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 24.05.2012         K. J. Parker - The Company: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
K. J. Parker - The Company: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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The Company (2008), engl. (in dt. noch nicht erschienen)
Keiner wird gut rauskommen
Das ist nicht zuviel vorweggenommen bei einem Buch, das von vornherein als 'Lord of the Flies'-Story beworben wird. Geheimnisvoller Autor - oder Autorin - ist die Person hinter dem Pseudonym K. J. Parker.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 12.11.2008

K. J. Parker schreibt Romane, die in fiktiven Ländern zu fiktiven Zeiten spielen. Hört sich nach Fantasy an, kommt aber völlig ohne Zauberei aus. Mehr ist „The Company“ eine Parabel in Form eines Noir Adventures, falls es dieses Genre geben würde. Kunstgriff ist, dass es in einer noch agrarisch geprägten Gesellschaft spielt und so der Plot - die pionierhafte Inbesitznahme einer unbewohnten Insel - funktioniert, da die Protagonisten keine zwei linken Hände haben. Archetypisch auch die Motive um Freundschaft, blinde Loyalität, Führertum und das Brechen von Menschen durch den Krieg.

'Company' heißt hier die Getreuen, ein fünfköpfiger Trupp, der über ein Jahrzehnt hinweg Eliteeinsätze im Krieg durchführte. Wie es scheint, immer einer für alle, alle für einen. Der Krieg ist vorbei und man ist sich jahrelang aus dem Weg gegangen. Unausgesprochen empfindet jeder ein Treffen als zu belastend. Man könnte ja über alte Zeiten sprechen - über das Grauen.
So nimmt es Wunder, als man sich zu Anfang des Buches unterwegs befindet mit General Kunessin, der die Armee erst jetzt verlässt und in seine Heimat zurückkommt. Melancholisch und eher wütend betrachtet er die Landschaft und das Wirtschaften der Menschen auf den Farmen und in den Städten, das in all den Jahren keine ernsthaften Blüten hervorgebracht zu haben scheint. Einen nach dem anderen klappert er seine ehemals Untergebenen ab...

Der Plan ist groß. Und er wird von den Vieren quasi widerspruchsfrei aufgenommen. Die Befehlskette funktioniert noch. Nicht durch Befehle, sondern durch die Zementierung von Verantwortung für die anderen Individuen während des gemeinsamen Durchlebens des Unsäglichen, des Unmenschlichsten. Zehn Jahre dem Tod von der Schippe springen, hat die 'Company' in Bande gelegt.
Man verkauft alle Besitzstände, kauft ein Schiff, lädt Lebensmittel, Tiere, Werkzeuge - und heiratet schnell noch Frauen. Und ab auf die Insel.

Das Eintauchen in die akribisch, aber gleichzeitig beiläufig beschriebene Landschaft der alten Heimat ist schön, während Kunessin flucht, über die drei halbtoten Maultiere, die er bei der Rückkehr ergattern kann. Das wohlige Gefühl bleibt nicht lange. Parker setzt alsbald seine Charaktere in Szene, im Inneren Monolog ebenso oft wie im Dialog oder im Brabbeln der ganzen 'Company' untereinander. Romantik hält sich keine, sondern es legt sich ein düsterer Schleier über das Offensichtliche und auf die Vergangenheit jeder einzelnen Person.
Die Verdunkelung geht erst gegen Mitte des Buches in Spannung über und wird bis dahin schon manchen Leser zur Verzweiflung gebracht haben. So auch manch endlose und letztendlich leere Diskussion der Getreuen. Quält uns Parker absichtlich mit seinem Detailreichtum, seiner Darstellung von vermeintlich Banalem? Es mag sein, denn erst wenn du wahrlich viel Zeit mit einer Person verbringst, auch in banalen Zeiten, eröffnet sie sich dir genauer. Und soll dem Leser nicht der Kragen platzen, angesichts der immer größer werdenden Selbstherrlichkeit der charismatischen Führerpersönlichkeit und dem Duckmäusertum der anderen?
Bei allem ist es schwierig zu bewerten, wie diese latente Form von Spannung auf unterschiedliche Leser wirkt, eine Spannung, die dahinzieht, wie etwas Undeutliches unter dem Eis. Möchte man sich dem Unbehagen unausgesetzt hingeben oder würde man lieber zur Hacke greifen, um das Eis aufzubrechen?

Unfälle auf der Insel sind nur ein Feind. Andere sind das Beharren auf kaltem Kalkül und Logik ohne sich um die Verletzbarkeit von Menschen zu scheren. Das nicht freiwillig Zurückrudern können. Unvorhergesehene Begehrlichkeiten. Genügend, um anders als schön zu enden.

Besprochene Ausgabe: Orbit (engl.) | 2008


 

 

 

 
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