20.04.2018   Rezension, Buchbesprechung, Buchkritik   Literatur, Buch, Kritik         Jean-Michel Beuriot, Philippe Richelle - Unter dem Hakenkreuz 6 - Wehrmacht: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Jean-Michel Beuriot, Philippe Richelle - Unter dem Hakenkreuz 6 - Wehrmacht: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur
 

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- Unter dem Hakenkreuz 6 - Wehrmacht

(2013) - Orig.: Amours fragiles - L'armeé indigne (2013), französisch
Ils sont fous, les belges
Im Epos "Amours fragiles", so im Original, ist es bisher der Band, der am wenigsten vom Liebesband zwischen Martin und Katharina durchzogen wird. Und doch bringen es die beiden belgischen Comickünstler fertig, einfühlsam und unvoreingenommen aus der ukrainischen Etappe im Jahr 1943 zu erzählen.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 04.05.2014
Jean-Michel Beuriot, Philippe Richelle - Unter dem Hakenkreuz 6 - Wehrmacht
Zoom Jean-Michel Beuriot, Philippe Richelle - Unter dem Hakenkreuz 6 - Wehrmacht

Da gibt es 'Stefan' - Kamerad von Wehrmachtsoffizier Martin und im selben einstigen Hotel untergebracht. Als er vom Heimaturlaub wiederkommt, tönt er, seine Verlobte habe ihn nicht mehr so interessiert und gibt eine mannhafte Story von einer geheimnisvollen Unbekannten zum Besten. Später offenbart er Martin die Wahrheit: Die Mutter der Verlobten habe ihn gar nicht reingelassen, weil diese jetzt mit jemand anders verlobt sei. Szenarist Philippe Richelle und Zeichner Jean-Michel Beuriot finden immer wieder das banal Menschliche auf dem zeitgeschichtlich groß aufgespannten Tableau ihrer auf zehn Bände angelegten Serie "Unter dem Hakenkreuz". Die ging im Jahre 1932 los, als Held Martin noch blutjunger Abiturient war. Man diskutiert über Marlene Dietrich und Adolf Hitler. Und er wirft ein Auge auf Nachbarin Katharina, Jüdin ...

Die folgenden Bände bilden so fast schon eine Odyssee der beiden quer durch Europa ab, Feinde stets Franzosen braun (zuletzt in Marseille mit Katharina im Widerstand) oder Deutsche braun. Letzteres wird auch in der Wehrmacht so bleiben für Martin. Richelle und Beuriot vergessen nicht, zu versuchen, uns in das ganz normale zivile Denken der Zeit hineinzuversetzen, so auch in die Motivationen der Soldaten. An erster Stelle der Kampf gegen den Bolschewismus, an dem sich auch "Franzosen, Belgier, Rumänen" beteiligen. Grundlegend, die Schmach von Versailles, die eigentliche Urkatastrophe des Zwanzigsten Jahrhunderts, eher als der Erste Weltkrieg selber. Die Feinde England und USA: Erstere liefern mit ihrem "moral bombing"- Bombadierung der dt. Zivilbevölkerung - eher noch zusätzliche "Rechtfertigung", Untaten gegen die Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten nicht so genau zu hinterfragen, letztere pflegen im Gegensatz zu den frühen Nazis ganz unverhohlen im Alltag Rassismus gegen die Schwarzen. Wie schnell man in diese Untaten hineinschlittert, zeigt das Schicksal von Oberst 'Ricken', der von der SS in das Prinzip des Zwangs hineingepresst wird.

Vom Regen in die Traufe: Begrüßten viele Ukrainer 1941 die Deutschen als Befreier, nachdem Moskaus Politik 1930 zu einer Hungersnot mit Millionen von Toten gesorgt hatte, ist die Lage längst gekippt. Ähnlich wie die Vichy-Regierung in Frankreich, die durch entgegenkommendes Verhalten versuchte, den Rang eines in Zukunft einigermaßen autonomen Staatsgebildes in Hitlers Europa zu ergattern, muss auch die Ukraine erkennen, wie unvorstellbar archaisch die deutschen Vorstellungen in Wirklichkeit sind: Abseits von Herrenmenschen und Sklaven wird es nichts geben.

Schnell muss Martin erkennen, dass sein Dienst in der Etappe nicht beneidenswerter ist, als der an der Front. Spätestens, als die sich zurückzieht, wenden Deutsche wie Russen mehr und mehr Guerillataktiken an, deren Schmutzigkeit sich keiner mehr entziehen kann. Theoretisch. Martin versucht es ...
Es war von Anfang an ein irrwitziges Unterfangen von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle, ein auf zehn Bände angelegtes Epos zu starten, mit einer unmöglichen Liebe und einem zerrissenen Kontinent. Es ist zwar nicht schwer, sich aus dem Füllhorn an Geschichten verworrener aufgewühlter Zeiten etwas herauszugreifen, doch die Kunst ist, dabei einen Roten Faden einzuweben und immer nahe am Menschen zu bleiben.

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Besprochene Ausgabe: Schreiber & Leser  |  2013  |  56 Seiten  |  Festeinband*  |  € 18,80

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