21.06.2018   Rezension, Buchbesprechung, Buchkritik   Literatur, Buch, Kritik         Jiro Taniguchi, Baku Yumemakura - Wie hungrige Wölfe: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Jiro Taniguchi, Baku Yumemakura - Wie hungrige Wölfe: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur
 

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- Wie hungrige Wölfe

(2012) - Orig.: Garoden (1990), japanisch
Ehre und Ehrgeiz
Im Kosmos um Veranstalter, Profis und Amateure im japanischen Wrestling reduziert Mangaka Jiro Taniguchi letztendlich kunstvoll auf die Tragik um Kämpfer 'Tanba' und sein Schicksalsband mit einem Kontrahenten.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 09.06.2012
Jiro Taniguchi, Baku Yumemakura - Wie hungrige Wölfe
Zoom Jiro Taniguchi, Baku Yumemakura - Wie hungrige Wölfe

Kämpfen heißt gewinnen wollen. Alles darunter kann mal vorkommen, als taktische Abwägung, als leichter Schlenker auf dem Weg zum Ziel. Damit bräuchte uns Japaner und Mangaka Jiro Taniguchi eigentlich nicht belehren zu wollen, gerade in seiner Graphic Novel "Wie hungrige Wölfe", die sich um Hauptfigur 'Tanba' dreht, denn der ist Kampfsportler. Taniguchi geht eher der Frage nach, wann verbeißen wir uns in unser Ziel?, wann wendet sich der von Natur aus eingerichtete Wille zum Sieg vom Nutzvollen zu etwas, das sich gegen uns selbst richtet?

Nein, Figur Tanba wird sich an keiner Stelle zum unsympathischen Psychopathen entwickeln. Doch Erschaffer Taniguchi gibt ihm von Jugend an ein unangenehmes Päckchen mit auf den Weg: Er muss hilflos den Mord an einem Freund mitansehen. Und während dieser Rückblende, weiß der Leser, in welche Welt er sich begeben hat. Die Mörder sind Yakuza und der Freund konnte sich selbst nicht retten obgleich er ein guter Karateka war. "Wie hungrige Wölfe" streift den Bereich Gangstertum aber nur anfangs und hat seinen Schwerpunkt in der Welt des japanischen Kampfsports, speziell in den Gefilden der Pro Wrestling Vereinigung.

Kann man es darstellen, in einer Graphic Novel, dieses Kampfgeschehen im Wrestling, diesem Hybrid aus Schlägen und Griffen, das in Japan eine Nummer härter und weniger Show zu sein scheint, als anderswo? Ja, Jiro Taniguchi, der Meister des Schwarzweiss, schafft auf eine ganz eigene Weise, den Betrachter in diese Sequenzen hineinzuziehen. Da sind zwar die schnellen "PAFFs" und "DASHs" in der Lautmalerei, doch hält Taniguchi immer wieder inne in seinen Panelen, wenn er etwa auf die schmerzverzerrten Gesichter der Kontrahenten zoomt, oder auf Sehnen und Muskeln, die im Zuge eines Griffes malträtiert werden. Hinzu kommt: Erst dadurch, dass er die Kämpfe wirklich über dutzende Seiten zelebriert, werden sie auch fast fühlbar mitvollziehbar!

Aus dem Selbsthass heraus, weil er Freund 'Saito' nicht retten konnte, entwickelt sich Tanba zum Dojo Yaburi; das heißt, er gehört keinem professionellen Verband an, sondern stolpert in Kampfschulen, um erst Schüler und am Ende nach Möglichkeit den Sensei herauszufordern. Während dieser Zeit der Ungestümtheit, verliert er ein einziges Mal: gegen einen Schrank von Mann namens 'Kajiwara'.

Tanba bringt mit seinem provokativen Auftreten eine Reihe von Regionalverbänden gegen sich auf, und Taniguchi nutzt diese Querelen, um liebevoll gezeichnete Nebenfiguren einzuführen und die Spannung zu erhöhen. Man gerät leicht in Rage in diesen Kreisen ... Doch im Endeffekt arbeitet alles auf die ambivalente Kerngeschichte im Buch hin. Tanba ist ein Charakter, der zwischen Zerstörungswille und Selbstzerstörung pendelt. In Kajiwara findet er sein Spiegelbild. Beide einsame Wölfe. Und da sie gleich in ihrer Art sind, müssten sie sich eigentlich lieben. Tun sie auch in gewisser Weise, zumindest als gegenseitige Achtung und im Erkennen der Unausweichlichkeit innerhalb ihres verknüpften Schicksals. So ist eine der schönsten Sequenzen im Buch, wenn sich sechs Jahre nach ihrem ersten Kampf die beiden in Ruhe (vor dem Sturm) wiederbegegnen und zusammen an einer Mole entlangschlendern - mit wenigen, aber aufschlussreichen Worten, jeder seinen Gedanken nachhängend.

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Besprochene Ausgabe: Schreiber und Leser  |  2012  |  288 Seiten  |  Broschur*  |  € 16,95

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