Der junge Ami und Ex-Knacki 'Josh' ist wieder auf dem rechten Pfad, hat mittlerweile Maschinenbau studiert und noch einen MBA oben draufgesetzt. Das ganze nur mit Einsen im Zeugnis. Doch sein Problem bei der Jobsuche ist eher nicht seine Überqualifizierung, sondern der unschöne Makel in der Vita. Da tritt die Hilfsorganisation „NewAfrica“ auf den Plan, um Josh für ein passables Gehalt und ein paar Sonderleistungen für sich zu gewinnen. Sie will sich um die Rückzahlung seines Studentendarlehens und die Finanzierung des Colleges von Josh's innig geliebter jüngeren Schwester kümmern. Müde entwirft hier Kyle Mills ein paar heimatliche Nebenfiguren, um Josh's Beweggründe zu untermauern, denn fix geht's nach Afrika.
Doch die Gestelztheit geht weiter. Eine intellektuelle Figur mit zwei Studienabschlüssen lässt sich von heute auf morgen drauf ein, den Fortschritt eines Agrarprojekts zu überwachen, obwohl sie weder von Landwirtschaft noch von Entwicklungshilfe Ahnung hat. „Seltsam genug“ heißt es dazu schon im Klappentext. Wahrlich. Ausgerechnet Josh wird zu einem blassen Helden, den Mills braucht, um ihn sich mit der kriminellen Hilfsorganisation und gar einem Diktator anlegen zu lassen. Zuerst jedoch soll er eine marode Farm wieder zum Laufen bringen, damit NewAfrica schicke Werbefotos für Broschüren machen kann, die die Spendenfreude wieder ankurbeln sollen.
Als Schauplatz entwickelt Kyle Mills einen archetypischen afrikanischen Fantasie-Staat mit archetypischem Fantasie-Diktator und die mit diesem Hand in Hand arbeitende NewAfrica. Der Einfachkeit halber gibt es auch nur zwei - sich natürlich spinnefeindliche - Stämme im Land, die Diktator gut gegeneinander ausspielen kann. Wie üblich halten die Europäer die Situation für passabel, schlimmer fänden sie ein „Machtvakuum“.
Freilich, manch Kontroverses streut Mills ein. Das geht über einfache Wahrheiten - wie das Beispiel des Stammes, dessen Frauen beim Feuerholzsammeln oft von Männern des gegnerischen vergewaltigt werden, von den eigenen Männern aber nicht begleitet werden, weil sie eben keine Eier haben, ihren Machismo zu überwinden, der vorschreibt „Männer sammeln kein Feuerholz. Punkt.“ - bis zum noch nicht zu Ende diskutierten Streit über Entwicklungshilfe im Allgemeinen:
Angesichts all des Geldes, das einem hier um die Ohren fliegt, ist es für niemanden mehr besonders attraktiv, mithilfe von landwirtschaftlicher Arbeit für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Da ist es besser, sich eine Waffe zu besorgen und zu versuchen, ein Stück vom Kuchen abzubekommen.
lässt er den schlauen hemingwayesken Reporter sagen, der in fast jedem Afrika-Thriller vorzukommen scheint. Den primitiven Bungalow, in dem Josh untergebracht ist, lässt sich die Kamarilla des Diktators mit einer Summe bezahlen, mit der man zuhause eine Wohnung „mit Blick auf den Central Park“ halten könnte. Abgebucht werden die Kosten mit Posten wie „Antibiotika und Moskitonetze für Kinder“. Der Zusatz Kinder erleichtert hierbei zusätzlich den Schwindel, erklärt der Reporter. Hauptaufgabe des Landwirtschaftsministers sei es, das Füllhorn an Hilfsgütern in die Hände zu bekommen und sie zu verkaufen. Erfolgreiche lokale Landwirtschaftsprojekte würden ihm nur Sand ins Getriebe streuen. Schnell ist damit klar, dass das von Josh „betreute“ Projekt gar keinen Erfolg haben soll... Dafür wird man sogar über Leichen gehen.
Letztlich bleibt jedoch das Gefühl - und das räumt Kyle Mills ungewollt selber auf seiner Homepage ein -, da wollte ein US-amerikanischer Krimiautor mal was anderes machen als US-amerikanische Krimis, schmiss alle Klischees die er über Afrika hörte in einen Topf, dampfte ein - und verdünnte dann unnötigerweise wieder auf 400 zu lange Seiten mit seelenlosen Charakteren, gesichtslosen Orten und vielen Dialogen, die nichts beitragen und nicht weiterführen.
Besprochene Ausgabe: Heyne | 2010 | 400 Seiten | Broschur* | € 8,95
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