Ein Jahr vor seinem Freund, Kollegen und Co-Autor Douglas Preston bringt Child im Januar 2007 mit „Deep Storm“, so der Originaltitel, einen Titel heraus, der die Abgeschlossenheit einer überschaubaren Gruppe von Menschen, die intensiv mit einem Wissenschafts-Projekt beschäftigt ist, zum Thema hat. Während Kollege Preston im Januar 2008 mit „Blasphemy“ (dt. „Credo - Das letzte Geheimnis“) einen großen Ringbeschleuniger in der Abgeschiedenheit einer US-amerikanischen Wüste zum Schauplatz wählt, geht Child in 3.000 Meter Meerestiefe in eine Tiefsee-Station. Child's zwei Vorgänger „Eden“ und „Das Patent“ spielen auch in futuristischen High-Tech-Umgebungen, einmal in einem hochgerüsteten, computergesteuerten Vergnügungspark - sehr stark erinnernd an die legendären Filme „Westworld“ und „Futureworld“ - das andere Mal in einem von einer KI beherrschten Hochhaus.
Nun bringt er also die Elemente tödlicher (Wasser-)Druck und Eingeschlossensein hinzu. Zudem die Antipathie zwischen Wissenschaftlern und Militärs, die sich gezwungenermaßen gemeinsam eines Projektes annehmen müssen. Ein klassischer Plot!
Sie nähern sich der Story fliegend, über stürmischer See, auf einer Bohrplattform mit dem Hubschrauber landend. Doch geschwind geht es per Tiefsee-U-Boot auf den Meeresgrund und durch mehrere Luftschleusen, bis man mit dem hartgesottenen Ex-Militär-Arzt Michael Crane in „Deep Storm“ steht, der geheimen 'Exploratory and Recovery Facility', kurz ERF.
Jetzt bahnt sich nach rasantem Auftakt der allmähliche Suspense seinen Raum. Crane muss drei verschiedene militärische Verschwiegenheitsklauseln unterschreiben, noch bevor er mitgeteilt bekommt, auf was er sich überhaupt einlässt! Was tut man nicht alles für Geld. Ebenso unklar ist die genaue Länge seines Einsatzes, man spricht von circa zwei Wochen, womit er insgesamt aber sechs Wochen bleiben müsste, wegen eines neuartigen, geheimnisvollen Akklimatisierungsprozesses, der Langzeit-Arbeiten in großer Tiefe ermöglicht.
Die Situation ist vertrakt und wiederum klassisch: Du hast unterschrieben für einen Auftrag, über den der Auftraggeber im Vorab nichts sagen darf! Du kriegst einen RFID-Chip (Radio Frequency Identification) unter die Haut implantiert, um in der Station nicht verloren zu gehen, die eigenartig luxuriös ausgestattet scheint, unter der Begründung, der typische Wissenschaftler sei es nicht gewohnt, monatelang unter Wasser zu sein, so müsse man ihn etwas verwöhnen...
Dr. Crane hat es im Anfang nicht leicht - wie jede nicht-fiktive Gestalt auch - von den Kollegen des neuen Jobs angenommen zu werden und aus der Geheimniskrämerei der Militärs doch langsam Erkenntnisse zu gewinnen. Die Erkenntnis, was unter der Station erforscht wird und warum vermehrt Personal physisch und psychisch erkrankt, erarbeitet sich Crane hart.
Autor Child prahlt viel mit medizinischem Wissen und Informatikwissen. Doch das erwartet der Leser eines typischen Wissenschaftsthrillers. Saboteure, zwanghaft agierende Militärs, eine Meuterei innerhalb des Militärs, ein heftiger Showdown - es ist alles drin für den Liebhaber des Genres. Der Amoklauf eines Mitarbeiters, beschrieben in Form dessen Inneren Monologs, geht gut runter. Solche gut umrissenen psychopathischen Daseins-Zustände hätte man sich mehr gewünscht. Aber auch so ein routiniert gemachter Airport-Bookstore-Thriller, der einem jedoch nicht tagelang in den Knochen bleibt.
Rezension/Interview zum angesprochenen Titel:
Douglas Preston: Credo - Das letzte Geheimnis
Douglas Preston: Credo - Das letzte Geheimnis, Interview mit dem Autor
1. Horst Eckert: Schwarzer Schwan (2011)
2. Urban Waite: Schreckensbleich (2011) - Orig.: The Terror of Living (2011), engl.
3. Yassin Musharbash: Radikal (2011)
4. André Meier: Letzte Losung (2011)
5. Sara Paretsky: Hardball (2011) - Orig.: Hardball (2009), engl.
Robert Ludlum, Eric van Lustbader:
Das Bourne Duell
Heyne, Festeinband
Linwood Barclay:
Weil ich euch liebte
Knaur, Broschur
Thomas W. Young:
Freeze - Gefangen im Eis
Piper, Broschur
Elisabetta Bucciarelli:
Ich vergebe dir
btb, Broschur
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