24.11.2017   Rezension, Buchbesprechung, Buchkritik   Literatur, Buch, Kritik         Markus Stromiedel - Die Kuppel: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Markus Stromiedel - Die Kuppel: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur
 

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- Die Kuppel

(2012)
Kurzrezension: Markus Stromiedel - Die Kuppel
Markus Stromiedel lässt seinen Helden, Angehöriger der "Europäischen Militärpolizei", lustlos durch eine nahe Zukunft tapern, die neben wahllosen Ingredienzien aus dem Dystopie-Baukasten mit dem Thema Überalterung glänzen will.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 01.05.2012
Markus Stromiedel - Die Kuppel
Zoom Markus Stromiedel - Die Kuppel

Die Alten will man loswerden. Um an ihr Geld ranzukommen? Nein, damit sie kein Geld mehr kosten. In Markus Stromiedels Jahr 2035 entledigt man sich eines Häufleins von ihnen von Staats wegen auf recht rabiate Weise. Allerdings ökonomisch völlig unsinnig, wie Stromiedel selber im späten Verlauf seines "Die Kuppel" zugibt. Aber man soll ja die vorgeschlagene Lösung auch nicht toll finden - wir sind in einer Dystopie. Falsch gedacht vom Autor: Die einschlagensten, wirkungsvollsten Dystopien sind die, in denen das Böse, das Entartete, zum ganz normalen Alltag jener aus der Zukunft gehört. Klar, Widerstand muss aufkeimen, sonst hat man keine Dramaturgie für eine Geschichte.

Widerständler sind in "Die Kuppel" die, die sich schon während eines "Wirtschaftsgipfels an der Ostsee" in den Nuller-Jahren einen Namen gemacht haben, jetzt alt sind, und ihre europaweite Vernetzung mit der Zeit immer enger geknüpft haben. Wie, und in welchen Strukturen, teilt Stromiedel leider nicht mit, er vergisst fast alles, was einen Thriller - denn so ist das Buch gelabelt - ausmachen sollte. Wie es der Zufall will, ist der Vater von Held 'Vincent' Aktivist. Vincent hingegen, hat es eher aus Unentschlossenheit in den Militärdienst einer paneuropäischen Polizeitruppe verschlagen. Zwar in London aufgewachsen, schickt man ihn zum Einsatz nach Deutschland, ob seiner deutschen Wurzeln und Sprachgewandtheit. Denn es hat mittlerweile noch mehr gesamteuropäische Institutionen, auch düstere, wie die ESS. Okay - ein Plus für die Akronym-Schöpfung als Mischung aus SS und MfS. Es ist tatsächlich der Europäische Staatsschutz. Und der scheint einen Mord vertuschen zu wollen.

Alle übrigen Zutaten der Zukunft werden mehr oder weniger mit einem Satz abgehandelt. Es gibt die Klimaflüchtlinge, die in Zeltlagern vor jeder größeren Stadt hausen - Held Vincent, einer der wenigen, die jetzt mit dem Auto unterwegs sind, da von Dienst wegen gestellt, braust extra schnell dran vorbei, damit sein Erschaffer sich nicht zulange damit aufhalten muss. Dafür lässt er seitenlang seine Protagonisten in seltsamer Gefühlsleere und Konturlosigkeit vor sich hin plänkeln. Als Helfer aus der Ferne gibt es den obligatorischen Freund und Computer-Nerd, der auch in VR und in "Humanoiden"-Programmierung macht und ebenso Sex für Vincent, der steifer kaum wiederzugeben ist.

Clevere Ermittlungsarbeit gibt es nicht, ebensowenig wie ein ansatzweises Eintauchen in eine Lebewelt des Buches. Da hilft es nichts, Markus Stromiedel will es so mit seinem Schlagwort Überalterung, aus dem er aber nichts macht: Worte der ältesten deutschen lebenden Kritikerlegende RR müssen zitiert werden. Ein ärgerliches Buch.

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Besprochene Ausgabe: Droemer  |  2012  |  400 Seiten  |  Broschur*  |  € 14,99

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