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- Berlin Requiem

(2014)
Noch hipper geht immer
Berlin-Neukölln diesmal mit Zombie-Bevölkerung in Peter Huths gelungener Polit-Persiflage "Berlin Requiem".  Von Eva Schmid von  Murder Books, Inc. Krimibuchhandlung >>> Krimibuchhandlung Murder Books, Inc., BERLIN ... - sf magazin 19.05.2014
Peter Huth - Berlin Requiem
Zoom Peter Huth - Berlin Requiem

Ein Zombievirus trifft Berlin-Kreuzberg und Teile von Nord-Neukölln. Die betroffenen Gebiete wurden zur Gefahrenzone erklärt und in einer Blitzaktion eine Mauer drumherum gezogen. Das Ganze wird dann Kontrollierte Zone (KZ) genannt, da auf den 35 Wachtürmen entlang der Mauer Scharfschützen sitzen, das Gebiet im Blick haben und auf alles schießen, was sich der Mauer nähert. Raus oder reinkommen darf hier niemand.
Im Mittelpunkt des Romans stehen vier Figuren: Ein Bewacher der Kontrollierten Zone, der zu Beginn des Romans durchknallt, über die Mauer springt und im Egoshooter-Stil alles abknallt, was ihm über den Weg läuft. Ein Kameramann, der sich mit exklusiven Bilder aus dem Zombiegebiet die Chance seines Berufslebens erhofft, ein Journalist, der keine Lust mehr auf seinen Job hat und raus aus der Stadt will, aber erst die Liebe seines Lebens retten muss und eben diese Frau, eine Talkshowmasterin mit Migrationshintergrund, die auf der Suche nach der Ursache des „Zombie-Virus“ in die Zone eindringt.
Der Virus hat eine Inkubationszeit, d.h. nachdem die Gebissenen gestorben sind, wachen sie tot wieder auf, sind aber noch „Zombies in Wartestellung“. Sie handeln und denken noch einen gewissen Zeitraum wie normale Menschen, fallen in ein kurzes Koma und werden erst dann zu Zombies. Daraus baut Peter Huth einen Teil der Spannung auf, denn die infizierten Menschen handeln im Wissen, bald selbst ein Zombie zu sein, in "Berlin Requiem".

Peter Huth ist Chefredakteur der B.Z. und er beschreibt, womit er sich auskennt: Medienleute und Politiker und ihr Mit- und Gegeneinander in einer gesellschaftlich-politsch hochbrisanten Situation. Was das Buch spannend macht, ist die Idee, die Bevölkerung glauben zu lassen, das Virus könne nur Menschen mit Migrationshintergrund treffen. Dies wird von einem, noch vor nicht allzu langer Zeit gechassten Rechtspopulisten genutzt, um sich mit einem vermeintlichen „Türken-Gen“ wieder ins Spiel zu bringen und sich zur rechten Hand des unfähigen Bürgermeisters zu machen. Ein Schelm, wer dabei nicht an Thilo Sarrazin denkt, was verwundert, pflegt die B.Z. doch sonst ein sehr herzliches Verhältnis zu diesem. Als ein Journalist dann einen hochbrisanten Hinweis erhält, droht die noch bestehende Ordnung endgültig zu kippen. Dieses Mischungsverhältnis von Falschinformation, politischer Manipulation und Medienhysterie und persönlicher Profilierungssucht (von Medienleuten und Politikern) stellt Huth glaubhaft dar.
Leider klärt das Buch die aufkommende Frage nicht, ob es ethisch vertretbar wäre, eine Minderheit zu opfern, um die Mehrheit zu schützen. Eine ähnliche Frage stellt sich auch auf der persönlichen Handlungsebene einer Hauptfigur.

Geschrieben ist das Buch zwar in einer leichten, einfachen Sprache, ein paar Kleinigkeiten, wie eingestreute Ausschnitte aus TV-Berichten oder Zeitungsartikeln, verleihen dem Buch aber literarisch etwas Pepp.
Man darf allerdings nicht zuviel Wert auf Logik legen. Wie es möglich ist, eine Mauer so schnell hochzuziehen, dass es keine Infizierten nach draußen schaffen und warum von den Überlebenden innerhalb der Zone keine ernsthaften Ausbruchsversuche stattfinden, bleibt unklar. (Die Rebellion kommt dann stattdessen von außen.) Auch die Tatsache, dass Karstadt am Herrmannplatz von nur zwei Personen „bewohnt“ und verteidigt wird, ist merkwürdig. (Wo doch jeder weiß, dass Zufluchtsort Nr. 1 bei einer Zombieplage das nächstgelegene Kaufhaus ist.) Schön wäre es auch gewesen, wenn ein Lektor mit Ortskenntniss sich noch einmal des Buches angenommen hätte, denn ein Skalitzer Tor gibt es in Berlin nicht, die Weserstraße befindet sich in Neukölln, nicht in Kreuzberg und die Oranienstraße zwischendrin mit der Oranienburgerstraße zu verwechseln – das passiert eigentlich nur Berlin-Touristen.

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Besprochene Ausgabe: Heyne  |  2014  |  336 Seiten  |  Broschur*  |  € 12,99

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