Die Wiener Ausgabe des Frank Lehmann ist Frank Smutny.
Der ist zwar weniger trinkfreudig, dafür aber recht politisch.
Ein aktueller Schelmen- und Tatsachenroman rund um T-Mobile-Call-Center, Verliebungen und rebellische U-Bahnfahrten.
Die paradoxen modernen Arbeitsverhältnisse in Call-Centers werden hier präzise und originell in Frage gestellt und in einen super Stadtroman verpackt. In nur zwei Monaten entwickelt Frank neue Energien und Fantasien, ehe sich die Ereignisse am Ende überschlagen und ihn zur Flucht bewegen.
Textprobe:
Jakob war konträr. Eine schüchterne Erscheinung, schlaksig, mit Rundrücken, Jeans, Sneakers, einem großkarierten Hemd, das nur teilweise in die Hosen gesteckt
war, und einer Baseballkappe mit der Aufschrift »Safe What’s Left«. Jakob war extrem blass, als gäbe es irgendwo Anti-Solarien.
»Call-Center werden in fünf bis zehn Jahren vollautomatisiert funktionieren, T-Mobile ist eine vorübergehende historische Erscheinung und ich selbst werde zu denen gehören, die an der Entwicklung der Software für die neue Generation Call-Center gut verdienen.« Jakob hob und senkte seine Stimme kein einziges Mal, er holte auch nicht zwischendurch Luft; eine Wortmeldung aus einem Guss, dann schwieg er wieder.
Bis zuletzt hatte Frank keine Ahnung, was er in diesem albernen Setting beitragen sollte; die Wortmeldung Jakobs legte die Latte etwas höher. Er blickte in die Runde – die Sprechpause war schon eine Spur zu lange –, räusperte sich kurz und schlug das linke Bein über das rechte, wodurch seine rosafarbene Socke zum Vorschein kam, was Jana zu einem verlegenen Lächeln nötigte.
»In fünf Jahren wird eine Kommunikationsverweigerungswelle ausbrechen. Keiner, der der was auf sich hält, wird noch telefonieren, nur wirkliche Prolos und Omis und Opis werden freiwillig zum Handy greifen. Ich werde Schriftsteller sein und damit gut Kohle machen.« Die anderen sahen ihn entgeistert an und dann verlegen weg, als hätten sie einen Geistesgestörten reden hören, dem man das nicht so einfach ins Gesicht sagen konnte.
Jakob fasste sich als Erster, trommelte mit den Fingern seiner linken Hand rhythmisch auf den Tisch und sagte: »Genau.«
von 1983 bis 1997 Studium der Germanistik und Philosophie in Wien ohne Abschluss; arbeitet als Lektor in einer Medienbeobachtungsfirma der Austria Presseagentur und als Journalist und Gastkommentator (Datum, Unique, Die Zeit). Bekannt ist er vor allem als Mitorganisator und Sprachrohr der „Donnerstagsdemos“, die nach der Angelobung der ÖVP/FPÖ-Bundesregierung im Jahr 2000 zwei Jahre lang ohne Unterbrechung in Wien stattfanden.
Pierre Wazem, Tom Tirabosco:
Im Dunkeln
Avant-Verlag, Broschur
Toine Heijmans:
Irrfahrt
Arche, Festeinband
Virginie Despentes:
Apokalypse Baby
Berlin Verlag, Festeinband
Florian Scheibe:
Weiße Stunde
Luftschacht, Festeinband
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