06.10.2008
Peter Watts - Mahlstrom
Zoom Peter Watts - Mahlstrom

Rezensions-Leser, die „Abgrund“ nicht gelesen haben und dies auch nicht vorhaben, dürfen sich jetzt wegklicken. Denn als für sich allein stehender Roman dürfte „Mahlstrom“ komplett versagen. Auch als Sequel birgt es ausschließlich Stoff für den Hard-SF-Fan, der zudem noch gerne extrem pessimistisch in unsere nähere Zukunft blickt. Über die in „Abgrund“ noch fein und spannend charakterisierten Personen, erfährt man in „Mahlstrom“ zwar Neues, aber es wird hölzern vorgetragen und lieblos. Im Vordergrund steht allzuviel der rein funktional vorgetragene Niedergang der Erdoberfläche und ihrer Fauna und Flora durch Überschwemmungen, Seuchen - ausgelöst durch maßgeschneiderte Viren, gegen die findige Unternehmen dann wieder neue maßgeschneiderte Viren in die Welt setzen - und die in „Abgrund“ eingeführte archaische Lebensform, die, ebenfalls durch den Profit- und Energiehunger des Menschen, aus den Tiefen des Ozeans freigesetzt wird.

Die Heldin Lenie Clarke, eine der psychotischen Persönlichkeiten, die von dunklen Konzernen physisch wie psychisch - nicht ganz freiwillig, wie sich herausstellen soll - modifiziert wurde, fährt einen ungewollten Rachefeldzug, der aus ihrem Blickwinkel heraus doch mehr eine Suche nach sich selbst ist. Von einem randalierenden, mutierten Netz-Virus tatkräftig unterstützt, tritt sie eine Reise quer durch Kanada an, um ihre Vergangenheit zu erforschen und ihren Erinnerungen an Mißbrauch in der Kindheit nachzugehen. Zeichen mehren sich, diese Erinnerungen könnten nicht echt sein...

Der Kontinent, den sie durchquert, ist längst nicht mehr an allen Ecken frei zugänglich. Die ehemals blühende Westliche Welt unterhält kilometerlange Flüchtlings-Camps an den Küsten, vollgepfercht mit ehemaligen Bewohnern tiefgelegener, jetzt überfluteter Staaten. Andere Bereiche sind gesperrt, um die kläglichen Reste von Fauna und Flora vor den maßgeschneiderten Viren zu schützen, die die meisten Menschen in sich tragen.
Biotechnische Veränderungen am Menschen führen zu immer neuen Komplikationen, gegen die die sich die Hände reibende Pharma-Industrie wieder neue Methoden einführen kann.

Alle Helden des Buches mußten entweder neurochemische Verhaltens-Modifikationen oder mikrochirurgische Eingriffe über sich ergehen lassen, mit Folgen wie Ausschaltung des Gewissens oder Schwellenwerterhöhungen für Angstempfinden. Doch kommt in „Mahlstrom“ kein Mitleid auf; zu schablonenhaft stemmen sich die Protagonisten gegen ihr Schicksal.

Der 'Maelstrom', so heißt der Nachfolger des Internets, ist bedrohlich und entfesselt: „A window opened. Maelstrom howled on the other side.“ In Watts' Welt dient es nur noch der Manipulation, Verfolgung, Überwachung und als Tummelplatz mutierender Viren.
Fast beruhigend, dass die derzeitigen Bedrohungen immer noch in Leder-Aktenköfferchen ausgetauscht werden, wie etwa die 17 Millionen Personen-Datensätze eines Mobilfunk-Anbieters.
Ein Ausmaß an Veränderungen der Welt, wie sie der Buchdruck hervorgebracht hat, muß das Internet erst noch hervorbringen. Vom Buchdruck ist die Welt auf jeden Fall nicht untergegangen.

Watts ist ein guter Schriftsteller, der zu Schade für Sequels ist, eine der Krankheiten der SF-Literatur. Zudem sollte er aufpassen, dass sein Lieblingsthema neurologische Manipulationen nicht zum Selbstzweck verkommt.

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Besprochene Ausgabe: Tor  |  2001

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