Peter F. Hamilton - Die Boten des Unheils: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Die Boten des Unheils

(2006) - Orig.: Pandora's Star (2004), engl. (Rezension der engl. Ausgabe, die im Dt. auf zwei Bände geteilt ist: Der Stern der Pandora, Die Boten des Unheils)
Langer Atem auf dem Weg zur Apokalypse
Hamilton führt an der Hand durch Durststrecken, um uns bei der Konfrontation mit dem Unfassbaren zu stützen.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 28.01.2008

Was bringt den Leser dazu, 988 Seiten (engl. Ausgabe, dt. aufgeteilt auf zwei Bände) am Ball zu bleiben, obgleich ein Roman Schwächen in Struktur, Charakterzeichnung der Protagonisten - bei einer Überzahl von ständig neu eingeführten Protagonisten -, fehlendes Kohärenz-Gefühl und fehlende Plastizität der geschilderten Welten aufweist?
Es ist wahrscheinlich in erster Linie Hamiltons Verwandschaft zu einem Krimi-Autor. Er läßt Handlungsstränge stetig offen, um das Gieren nach Klärung von Konstellationen, nach dem wahren Charakter von Personen, nach den richtigen technischen Zusammenhängen, aufrechtzuerhalten.
Weiterhin sind es einfach punktuell atemberaubende Schilderungen von phantastisch Großartigem, Unvorstellbarem, Nie-Zuende-Gedachtem und eben doch einiger Figuren, deren Geschick man unbedingt mitverfolgen will.

Um 2380 lebt die Menschheit in Frieden und schon ein gutes Stück weit in die Galaxie verteilt. Die meisten sind „Rejuvenists“ im Gegensatz zu den „First-Lifers“. Man trägt ein Speicherkristall an der Hirnrinde, das alle Eindrücke und damit Erinnerungen aufzeichnet. Beizeiten wird alles in einen aufgehübschten Körper übertragen. Schön arbeitet Hamilton den Lebenshunger der „First-Lifers“ heraus und die Abgebrühtheit der mittlerweile 300-Jährigen.
Die über 50 bewohnten Planeten des „Commonwealth“ sind durch künstliche Wurmlöcher verbunden. Romantische Raumfahrt über weite Strecken und lange Zeiträume gibt es daher nicht.

Ein 500 Lichtjahre entfernter Doppelstern verschwindet plötzlich. Die Ursache muß künstlich sein und impliziert eine unvorstellbare technologische Kapazität der Verursacher.
Ein sein eigenes permanentes Wurmloch mitführendes Raumschiff wird flux entwickelt und losgeschickt...

In der Beschreibung von Fauna und Flora der mehr oder weniger weit von der Erde entfernten bewohnten Planeten sowie am Eintauchen in deren individuelle Soziologie scheitert Hamilton häufig. Fulminant ist die Entstehungsgeschichte der Alien-Art, ihre Form von Darwinismus, ihre Biologie, ihre Fortpflanzung, ihr völlig anderer Begriff von Individualität, das Fehlen des Begriffs Werte.
Schon aus Perspektive des allwissenden Erzählers auf ihren Heimatwelten beobachtet, lassen einem die Kollektiv-Alien die Nackenhaare hochstehen.

Bevor es jedoch zur Konfrontation kommt, plagt sich auf den Menschen-Welten die Ermittlerin Paula Mayo mit den Terroristen der „Guardians“ rum, die seit ihrer Gründung behaupten, ein einzelner Vorbote, der „Starflyer“, korrumpiere seit Jahrzehnten Politiker, um eine Alien-Invasion vorzubereiten. Und was weiß die undurchschaubare, wenn auch friedliche Rasse der „Silven“, mit der die Menschheit seit langem in Kontakt steht, von den Vorgängen um den Doppelstern? Wird die SI - eine auf einen eigenen Planeten ausgelagerte Künstliche Intelligenz - den Menschen Beistand leisten?

Nicht zuletzt in diesem Geflecht hält Hamilton die Story zusammen.
Die Invasion ist furchtbar. Sie dreht einem den Magen um, gibt dem Lese-Abend einen anderen Anstrich, als man sich gewünscht hätte. Tausende Tonnen schwere Raumschiffe lassen mit ihren Fusions-Triebwerken Ozeane aufkochen, verwandeln Festland in gläserne Schlacke und lassen zwanzig Kilometer hoch aufgetürmten radioaktiven Staub tsunami-artig auf Städte zurasen.
Die totale Nichtbeachtung dessen, was uns als natürlich und wertvoll gilt, macht taumeln.

Aber es gibt Hoffnung: Einige Wanderer sind immer noch auf den Pfaden der „Silven“ unterwegs, ganz ohne Wurmloch von Planet zu Planet...

Besprochene Ausgabe: TOR science fiction (engl.) | 2004

      
 
 
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