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John Ringo - Planetenkrieg – Feindliche Übernahme: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur
 

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- Planetenkrieg – Feindliche Übernahme

(2012) - Orig.: Troy Rising: Live Free Or Die (2010), engl.
Live Free Or Die (New Hampshire)
John Ringo 's Wirtschafts-Satire sollte jeder Extraterrestrische lesen, bevor er sich auf Handel mit der gewieften Rasse Mensch einlässt.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 25.04.2012
John Ringo - Planetenkrieg – Feindliche Übernahme
Zoom John Ringo - Planetenkrieg – Feindliche Übernahme

Was soll man von einem Buch halten, dessen erstes Kapitel mit "Die Ahornsirup-Kriege" überschrieben ist? Man kann sich auf eine Groteske einstellen, man kann sich aber auch auf den Standpunkt stellen, dass die Realität grotesk ist. Die Boston Tea Party oder der Sugar Act, das Zuckergesetz, im Vorfeld des US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieges kommen in Erinnerung. Denn was steht denn noch vor der Politik, deren Fortsetzung ja der Krieg sein soll? "It's the economy, stupid." Die Köpfe schlägt man sich wegen Dingen ein, wegen nichts anderem.

Gerade die Science-Fiction-Literatur greift gerne zum Mittel der Satire, um ihre Fiktion aus dem Gegenwärtigen heraus zu interpolieren oder genau andersrum: Aus dem Geschriebenen wirft sie uns auf die Muster der Gegenwart zurück. Freilich, ein Land, das nur Kakao anzubieten hat, sitzt gegenüber einem, das Hochtechnologie zu bieten hat, immer am kürzeren Hebel. Doch selbst diesen kurzen Hebel nutzt John Ringo 's Held 'Tyler' voll aus, indem er einfach ein langes Rohr draufsetzt. Exemplarisch ist es der Ahornsirup, auf den eine extraterrestrische Rasse voll abfährt. Die verhält sich leider, obwohl technologisch hoch stehend, neutral gegenüber einer anderen, die die Erde stumpf unterdrückt und sie sämtlicher Edelmetalle beraubt.

Dieses Kapitel der Ahornsirupkriege ist wie ein Buch im Buch, es sind gut 200 Seiten von den 600. Es ist hohe Kunst. Spielerisch verwandelt John Ringo es in ein Ökonomielehrbuch. Faszinierend beobachtet der Leser Dinge wie Preisentstehung und -entwicklung aus der zugehörigen Erwartungshaltung des Marktes heraus. Tyler und die befreundete Rasse "Glatun" tasten sich gegenseitig ab, um für eine Sache, für die man noch gar keinen Maßstab hat, ein Preisgefüge und Promotionswege ersteinmal zu erfinden! Dann, später, kommt Tyler's große Stunde, wenn er in protektionistischen und diplomatischen Winkelzügen den Würgegriff um die Ressourcen der Erde lockern kann. Soweit, so gut. Tyler, reich geworden, wird im Fortlauf auch noch der "König des Asteroidenbergbaus", nachdem sich seine Firma in rasantem Tempo Technologie der Glatun angeeignet hat. Ab hier, dem zweiten Drittel von "Planetenkrieg - Feindliche Übernahme" franst der Roman etwas aus. Allzu schwelgend legt John Ringo nun das Gewicht auf "Science" und malträtiert uns hunderte Seiten mit den Feinheiten von Eklipsenebenen und Asteroidenzusammensetzung. Zuletzt zieht er dann wieder an, und das erste Raumschiff, das diesen Namen verdient und das Tyler von den Glatun kaufen musste, wird nicht das letzte bleiben, und so geht "Planetenkrieg" dann eben doch noch Richtung Space Opera und verweist auf den Juli 2012 zu Deutsch erscheinenden zweiten Teil.

Doch dieser erste Teil lohnt auch wegen seines Humores. Etwa wenn die Außerirdischen das erste Mal im Callcenter des US-amerikanischen Präsidenten anrufen und im Fortlauf nicht vergessen, die Zahlungstarife für das Sternentor zu übermitteln, mit dem sie plötzlich im Sonnensystem aufgetaucht sind. Der Zahlmeister eines Glatun-Handelsschiffes staunt, dass sein Kapitän für einen Vortrag auf einer irdischen SF-Con mehr Geld gekriegt hat, als seine ganze Ladung wert ist. Mit der Figur Tyler, in den Südstaaten aufgewachsen, und 'Mr. Haselbauer' aus New Hampshire, einem der Erntegebiete für Ahornsirup, lässt Ringo die alten Animositäten zwischen Nord und Süd flachsend aufleben. Die zwei haben sich gefunden: Denn mit dem Motto des alten Neuengland-Staates können sich beide anfreunden: Live Free Or Die!

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Besprochene Ausgabe: Heyne  |  2012  |  672 Seiten  |  Broschur*  |  € 8,99

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