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 24.05.2012         Maurice G. Dantec - Babylon Babies: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Maurice G. Dantec - Babylon Babies: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Babylon Babies

(2005) - Orig.: Babylon Babies (1999), französisch (in dt. noch nicht erschienen; Besprechung der engl. Ausgabe von 2005)
Vin Diesel wird's kaum richten
Man muss gespannt sein, welche Elemente sich die im September 2008 anlaufende Verfilmung unter dem Titel „Babylon A.D.“ aus dem Roman gegriffen hat. Dieser ist zu empfehlen für Papier-Waffennarren und Leser, die im Genre Cyberpunk sowieso alles lesen. Ach, und für Leser die mit den Namen Deleuze, Guattari und Nietzsche was anfangen können.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 12.08.2008

Vorweg: Falls nach dem Film eine deutsche Ausgabe auf den Markt kommt, kaufen Sie diese. Vorliegende englische Übersetzung aus dem Französischen ist grottig.

Auf den ersten Seiten ergibt sich schnell ein Reiz aus der Nähe der geschilderten Zukunft - dem Jahr 2013 - und der Auffrischung der Erinnerungen an einen scheußlichen Krieg mitten in Europa: dem Bosnien-Krieg. Der Roman kam 1999 heraus und so sind auch die literarische Verarbeitung sonstiger Nachwehen des Zusammenbruchs der UdSSR sehr präsent.

Mit dem Söldner 'Toorop' begibt man sich wechselweise in die Vergangenheit des Bosnien- und Tschetschenien-Krieges und in die Zukunft auf chinesische Hochebenen, auf denen sich muslimische Milizen gegenseitig bekämpfen oder sich gegen China wenden.

Leider ist Dantec's schablonenhafte Ex-UdSSR-Sicht schnell langweilig und schon längst überholt vom modernen Rußland-Bild. Ein Mafiosi-Typ wie der, der Toorop schließlich als Bodyguard anheuert, mit den Stereotypen Armani-Wodka-Kubanische Zigarre, ist einfach nur fad.

Gegen gute Hard-SF hat der Rezensent gar nichts. Dantec gibt sich aber als Military-Checker aus, zählt oft und viel Waffengattungen und -typen auf, entblößt sich aber mit seiner Art und Weise als jemand, der garantiert noch nie geschossen hat (sei es im Sport oder der Armee) und noch nie erschöpft mehrere Nachtwanderungen gemacht hat. Ein Autor recherchiert natürlich Erfahrungen, die er nicht selbst gemacht hat und verkauft sie dem Leser als authentisch. Dantec's Kraft reicht dafür nicht.

Endgültig absurd - oder selbstironisch? - wird es, als Toorop einen Kommandanten davon überzeugt, den einfachen Soldaten seiner Hochland-Bauerntruppe Bücher von Clausewitz, Mao, Che Guevara, Lawrence, Caesar, Napoleon und Sun Tzu's „Art of War“ als Pflichtlektüre aufzuerlegen. Das von Lawrence dürfte in Filmform „Lawrence of Arabia“ noch das einzig genießbare sein.
Dantec bringt trotzdem während eines Gefechts Sinnsätze wie „There'd be no mercy.“ Aha. Das hatte man nicht anders erwartet. Wenn man den Feind viel schlagen kann, wird man ihn niemals freiwillig wenig schlagen. Soviel sollte klar sein, ohne dass man obig genannte Bücher gelesen hat. Alles andere wäre tödliches Versäumnis - welch herrlich perverse Feststellung.

Nun, Toorop soll eine junge Frau von Europa nach Kanada begleiten. Das Mysterium um diese Frau, die unter Alpträumen, Halluzinationen und Schizophrenie zu leiden scheint, erhellt sich quälend langsam. Viele Dialoge sind einfach langweilig und unnütz. Ganze Seiten einfach überflüssig. Außerdem wird man das Gefühl nicht los, dass sich Harte Kerle komplett anders unterhalten.

Toorop und die anderen Leibwächter werden auf merkwürdige Art von der Frau mental beeinflußt. Zudem schenken eine ganze Menge obskurer Gestalten der Truppe ihre Aufmerksamkeit. Die Söldner sind gewohnt, irgendeine „Fracht“ zu eskortieren. Welche Fracht steckt in der Frau?

In Folge entwickelt sich der Roman Richtung Cyberpunk mit immer neuen rivalisierenden Gangs, Cyborg-Gemeinden, Millenniums-Kulten, Hackern und dem ganzen Rest, der dazugehört.

Den Willen zur Macht und das zweibändige Hauptwerk Deleuze's, „Kapitalismus und Schizophrenie“, müssen Sie im Roman selber entdecken. Greifbarer sind da schon die Ideen aus Narby's „The Cosmic Serpent“, der uns erklärt, warum wir von Schlangen träumen, nämlich von nichts weniger als unserer gekringelten DNA...

Besprochene Ausgabe: semiotext(e) (engl.) | 2005


 

 

 

 
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