In einer Großstadt wie San Francisco kann's schon mal gewaltig scheppern. James Patterson und sein Ghost Maxine Paetro - Patterson lässt in den USA seine Ghosts mit auf dem Buch-Cover erscheinen, der deutsche Verleger Limes hält das bei "Das 8. Geständnis" für nicht opportun - behaupten, die Mord-Aufklärungsrate sei hier besonders schlecht. An ihrem "Women's Murder Club" kann es nicht liegen. Denn im achten Band um die vier Freundinnen, ihrer Zeichen nach Detective, Pathologin, Gerichtsreporterin und Anwältin, sterben zehn Unschuldige bei der Explosion eines mobilen Drogenlabors, ein Obdachloser, sechs prominente Schwerreiche und eine Person bei einem versuchten, nur zu 50 % geglückten Doppelmord. Aufgeklärt wird alles. Miteinander zusammenhängen tut das aber nicht alles. Das ist schon wirklich Chuzpe, Patterson-Paetro knallen drei thematisch völlig unabhängige Stränge in ein 350-Seiten-Buch, damit die vier Chics des Clubs ordentlich zu tun haben.
Wem hoher Body Count nicht nur in Action-Filmen gut gefällt, wer gerne Zufall Zufall sein lässt - hier das Hereinbrechen der Fälle-Flut über ein einziges Polizei-Revier innerhalb weniger Tage - und wer bei der Freundschaft der vier nicht über Standesschranken oder entgegengesetzes Berufsethos nachdenken will, der wird sich auf den Patterson-Sound einlassen. Die New York Times drückt es am knappsten aus ( - und warum soll man etwas verändern, wenn's die Kollegen optimal gesagt haben): "short chapters, short paragraphs, short sentences, short words". Hinzu kommt der erfrischende Wechsel der Erzählperspektive zwischen Ich und Allwissend. Und es ist kein Augenkrebs, wenn die dick gedruckten Kapitelnummern gegen Ende dreistellig werden, stoppend bei 112.
Ein fünfgängiges Menü im Restaurant überzeugt. Doch stellt man sich dies, um der schnellen Effekte wegen, auf hundert einzelne Häppchen ausgedehnt vor... Vom gesamten Abend würde nur ein fader, verwischter Gesamtgeschmack übrigbleiben. Ähnlich mit "Das 8. Geständnis". Was aber nicht nur am Formalen liegt, sondern vor allem am Inhaltlichen. Da laufen Handlungsstränge komplett aneinander vorbei ohne irgendwann eine Synthese zu erzeugen oder auch nur in irgendeiner Weise gegenseitig als Verstärker zu dienen. Sie dienen einzig dazu, etwas Gesprächsstoff zu liefern, für die dann aber absurderweise comic-artig verkürzten Dialoge der vier Chics, wenn sie sich in der Kneipe treffen.
Positiv anzurechnen sind einige Implikationen der US-amerikanischen Geschworenengerichtsbarkeit, die Patterson-Paetro beschreiben und eben, dass sie ihre Leser fordern - trotz simpler Wortwahl, vielen Klischees und den viel zu abgehangenen Blondinenzoten -, sich mit den drei Strängen des Buches eine stattliche Anzahl an Namen zu merken.
"Das 8. Geständnis" ist so ziemlich die leichteste Krimi-Kost, die man sich vorstellen kann - kann man mal ein Buch von verdrücken. Aber wer davon wirklich bisher alle acht lose verknüpften Bände gelesen haben sollte, muss langsam mal wieder zu Handfesterem greifen, um nicht vom Fleisch zu fallen. Hallo, hier ist die reale (Krimi-)Welt!
Besprochene Ausgabe: Limes | 2010 | 352 Seiten | Festeinband* | € 19,95
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
1. Horst Eckert: Schwarzer Schwan (2011)
2. Urban Waite: Schreckensbleich (2011) - Orig.: The Terror of Living (2011), engl.
3. Yassin Musharbash: Radikal (2011)
4. André Meier: Letzte Losung (2011)
5. Sara Paretsky: Hardball (2011) - Orig.: Hardball (2009), engl.
Robert Ludlum, Eric van Lustbader:
Das Bourne Duell
Heyne, Festeinband
Linwood Barclay:
Weil ich euch liebte
Knaur, Broschur
Thomas W. Young:
Freeze - Gefangen im Eis
Piper, Broschur
Elisabetta Bucciarelli:
Ich vergebe dir
btb, Broschur
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