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Kevin Brooks - Black Rabbit Summer: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur
 

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- Black Rabbit Summer

(2009) - Orig.: Black Rabbit Summer (2008), engl.
Liebe und Rache
Jugendbuchautor Kevin Brooks kann sich derzeit vor Literaturpreisen kaum retten. Und zurecht. Seine Protagonisten sind junge Erwachsene über die er vollkommen erwachsen schreibt. In seinen psychologischen Krimis lässt er sie tun, was sie eben so tun, ohne erhobenen Zeigefinger, aber immer klar unterscheidend zwischen gut und böse.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 28.10.2009
Kevin Brooks - Black Rabbit Summer
Zoom Kevin Brooks - Black Rabbit Summer

Es sind auch Elternbücher. Eine Aufforderung zur Kommunikation. Das „Was hast Du letzte Nacht getan?“ nicht zum Verhör verkommen zu lassen. Sich einfach selber zurückzuerinnern, wie man die ersten Verlockungen von Rauschzuständen und Sex erlebt hat. In „Black Rabbit Summer“ geht es nicht um romantische Teenager-Gefühlsdusseleien. Nein, Liebe ist komplizierter und Gefühle von Liebe und Hass liegen in jungen Jahren enger aneinander als später, wenn man sich daran gewöhnt hat. Der Hass lenkt in den Bereich Krimi, aber es gibt nicht aneinandergereihte Tote wie im „Tatort“ bei Kevin Brooks. Der Tod entsteht fast unabsichtlich, aus einer langen Kette von Emotionen und Verknüpfungen, Enttäuschungen und Rückschlägen.

Es ist heiß im „Black Rabbit Summer“, irgendwo in einer Kleinstadt in England. Ein Scheideweg scheint anzustehen bei einigen Jugendlichen, die zusammen die Mittelstufe durchlebten und sich jetzt entscheiden müssen, wie der weitere Bildungsweg aussehen soll. Pete, der Erzähler des Buches, Raymond, sein ältester Freund, Nic, eine Liebelei Pete's vor einigen Jahren, ihr Bruder Eric, und Pauly, ein Freund Eric's, vereinbaren ein Treffen in ihrer alten Hütte, die sie noch zu Kindertagen gebaut hatten. Initiatorin ist Nic. Sie wird mit ihren Eltern nach Frankreich ziehen und begründet das Treffen mit einem Auflebenlassen der alten Zeiten, als die Clique noch fest zusammengeschweißt war. Die wahren Gründe wird man weit später erfahren. Da sitzen nun fünf äußerst unterschiedliche Individuen in dieser Hütte, Unterschiede, die man als Kind noch nicht wahrnimmt. Immer wieder zeigt Brooks in Rückblenden die rasanten Veränderungen auf, die man als Jugendlicher im Freundeskreis durchlebt, bei den Leuten mit denen man rumhängt. Da können sich Solidaritäten und Loyalitäten im Monatsrhythmus abwechseln. Normal. Doch irgendwann sind sie da, die eindeutigen Zuordnungen. In „Black Rabbit Summer“ geht es um emotionales Konfliktpotential in einem England mit krassen Klassenschranken. Wer sich in den Schranken verheddert, bekommt Probleme.

Schnell löst sich der Hüttenabend auf, mit Beleidigungen und Wut untereinander. Doch eine Kirmes steht noch an, ein regelmäßiges Event in der Stadt. Auch hier läuft Brooks zu Hochform auf. Er benutzt Pete als sein Auge, das die Konstellationen in der überschaubaren Kleinstadtgemeinde aufnimmt. Er lässt ihn die aufgetakelte einzige Prominente des Ortes beobachten, die Oberschichten-Kids und die Underdogs. Die coolen Fahrbuden-Angestellten, die mit ungezügeltem rohem Charme die Chicks für später klar machen. Die zwiespältigen Gestalten, die sich lieber im Dunkeln neben den Dixi-Klos rumdrücken. Verlorengegangenen Freund Raymond findet er wieder. Zusammen besuchen sie eine Wahrsagerin. Die gerät, als sie Raymond berät, für Sekundenbruchteile leicht aus der Fassung. Das Geheimnisvolle um die Fahrenden Leute baut Brooks auch später noch grandios aus. Dann wieder die Jugendlichen, das Rumhängen, das Abchecken ob noch irgendwas passiert. Es wird. Aber Pete ist zu benebelt, um noch Schlüsse zu ziehen.

Kevin Brooks ' Sprache ist stark. Sie ist schmucklos, sie stellt lapidar dar, wiederholt manchmal die Gedankenfetzen seiner Figur Pete. Nicht störend, sondern seine Verwirrung zeigend oder das Gegenteil: eine Teenagerlässigkeit. Auch der in sich gekehrte Raymond, der mit seinem schwarzen Kaninchen spricht, kommt glaubhaft daher. Zwei Personen verschwinden. Pete versucht die Zeichen zu deuten, er dröselt alte Feindschaften zwischen „Gangs“ auf, seine eigenen Versäumnisse, die Geheimnisse der anderen, die der soften und die derer, die sich gerne als harte Jungs geben...

Der Krimi ist für Kevin Brooks ein Vehikel um Innenwelten und Gesellschaftszwang aufzumalen. Dann braucht er nicht zu beschönigen, was manchmal nicht schön ist.

Einzig ärgerlich, das unsägliche Format „Klappenbroschur“, eine Art aufgeblasenes Taschenbuch, das wie ein Ziegelstein in der Hand liegt. Den steifen Buchrücken muss man ständig gewaltsam einknicken, um einigermaßen angenehm lesen zu können. Viel hilft viel, sagt der Milchbauer, und wohl auch die Verlage.Vielleicht wollen sie den Leser aber auch zum ätherischen E-Book drängen. Dann bitte schön, denn mit Ziegelsteinen für 13 bis 15 Euro wird der Buchmarkt nicht gerettet.

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Besprochene Ausgabe: dtv  |  2009  |  528 Seiten  |  Broschur*  |  € 12,95

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