23.11.2017   Rezension, Buchbesprechung, Buchkritik   Literatur, Buch, Kritik         Marc Elsberg - ZERO. Sie wissen, was du tust: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Marc Elsberg - ZERO. Sie wissen, was du tust: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur
 

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- ZERO. Sie wissen, was du tust

(2014)
Der doppelte Konsens
Für ein bisschen Bequemlichkeit haben wir längst unsere Privatheit an die Garderobe gehängt. In "Zero" lassen wir gleich noch die Maschinen unsere Verhaltens-Coaches sein. So berechnend wie deren Algorithmen, schreibt Marc Elsberg den perfekten Minimalkonsens für Young-Adult-, Airport-Bookstore-, Tech- und Near-Future-Thriller-Leser.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 29.05.2014
Marc Elsberg - ZERO. Sie wissen, was du tust
Zoom Marc Elsberg - ZERO. Sie wissen, was du tust

Nur ein, zwei, höchstens drei Jährchen geht Marc Elsberg in die Zukunft. Datenbrille und Sensoruhr zur Aufzeichnung der Körperfunktionen sind am Mann so wie der Schlüsselbund. Der Konzern "Freemee" verspricht seinen Abonnenten das effektivere und lustvollere Leben. Nein, nicht nur die Aufforderung "Du solltest jetzt nach Hause gehen und lernen, da du Schwächen in Physik und Englisch hast", erscheint als Aufforderung im Display von Smartphone oder Datenbrille. Mit der durchgängigen Analyse von Pulsschlag oder Hautwiderstand extrapoliert die Software für dich dein bestes Verhalten beim nächsten Date!

Geschickt greift Marc Elsberg die Ereignisse um die Enthüllungen des Ex-NSAlers Edward Snowden auf. Dabei wird immer von Skandal gesprochen. Elsberg, und nicht nur er, scheint die These zu haben, dass hier nicht der eigentliche Skandal liegt. Denn warum sollten ausgerechnet die Geheimdienste nicht tun dürfen, was jede Firma im Online-Biz selbstverständlich und mit höchster Vorrangigkeit tut: Daten zu Personen sammeln, ob Kunde oder nicht, Daten hinzukaufen, Verhaltensvorhersagen treffen. Den Grund, warum wir das - hoffentlich noch nicht - als Skandal sehen, lässt er stellvertretend seine Aktivistengruppe "Zero" in einem ihrer Videos benennen: Solange wir gelockt werden mit Bequemlichkeit, oder einfach dem Neuen, oder im Bereiche der Social-Media-Anbieter mit unwiderstehlicher Fütterung unseres Egos, sind wir gerne bereit, Doktor Faustus zu spielen.

In der nur einen Augenblick entfernten näheren Zukunft von "Zero" ist Privatheit tot. Und die Leute genießen es und sind neugierig - noch. Gleich zu Anfang kriegt die eher altmodische Journalistin 'Cyn' von ihrem Arbeitgeber eine Datenbrille verpasst. Auf dem Weg nach Hause leckt sie Blut: Mit der Gesichtserkennung ruft sie die Daten aller Insassen auf, die mit ihr im Bus sind ...

Die Interaktionsgrüppchen in "Zero" sind professionell gewählt: Die Zeitungscrew, die Sicherheitsleute des US-amerikanischen Präsidenten, die zwielichtigen Bosse von Freemee und die unvermeidliche, tech-liebende Bande Jugendlicher, zu denen Cyn's Tochter 'Vic' gehört. Mit zwei Aufhängern sorgt Marc Elsberg für genügend Stoff zum querverdrahten: In London stirbt ein Jugendlicher, weil er mit Datenbrille einen Verbrecher durch die Fußgängerzone jagt und die Aktivisten greifen tätlich, aber ohne Verletzte, den US-Präsidenten mit Drohnen an.

Bei allem hat sich Elsberg an einen eigentümlichen sprachlichen Minimalkonsens gehalten. Zum einen könnte man ihm dies als knallharte Berechnung zur Befriedigung aller Käuferschichten seines Buches auslegen - andersrum passt es ja schon wieder zum Gehalt von "Zero" und könnte als Kunstform von ihm so angelegt sein: als Ausdruck der höchstmöglichen statistischen Wahrscheinlichkeit. Wie auch immer, kann man das bewundern, Leser, die jedoch auch im Thriller-Genre anspruchsvolle Sprachmächtigkeit erwarten, werden das eher nicht.

Ach übrigens: Dieser Artikel ist der Bequemlichkeit halber, da heute Feiertag ist, am Laptop und google drive geschrieben. Jede Zeile, die vor Veröffentlichung wieder rausgestrichen wurde, schlummert trotzdem noch im langen Gedächtnis dieser Firma.

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Besprochene Ausgabe: Blanvalet  |  2014  |  480 Seiten  |  Festeinband*  |  € 19,99

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