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- Der Messingmann

(2006) - Orig.: Brass Man (2004), engl.
Don Quichotte de LaMancha in erfolgreich
Mitleid muss man eher mit den Bösen haben, den gequälten Größenwahnsinnigen und verkrüppelt in die Welt geschmissenen Cyber-Golems in Asher 's klassischem Abenteuerroman.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 06.11.2008

Neal Asher ist der Meister der Monster. Der Monster auf anderen, erfundenen Planeten. Selten plastisch stürzen uns in seinen Büchern Kreaturen entgegen, denen wir nicht mal in den Alpträumen unserer Tiefschlafphase begegnen möchten. Jedes einzelne Glied, so sie denn Glieder haben, können wir uns ausmalen, ihre Bewegungen, und vor allem das, was sie einem zufügen können. Die Angst vor ihnen, wenn sie ihre Mahlwerkzeuge rasseln lassen, die Stacheln drohend emporrichten oder ihre doppelten, rotierenden Gebissreihen entblößen.
Aber Asher ist auch ein Charakterkenner. Des Charakters des Menschen. Oder dessen, was nach biomechanischen und genetischen Modifizierungen noch von ihm übrig ist - oder sich von ihm fortentwickelt hat - je nach Sichtweise. Als Autor und Mensch denkt er sich ins Verhalten seiner Artgenossen als auch der Maschinen, die in ihrer Blutlinie stehen. Denn oft fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. Obgleich seine Mensch-Maschinen-Wesen fast gottgleich unverletzlich scheinen, unendlich weise und sich im darwinschen Sinne ungleich härter behaupten wollen als jedes biologische Wesen, macht er uns mitfühlen mit ihnen. Was wäre die Science Fiction ohne dies? Wie das Lesen eines technischen Manuals oder eines Telefonbuchs.

'Brass Man', der Messingmann, erscheint uns wie die moderne Version von Frankensteins Monster. Seine Konsistenz erschließt sich dabei nicht mal ganz. Klar ist, anstelle von Leichenteilen sind ultraharte und sich ultraschnell fortpflanzende Nervenbahnen getreten und eine Verbund-Intelligenz, die sich aus den nano-großen Einzelteilchen seines Körpers speist. Und wehe, er loggt sich in dein Gehirn ein, sei es quantenverschränkt oder einfach nur schmerzhaft, mit seinen sich wie Quecksilber ausbreitenden Nervenenden, die sich wie ein fremdes Wurzelgeflecht hineinbohren, wie tausend Nadeln sich durch deinen Körper wälzen.

Das ist die High-Tech Ebene im Roman um den Agenten Ian Cormac, der sich mit diesem Golem prügeln muss, der der verlängerte Arm eines Bösewichts ist, der sich mit Künstlichen Intelligenzen verbündet hat, die ganze Planeten unter Kontrolle bringen wollen. Dabei hat der Agent fast die Nebenrolle. Denn was wäre Space Opera ohne weitere Handlungsstränge. Und dieser weitere ist eigentlich das Herzstück des Buches. Denn neben das Mitleiden mit dem kräftig austeilenden aber auch bedauernswerten Golem gesellen sich an zweiter Front der rastlose Ritter Anderson und sein junger Protegé Tergal auf einer eher archaischen Siedler-Welt. Anderson wird die Figur sein, die der Leser am längsten lebhaft im Gedächtnis behält. Augenscheinlich ist er angelegt wie der Don Quichotte de LaMancha des Miguel de Cervantes. Doch er ist humorvoller, erfolgreicher und wahrscheinlich sieht er besser aus. Gutmensch und Womanizer in einer Person, benutzt er die Abenteuer, um vor sich selbst und den Frauen zu flüchten. Die Welt, in der er sich bewegt, bietet eine schöne Ambivalenz der Steam-Punk-Elemente mit den schlummernden High-Tech-Elementen, die sich bald offenbaren könnten.
Im Endeffekt bedeutet seine Suche nach sagenumwobenem Drachen das Angehen gegen die selbe Bedrohung deren sich Agent Cormac gegenüber sieht...

Das herrliche Drachenmotiv ist so uralt wie der Mensch selbst und wahrscheinlich auch das Verhalten Anderson 's gegen Ende des Romans: Er erhält das unzweifelhafte Angebot eines schönen, beschaulichen Lebens, doch begibt sich lieber mit seinem Sandschwein - sein Reittier und zuverlässigster Partner seines Lebens - auf ein neues Abenteuer!

Besprochene Ausgabe: Bastei Lübbe | 2006

      
 
 
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