Mark McNay - Under Control Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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Mark McNay Under Control

Mark McNay - Under Control (2010) - Orig.: Under Control (2008), engl.

Der verwirrte Sozialtherapeut
Ausnahmslos trist, hoffnungs- und schonungslos zeichnet Mark McNay seine Figuren am untersten Rand der Gesellschaft und lässt sie auf ihren Therapeuten treffen, der sich Abwechslung holt, indem er Profession nicht mehr von seinem privaten Verlangen trennt.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 25.01.2010
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Man begleitet Therapeut 'Nigel' zu Beginn von „Under Control“ zu einigen Hausbesuchen bei seinen Schützlingen, allesamt Misfits, nicht mehr gesellschaftsfähig oder nie gewesen. Da ist 'Gary', der Ex-Fremdenlegionär, jetzt schizophren, 'Chris', der mühsam ganz alltägliche Dinge wieder lernen muss oder 'Ralph', nach dem letzten Drogenentzug wieder akut gefährdet. Die Prostituierte 'Charlie' gehört zu deren Umfeld.
Diese Arbeit schildert McNay akribisch und es ist interessant, in spröder Prosa mitzuerleben, wie Nigel etwa Chris abholt, um mit ihm zusammen auf dem Postamt eine Überweisung zu tätigen, den Wohngeldantrag zu erneuern oder einfach mit ihm in einem Café zu sitzen, damit Chris sich überhaupt wieder unter Leute traut. Die Drogenproblematik seiner anderen Patienten behandelt Nigel mit professionellem Abstand und Sachlichkeit. In seinem Büro, das er mit einer Kollegin teilt, herrscht ein entspanntes Klima, trotz des eintönigen Ausfüllens von Bewilligungsanträgen und den täglichen Arbeitsnachweisen inklusive der minutiös aufgeführten Fahrtwege.

Doch Nigel ist kein Roboter und trotz Freundin verdreht ihm die schöne und charismatische Prostituierte Charlie den Kopf. Charlie geht mit Gary und beide sind mischkonsum-drogenabhängig vor dem Herrn. Mark McNay möchte nun ein Spannungsfeld daraus aufbauen, dass er den Profi Nigel gegen jedes bessere Wissen eine emotionale Beziehung zu Charlie starten lässt, der er helfen will, zwar noch unter Ausnutzung seines professionellen Hintergrundes, aber lange nicht mehr altruistisch, sondern gepaart mit simpler Geilheit. Dass ein Junkie Emotionen und Ethik nur so weit pflegt wie sie das nächste High nicht verhindert, wissen Leser und eigentlich auch Nigel. Das gehört zu den eindringlich - und freilich dabei auch ermüdend - dargestellten Dingen in „Under Control“: Die Bande macht über hunderte Seiten nix anderes als Schorre verdampfen, Opium rauchen, Speed ziehen, Downers nehmen und Koksen und dabei nichts großartig Erhellendes zu reden, wobei noch das Herausstechendste Gary's Machismo ist sowie sein Befehlston, den er bei beiden Geschlechtern anbringt. Jederzeit spürt man ihre Not, nach Stoff, Geld und Anerkennung. Doch das ist natürlich quälende Literatur, wenn man zum zehnten Mal die Verkaufsgespräche beim Dealer verfolgen muss und die Verköstigungszeremonien. Ja, wir wissen nach spätestens der Hälfte des Buches, wie öde so ein Junkie-Leben ist, zu genüge. Bleibt der Sündenfall des, man könnte sagen „korrupten“, Sozialarbeiters. Doch leider kommt auch hier nicht richtig Spannung auf, in der Frage, wer hier wen manipulieren wird.

Es ist zwar ein ausgewachsener Roman, mit 320 Seiten, doch wirkt "Under Control" eher wie ein Kabinettstück, in der nur ein kurzer Lebensabschnitt der Protagonisten herausgegriffen ist und McNay auch keine Entwicklung seiner Figuren verfolgt, sondern ihren Ist-Zustand seziert. Dabei ist das einzige einschneidende Ereignis, dass sich Nigel, der nur noch einmal die Woche lustlos mit seiner Freundin schläft, sich in eine andere verliebt - oder überhaupt wieder verliebt, wie man's sieht. Nigel's Leben ist wohlsituiert und zweifelsfrei gesünder als das der Leute, die er betreut. Aber erfüllt scheint es ebenso nur partiell. Diese Erkenntnis und deren erzählerisch schlichtes Aufzeigen durch Mark McNay machen das Buch zu einer harten Nuss, die nur dem schmeckt, der sich wirklich für die Thematik interessiert.

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Besprochene Ausgabe: dtv | 2010 | 320 Seiten | Broschur* | € 14,90
 
* Festeinband: harte Buchdeckel
  / Broschur: weiche Buchdeckel

 
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