Pavo Pejic - Pussykiller: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Pussykiller

(2009)
Germany's Next Pornostar
Vier Jugendliche aus dem Problembezirk Hamburg-Dulsberg peppen ihren leeren Alltag mit Handys klauen und Pornos glotzen auf. Inspiration für sein Coming of Age-Debüt will Pavo Pejic bei Larry Clark, Michel Houellebecq und C. Bukowski genommen haben, bleibt jedoch etwas hinter seinen Vorbildern zurück.  Von Clarissa Lempp - sf magazin 05.10.2009

Wer Larry Clark 's Film "Ken Park" gesehen hat, fühlt sich wahrscheinlich auf der ersten Seite von "Pussykiller" daran erinnert. Eine Gruppe desillusionierter Jugendlicher blinzelt im Park in die viel zu warme Januarsonne und erzählt sich vom filmmäßigen Tod eines Jungen, der einer von ihnen sein könnte. Und wie bei "Ken Park" ist dieser Junge nur die Geschichte, die den Blick auf einen sozialen Mikrokosmos weiten soll. Wir sind in Hamburg Nord, in Dulsberg, einem der ärmsten und unbekanntesten Stadtteile der Hansestadt. Hier lebt Paul, altkluger, milchbübischer Ich-Erzähler. Mit ihm sind der adipöse Freund Dominik, Marko, eine hormon- und medienüberladene Neuzeit-Version des Halbstarken und der blasse Tobi. Zusammen mit anderen irgendwo zwischen 14 und 16 Jahren schwebenden Geschlechtsgenossen und Gegengeschlechtlichen, verbringen sie ihre Tage mit Pornos runter laden, Schule, Handys und Gras dealen, Zigaretten rauchen, Alkohol trinken und Schwimmbadbesuchen. Über acht Monate hängt der Leser mit ihnen rum, starrt in den Himmel, lauscht dem Schultratsch über gedemütigte und zum Pflegefall geprügelte Lehrer, selbstgedrehte Gewaltvideos, wer mit wem rummacht und wer wen wann flach gelegt hat. Sie managen die Porno-Webseiten ihrer Freundinnen und nehmen Ecstasy in Techno-Clubs. Prügelnde Väter, nörgelnde Stiefeltern und Arbeitslosigkeit prägen die Familien. Eltern, die so damit beschäftigt sind das eigene Leben zu kitten, das sie keine Perspektiven bieten können. Eine Erwachsenenwelt die selbst zu wenig Halt besitzt, um Sicherheit auszustrahlen. Dazwischen Ausflüge in eine von Pejic karikierte Medienwelt. Fanny Girl rappt über Schwänze lutschen, die Privatsender suchen in einer Casting Show den neuen Pornostar, die Jugendlichen konsumieren.

Es wird klar auf was Pavo Pejic, Student der Sozialen Arbeit in Hamburg und selbst Bürger von Dulsberg, hinaus will. Doch obwohl er die eingangs erwähnten Larry Clark, Michel Houellebecq und Charles Bukowski als Inspirationen auf seiner Homepage nennt, geht es in Pejics Lost Teenie World nicht richtig voran. Die Rap-Texte von Fanny Girl sind bestimmt nicht schlechter als die, die man aus den aktuellen Charts kennen könnte, und auch Deutschland sucht den Pornostar ist wohl ein Format, das sich bereits in Produzentenköpfen herumtreibt. Aber die Welt die Pejic beschreibt, bleibt eine künstliche. Das Aneinanderreihen von Erlebnissen liest sich zwar wie ein gut aufbereiteter Artikel zur Shell Jugendstudie weg. Die Figuren jedoch bleiben geschriebene. Sie wälzen Dialoge hin und her, die weder authentisch wirken, noch wirklichen Tiefgang wagen. Darüber können auch die bösen F- und V-Wörter nicht hinwegtäuschen. Der Ich-Erzähler muss seine eigenen Freunde als verbale Grobmotoriker entlarven, weil das, was sie zwischen den Anführungszeichen sonst so von sich geben doch in 1A Schriftdeutsch ist. "Das sagt Marko so nicht, er verwendet nicht den Begriff 'ratlos', aber es ist wahrscheinlich das, was er meint" muss Paul einmal denken. Auch ein wenig ratlos ist nun die Rezensentin. Wollte Pavo Pejic eigentlich einen Jugendroman schreiben und hat deshalb etwas weich gespült? Wollte er überhaupt nur schreiben und hat deshalb nicht richtig hingehört? Der Autorenname, der Buchtitel, die Umstände – ein Sozialarbeiter schreibt über die verlorene Jugend aus seinem Stadtteil – das alles hat nach "Jim Carroll" gerochen, nach Kerouacscher Poetik oder eben nach Clark 's Filmen wie "Ken Park" oder "Kids". Am Ende steht bei Pavo Pejic aber ein etwas kitschiger Ausflug ans Meer und ein unsinniges Versprechen der vier Protagonisten. "Pussykiller" ist ein Coming of Age-Roman ohne Überraschungen. Mit Sicherheit nicht der schlechteste, aber eben auch keiner von den richtig guten.

Besprochene Ausgabe: Rogner & Bernhard | 2009 | 350 Seiten | Festeinband* | € 19,90
 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel

      
 
 
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