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Barclay 's deutscher Verlag Knaur sagt es im Pressewaschzettel zum Buch mit drei Worten: "family in jeopardy" sei die Spezialität seiner Krimis. Die Jedermanns aus der gesellschaftlichen Mitte in seinen Büchern gerieten unverschuldet in die Mühlen des Schicksals und müssten sich mit eigener Courage am Schopf wieder rausziehen. Freilich sind dabei die Freunde und Bekannten des Helden und hier in "Weil ich euch liebte" die Familienmitglieder und Angestellten schon weit weniger unschuldig oder im besten Fall naiv. Sie lassen sich auf Geschäftlein ein oder Vorteilnahmen, bei denen sie wissen müssten, dass sie jederzeit mit der wirklich verbrecherischen Spitze ihrer Umtriebe unsanft in Berührung kommen können.
Schön zu beobachten ist die Gefühlswelt des Normalbürgers auch in der Diskussion um die US-amerikanischen Gesetzespläne zum Urheberrecht im Netz, SOPA. Da brauchen nur ein paar große Internet-Unternehmen aufschreien - weil sie beim Kommen schärferer Gesetze mehr Arbeitsaufwand hätten, Provider wie Suchmaschinenanbieter -, um den Bürger einzulullen in seiner Gewissheit, wegen geklauter und weitergehehlter Dateien sei er noch lange kein Verbrecher. Doch leider bildet er das Fundament des Verbrechens. Wesentlich greifbarer ist dies mit physikalisch Vorhandenem, denn Linwood Barclay 's Hausfrauen und gestandene Bauarbeiter hehlen mit gefälschten Prada-Täschchen, billigeren aber nicht immer sicheren Arzneimitteln und Sicherungskastenbauteilen, die nicht sichern, sondern Brände auslösen.
Seinen Helden 'Glen', Besitzer eines Bauunternehmens, hat Barclay so gewählt, damit er in seinem Krimi - das Genre, das immer auch einen soziologischen Kern trägt - seinen Protagonisten zumindest Beweggründe mitgeben kann. Denn für Glen und seinen Kollegen-Kreis sieht's seit 2008, dem Jahr des Platzens der US-amerikanischen Immobilien-Hypothekenblase nicht gut aus:
Aber unten in Florida standen ganze Wohnanlagen fast leer, und Interessenten kamen aus Kanada herunter und schnappten sich eine Ferienwohnung im Wert von zweihundertfünfzigtausend Dollar für gerade mal dreißigtausend.
So ist der Angelpunkt von "Weil ich euch liebte" auch lange Zeit die tödlich verunglückte Ehefrau von Glen. Die versuchte zwar dem Baugeschäft ihres Mannes aus eigener Kraft unter die Arme zu greifen, etwa, indem sie gerade einen Buchhaltungskurs absolviert, doch drängt sich schnell dem Leser und später auch dem Witwer der Verdacht auf, auch sie sei in illegale Nebenverdienste verwickelt gewesen. Linwood Barclay setzt zwar diese eine Ausgangslage - den mysteriösen Unfall der Ehefrau - baut sein Buch aber als vermeintliche Zufallskomposition auf, mit einem kompletten Blick auf Freunde und eine Handvoll Angestellter Glen's. Tatsächlich fragt man sich, warum er nach etwa hundert Seiten auch noch einen detaillierten Blick auf seine Schwiegereltern wirft, die ihn sowieso nie ausstehen konnten. Doch bei Barclay sind alle Beiläufigkeiten wichtig, die im ersten Moment nur zur authentischen Ausschmückung von Alltag und Figurencharakter zu dienen scheinen.
Ja, es wird noch mehr Tote geben, wär hätte das gedacht, kauft man doch gerade auf einer privaten Taschenparty im Freundeskreis die Fälschung einer Handtasche, die im Original viele hundert Dollar kostet. Auf Männerseite muss sich Glen immer tiefer in Gedanken vergraben, welchem seiner freien und festen Mitarbeiter er überhaupt noch trauen kann. Ein von ihm erstellter Rohbau ging kürzlich in Flammen auf und die Versicherungsleistung ist noch in Schwebe ...
Selten schön sind Verdachtsmomente, Zweifel an Freunden und Partnern, Momente der Existenzangst, Figuren mit schwankendem Gewicht für die Geschichte und Kurswendungen so toll heterogen und nicht-linear und intelligent aufgelöst über ein Buch verstreut worden, wie bei Linwood Barclay 's "Weil ich euch liebte".
Besprochene Ausgabe: Knaur | 2012 | 528 Seiten | Broschur* | € 9,99
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