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Jane Casey - Die Blender: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur
 

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- Die Blender

(2014) - Orig.: The Last Girl (2012), engl.
Bollwerk Familie
Ein Whodunit-Krimi in der innersten Kampfzone der Familie und dem Glacis der Exe und Affären auf 600 Seiten und kein Wort zuviel: Jane Casey 's grandioses "Die Blender".  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 17.07.2014
Jane Casey - Die Blender
Zoom Jane Casey - Die Blender

Die Dicke des Buches macht das Lesen denn auch fast zu einem Echtzeiterlebnis. Detective Constable 'Maeve Kerrigan' - altgedient schon in anderen Bänden der irischen Autorin - schwitzt sich in einem unerträglich heißen Londoner Sommer auf verstopften Motorways von Tatort zu Tatort, von Vernehmung zu Vernehmung, muss dabei die raubeinigen Sprüche von Kollege 'Derwent' parieren und jederzeit taktisch gegenüber dem Chef ihrer Behörde agieren. Ach ja, die eigentliche Arbeit: die Abmetzelung der Ehefrau und einer der Zwillingstöchter von Star-Verteidiger 'Kennford' aufklären.

Kennford ist von Jane Casey sofort und unumwunden als so unsympathisch eingeführt, dass selbst dem ungeübtesten Krimi-Leser klar ist: Dieser Mann war nicht der Mörder. Und nun zeigt uns Casey über den verbleibenden Großteil des Buches, wer wie und in welchem Ausmaß durch egozentrisches Verhalten innerhalb der Familienstruktur der Kennfords eben doch jeweils sein Scherflein Schuld am Doppeltod mit eingebracht hat. Da Patriarch Kennford seit er einen Flaum auf den Lippen hatte unverbesserlicher und süchtiger Weiberheld ist, dabei gutaussehend und noch trainiert und mit dem verruchten Ruf des Starverteidigers, der auch mal beim Volk aneckt, wenn er Mörder oder Vergewaltiger rausboxt, gibt es eine Latte von Frauen, die immer wieder versuchten, in die vormalige nur nach außen heile Familien-Bastion einzudringen.

Jane Casey schafft sogar ein Auf und Ab für den Leser in der moralischen Bewertung Kennfords. Das Arrangement, das er mit seiner zweiten, nun ermordeten Ehefrau 'Vita' eingegangen war, ist das faszinierendste Momentum an "Die Blender". Nach langer bohrender Arbeit der Cops erläutert er den Deal der beiden Eheleute. Vita hatte das Geld und war eher unattraktiv - konnte sich einst aber den stattlichen Erzeuger ihrer Zwillinge angeln, in vollem Bewusstsein, dass Kennford kein Familienmensch ist. Sie verknüpft ihr Leben fest mit dem der Zwillinge und verwahrt sich gegen jeden Angriff auf dieses Dreieck. Sie lässt ihrem Ehemann sogar Zweitwohnung und Liebesnest in der Londoner Innenstadt. Hört sich alles krank an? Nein, Jane Casey weiß dies in zwingender Notwendig- und Natürlichkeit zu Papier zu bringen.

Übrig ist nun noch "The Last Girl", so der Original-Buchtitel, die 15-jährige überlebende eineiige Zwillingsschwester. Und auch mit ihr - sie ist Ritzerin, wie Cop Maeve schnell herausfindet - macht Casey ein riesen Fass auf. Auch der verstörte Teenager wird durch die Story schießen wie ein Weberschiffchen, mal auftauchen, mal abtauchen, je nach Zeiten des Schweigens, des Lügens oder des Deliriums ...

Der Familie nicht genug. In ihrem Fall haben Maeve und Kollege freilich schon genug Verdachtsspuren - Bedrohungen hat sich Kennford ob seines Berufes gehäuft ausgesetzt gesehen. Wie es wohl authentische Polizeiarbeit ist, müssen sich die beiden parallel noch mit einem Bandenkrieg auseinandersetzen. Und es ist große Kunst, wie Jane Casey den Leser rätseln lässt, ob dabei irgendwas in ihren Hauptfall mit hineinspielt, oder ob das Bandenthema dem Serien-Charakter ihrer Bücher geschuldet ist. Denn schließlich passiert auch innerhalb der Beziehung von DC Maeve und ihrem Lebenspartner 'Rob' einiges in "Die Blender", und das ist ganz klar Leserbindung und zudem eine gekonnte Auflockerung in der Kompaktheit des Werkes. Nicht zuletzt ist es die provozierende brillante Vernehmungstechnik von Derwent, der den verbalen Bad Cop geben muss - und es genießt -, die einen jede Dialogzeile einsaugen lässt. Dabei stiehlt er Maeve gar manchmal die Show. Doch sie wären nichts ohne einander, in diesem perfekt runden Gesamtpaket eines Whodunit-Krimis.

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Besprochene Ausgabe: Blanvalet  |  2014  |  608 Seiten  |  Broschur*  |  € 9,99

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