„Ich mache mir meine Freunde!“ sagt J. F. Sebastian prophetisch in Ridley Scott's „Bladerunner“. Der Wissenschaftler umgibt sich mit einer Schar gentechnisch erzeugter Spielkameraden. Und noch viel früher singt Pippi Langstrumpf „Ich mach' mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt.“ Das scheint ein schon ewig existierender Menschheitstraum: Ich will mich nicht mit missmutigen, granteligen Freunden oder Ehepartnern abgeben, die nur zu bestimmten Zeiten für mich da sind und zu mir nett sind. Nein, ich bestimme, wann ich allein bin, und ich bestimme, wann ich - definitiv freundliche - Gesellschaft brauche. Ich mach mir meine Welt...
Immer ein Stückchen mehr von diesem Traum bieten die Computerspiele-Macher. Ethische Bedenken wegen des Herausreißens des Menschen aus natürlicher Sozialisierung? Im Zeitalter der Singularität - dem exponentiell beschleunigten technologischen Fortschritt - werden Ethik-Grundsätze schneller fallen als Dominosteine. Wer weiß, ob in 30 Jahren nicht der gekonnte Umgang mit Künstlicher Intelligenz höher angesehen ist als biologische, soziale Interaktion?
Resident Evil 5 braucht man nicht mal mehr im Koop-Modus zu spielen - also mit anderen realen Spielern über Netz und einen Spieleserver -, sondern jederzeit wann man will auch mit dem KI-Partner. Das ist nicht neu und andererseits auch noch bei weitem keine richtige Kommunikation mit der Figur. Aber eins muss man RE5 lassen: Die KI nervt nicht und hilft wirklich aus der Patsche ohne aufdringlich zu sein. Und von wegen nicht sozial: Hilfst Du ihr nicht, wird sie Dir nicht helfen!
Die englische Version von RE5 mit dem deutlich gesprochenen Amerikanisch von Figur 'Chris' und dem charmanten Britisch von 'Sheva' ist für etwa 20 Euro zu haben und das tolle Hardcover-Buch jetzt für 16 Euro. Fangen Sie von hinten an zu blättern! Eigentlich eine typische Unart von Zeitschriftenlesern, macht es bei diesem Buch Sinn. 22 ganzseitige Artworks und Screenshots sind nämlich im hinteren Teil des Buches. Die Shots sind nicht nachbearbeitet, sondern werden auch am Monitor so aussehen; freilich sind sie Monitoren mit irrwitziger Auflösung entnommen, um sie in Druckqualität abbilden zu können. Übrigens sind die angegebenen Systemanforderungen für die Ende 2009 erschienene PC-Version wie üblich übertrieben (um die Hardwareindustrie anzukurbeln). Man braucht keinen Quad-Prozessor, ein Pentium D tut's. Auch kann man mit einer zwei, drei Jahre alten GraKa auf 1920 x 1200 spielen. Einfach auf Anti-Aliasing verzichten, es kommt real genug.
Die Seiten mit den eigentlichen Tipps und Lösungswegen sind reichlich illustriert und haben trotzdem ein übersichtliches, frisches Layout. Es ist sehr durchdacht und der Spieler findet je nach Anforderung und Enthusiasmus - je nachdem ob „Amateur“ oder Zocker - die gewünschten Informationen. Gekonnte Symbolik und professionelles Karten-Design gesellen sich hinzu. Manko: Der gut und immer wieder süffisant geschriebene Fliesstext ist eine Spur zu klein gedruckt.
Mehrwert zu den Spiele-Kapitelbeschreibungen bilden die Interviews mit den beiden Produzenten von RE5 - nur mal als Eckdaten: vier Jahre Entwicklung, über 100 Mitarbeiter ohne externe Firmen wie etwa hinzugezogene Hollywood-Firmen für die Videosequenzen - zu Themen wie Motion-Capturing, Modelling, KI-Programmierung, blankliegenden Nerven und Team-Spirit...
Die Computerspiele der Reihe Resident Evil erscheinen in ihrem Herkunftsland Japan unter dem Namen „Biohazard“. Der mag auch besser verdeutlichen, um was es geht: Ursprünglich um die Machenschaften des Gentech-Konzerns „Umbrella Corporation“, der immer wieder Gen-Neuschöpfungen vermeintlich aus dem Ruder laufen lässt, um so seine Machtbasis zu erweitern.
In RE5 verwandelt ein Virus der Nachfolge-Organisation „Tricell“ die Bewohner einer ganzen Region in Afrika in vom Konzern gesteuerte Zombies. Der Spieler übernimmt die Rolle eines Agenten der „BSAA“, der „Bioterrorism Security Assessment Alliance“.
Besprochene Ausgabe: Piggyback Interactive | 2009 | 230 Seiten | Festeinband* | € 15,99
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
2. J. L. Bourne: Tagebuch der Apokalypse (2010) - Orig.: Day by day Armageddon (2009), engl.
3. Caragh O'Brien: Die Stadt der verschwundenen Kinder (2011) - Orig.: Birthmarked (2010), engl.
Ernest Cline:
Ready Player One
Crown, Festeinband
John M. Cusick:
Girl Parts - Auf Liebe programmiert
Baumhaus, Festeinband
Charles Stross:
Rule 34
Ace, Festeinband
Ben Tripp:
Infektion
Heyne, Broschur
Thomas Thiemeyer:
Das verbotene Eden - David und Juna
Pan, Festeinband
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