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- Schlafende Geister

(2011) - Orig.: A Dance of Ghosts (2011), engl.
Vorsicht!, Polizei.
In "Schlafende Geister" dreht sich alles um Privatdetektiv 'John Craine'. Kevin Brooks entwirft seinen Helden mit reichlich antiheldenhaften Zügen - allerdings macht ihm das dem Leser nur umso sympathischer.  Von Annika Jana Höppner - sf magazin 13.12.2011
Kevin Brooks - Schlafende Geister
Zoom Kevin Brooks - Schlafende Geister

Lege dich nie mit einflussreichen Polizisten an! So ähnlich könnte die Moral von Kevin Brooks ' neuem Krimi "Schlafende Geister" lauten, in dem Hauptfigur John Craine in die Machenschaften eines intriganten und korrupten Polizisten hineinschlittert.

Der im englischen Sussex lebende Privatdetektiv soll ein vermisstes Mädchen finden. Das ist seit Wochen unauffindbar und die Polizei tappt noch immer im Dunkeln. Handelt es sich bei der Vermissten um eine Ausreißerin oder ist sie das Opfer eines Verbrechens? Vor dieser Frage steht Craine, als er sich entschließt, den Fall anzunehmen und der verzweifelten Mutter zu helfen.

Mutter 'Helen' beschuldigt die Polizei, nicht genügend Energie in die Suche ihrer Tochter zu investieren. In der Tat scheint die Polizei davon überzeugt zu sein, dass sie bloß weggelaufen ist. Als Craine das rosa-farbene und mit Plüschtieren übersäte Kinderzimmer des Teenagers sieht und in einem Gespräch mit dem Vater erkennt, dass der zur Pädophilie neigt, glaubt auch der Detektiv an die Theorie, dass das Mädchen dem Elternhaus entkommen wollte.

Doch bald häufen sich Indizien, dass Tochter 'Anna' tatsächlich entführt und Opfer eines schweren Verbrechens wurde. Als seine Suche Craine auf den Straßenstrich führt, scheint ihm gerade die Polizei Steine in den Weg zu legen und seine Recherchen aktiv zu behindern. Mehrmals wird Craine aufgefordert, seine Ermittlungen fallen zu lassen und den Fall aufzugeben. Doch der Privatdetektiv schnüffelt weiter und wird daraufhin wiederholt verfolgt und von unbekannten Männern blutig geprügelt. Besonders dem einflussreichen Polizisten 'Mick Bishop', der jeden Widersacher bei Bedarf aus dem Weg räumt, ist Craine ein Dorn im Auge. Schon Craines verstorbener Vater, seinerzeit selbst Polizist, hatte unter dem machtbesessenen Bishop zu leiden.

Doch Craine lässt sich von dem beängstigenden Cop nicht einschüchtern und pflegt weiterhin sein eigenbrötlerisches Leben und frönt seinen vielen Lastern: Er flucht zu viel und isst zu wenig, raucht Kette, trinkt sich gern mit Whiskey in den Schlaf und ist ein schlechter Autofahrer. Abgesehen von seinem Neffen 'Cal' und Sekretärin 'Ada', zu denen er ein freundschaftlich-inniges Verhältnis pflegt, wird Craines Leben von Gleichgültigkeit dominiert. Nur Nachbarin 'Bridget' und deren Hund Walter scheinen im weiteren Handlungsverlauf etwas in Craine zu berühren und ihn von seiner selbstzerstörerischen Lebensweise abzuhalten. Dennoch krönen die gelegentlich eingeworfenen Drogen Craines exzessiven Lebensstil; er gönnt sie sich in schlaflosen Phasen, um einen Fall zu lösen, oder wenn die Erinnerungen zu übermächtig werden und ihn nur noch ein benebeltes Hirn vergessen lassen kann. Denn John Craine will vergessen. Die bruchstückhaften Flashbacks, die ihn regelmäßig heimsuchen, sind Folge eines Jahre zurückliegenden persönlichen Traumas, das Craine nie verwunden hat.

Dem Leser werden diese fragmentarischen Erinnerungen in kursiver Schrift und über mehrere Kapitel häppchenweise serviert. Erst im Mittelteil erfährt der Leser die ganze Geschichte und auch das dunkle Geheimnis, das John Craine in sich trägt und das ihn im Verlauf der Handlung in Schwierigkeiten zu bringen droht. Dieser Punkt überrascht im Roman, denn er präsentiert noch einmal eine neue Facette in Craines ambivalenter Persönlichkeitsstruktur. Der Privatdetektiv bildet unverkennbar den Mittelpunkt der Geschichte. Das belegt nicht nur die Ich-Perspektive, die der Autor für seine Erzählung wählt, sondern auch der Fakt, dass Craines persönlicher Hintergrund in der Geschichte einen Teil der Handlung beeinflusst.

Die letzten 29 Seiten des Romans bilden einen nicht enden wollenden Höhepunkt. Diese drei abschließenden Kapitel bergen die Auflösung der Geschichte, die wahrscheinlich den einen oder anderen Leser erstaunt, unzufrieden oder gar mit einem Anflug von Empörung zurück lassen wird. Doch die packende Handlung, die oft witzigen Dialoge und Metaphern und die detaillierten Personenbeschreibungen machen Brooks ' neues Werk zu einem echten Lesegenuss.

Kevin Brooks gewann bereits zwei Mal den Deutschen Jugendliteraturpreis. 2006 wurde ihm der Preis für den Roman "Lucas", 2009 für das Buch "The Road of the Dead" überreicht. Der Krimi "Schlafende Geister" richtet sich nun zum ersten Mal an erwachsene Leser.

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Besprochene Ausgabe: dtv  |  2011  |  400 Seiten  |  Broschur*  |  € 9,95

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