Peter F. Hamilton, bekannt unter anderem durch seine „Commonwealth-Saga“, kommt mit „Träumende Leere“ und somit dem Beginn seiner neuen Serie „Pilger der Leere“ oder auch „Void-Trilogie“ auf den deutschen Markt. Der vorliegende Band umfasst etwa die erste Hälfte des englischen Originalbandes „The Dreaming Void“.
Die neue Serie baut auf den Ereignissen der „Commonwealth-Saga“ auf, allerdings spielt sie rund 1.500 Jahre später. Toll ist Hamilton nach wie vor in der Erzeugung von Vorstellungswelten, die unsere gewohnten Dimensionen von Größe, Energie und Zeit sprengen. Da hat eine alte Rasse Maschinen gebaut, die so groß sind wie Planeten, und von denen zwölf an der Zahl sich periodisch sichelförmig über den Himmel legen während ihrer Umkreisungen. Eine Observierungsstation entzieht sieht gar jeglichem zeitlichen Vorstellungsvermögen: Einige Rassen forschen hier schon seit Jahrtausenden und bauen immer wieder Gebäude an oder geben welche auf. Schließlich stellt man fest, dass eine bereits verschwundene Rasse fossilierte Schichten von Forschungsgebäuden hinterlassen hat, die ins Millionen-Alter gehen...
Das lässt die Frage aufkommen, ob nicht die Menschen, mit ihrer zwar mittlerweile erweiterten Lebensspanne von etwa 1.000 Jahren, eine viel zu kurzlebige und junge Rasse sind, um überhaupt in diesen Forschungen eine Rolle zu spielen.
Mit schnellen Strichen skizziert Hamilton das Zusammenleben fremder Rassen, wenn sie sich aus ihren jeweils angepassten Habitaten zusammenfinden. Ob so viel Harmonie und gemeinsamem Forschungsdrang wird einem warm ums Herz. Doch man weiss, dass bei ihm nicht immer alles friedlich abläuft.
Die Freude hält nicht lange an. Wo ist das Vorantreiben, der stringente Duktus Hamilton 's geblieben? Sein Humor, geschliffene Dialoge, seine geschmeidige Eleganz; man könnte meinen, ein mittelmäßiger Ghostwriter hätte sich Hamilton 's Stoff angenommen. Abgehackte Aufzählungen von wirren Technologien, Planeteneigenschaften und biologischen Aufrüstungen wirken, als wenn man sie aus einem Telefonbuch vorgelesen bekommt. Schwerfällig - als würde er jemandem die Aufstellung der Figuren auf einem Schachbrett durchgeben - rattert er Bezüge und Konstellationen zu und aus den früheren Büchern herunter. Teilweise geht er Richtung Hard-SF, indem er sich dutzende Seiten nur mit Schiffstechnik beschäftigt. Auf der anderen Seite geht er Richtung Fantasy, dazu gleich mehr.
Er versucht ganz ungelenk, Enkel und Ururenkel der Protagonisten der Commonwealth-Saga einzuführen, dass es selbst dem Fan graut und er Mitleid bekommt mit den unbedarften Lesern, die auf dieses hingeklatschte Sammelsurium von Personen treffen.
Besser wäre gewesen, Hamilton hätte einen kompletten Bruch gemacht, nach seiner „alten“ Commonwealth-Serie und sich einfach eine neue Welt in noch fortgeschrittenerer Zukunft ausgedacht, in die jeder Hamilton-Erstleser mit Schwung einsteigen kann. So beraubt er sich dieser Klientel bzw. verärgert sie sogar, falls sie sich ungewarnt das Buch kauft.
Die Mitte der Galaxis ist in diesem Buch ein künstlich abgeschirmter Hohlraum, die „Dreaming Void“, im Gegensatz zur früheren Vermutung, die Galaxis kreise um ein monströses Schwarzes Loch. Die Mitte ist alles andere als harmlos: Diese Leere kann Sterne fressen, viel schneller als es den Rassen der Galaxie lieb ist...
Und, Ohren auf!, Hamilton geht Richtung Fantasy, mit seiner neu eingeführten Religion, Pilgerreisen, dem 'Living Dream', dem Gläubige hinterherhechten und dem messianischen 'Second Coming', ausgelöst durch den 'Second Dreamer'... Viele Worterfindungen gehen mit „Gaia“ los. Also Eso pur, wer hier Gänsehaut kriegt, wird keinen Spaß an dem Buch haben.
1. Neal Asher: Der eiserne Skorpion (2010) - Orig.: Shadow of the Scorpion (2008), engl.
2. Philip Palmer: Zone (2008) - Orig.: Debatable Space (2008), engl.
3. Adam Roberts: Sternennebel (2006) - Orig.: Salt (2000), engl.
4. Frederik Pohl: Gateway (2004) - Orig.: Gateway (1976), engl.
5. Joe Haldeman: Der ewige Krieg (2000) - Orig.: The Forever War (1988), engl.
Ernest Cline:
Ready Player One
Crown, Festeinband
John M. Cusick:
Girl Parts - Auf Liebe programmiert
Baumhaus, Festeinband
Charles Stross:
Rule 34
Ace, Festeinband
Ben Tripp:
Infektion
Heyne, Broschur
Thomas Thiemeyer:
Das verbotene Eden - David und Juna
Pan, Festeinband
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