Robert Saunders... Raymond Mayo... Tony Sapphire... sind die klingenden Namen einer somnambulen Bande in den Tag treibender Schriftsteller im Küstenort Vermilion Sands.
Das Nichtstun liegt als schillernde Glocke über diesem Ort, die heiße Luft schwirrt gelb-orange in fast physischer Heftigkeit. Der zinnoberrote Horizont begrenzt die schwüle Trägheit, die den Moment verlangsamt und jeden Gedanken an Anstrengung als Hirngespinst verdammt. Wie überhaupt jeder Gedanke, die Sätze, die Bewegungen, das Augenzucken der Protagonisten als langgezogener Kaugummi erscheinen.
Die Ruhe und feiste Saturiertheit, der selbstverständliche Luxus dieser Lebemenschen macht neidisch. Ist das unsere Welt? Ist es eine idealisierte Zukunft?
Das US-Amerika der frühen Sechziger Jahre läßt grüßen aus den phantastischen Kurzgeschichten J. G. Ballards. Da taucht man innerhalb weniger Seiten in die Lebenswelt von Normalo-Ehepaaren, Büroangestellten oder eben Bohemians ein, wird mitgeschleift - gar bald merkend, dass da irgendwas nicht stimmt - und schnell kippend wird man oftmals in den Abgrund mitgerissen.
Die Geschichten sind Vorboten auf die explizit physische Gewalt, die später in seinen Romanen ausbrechen soll, drastisch etwa im von D. Cronenberg verfilmten „Crash“. Noch lauert sie unter der Oberfläche, seelisch. Bricht sie aus, geschieht es unprätentiös, um so mehr läßt sie den Leser taumelnd und ungläubig zurück.
Soziale Themen: Das Eheleben, die Beziehung, das Sich-Entfremden bleiben immer Themen an fremden wie zeitlosen Orten. Ballard braucht nur kleine technische oder phantastische Details, um sein Geschehen von der Gegenwart abzukoppeln und die Gesellschaft der Sechziger nur noch wie einen verblassten Matrizenabzug hindurchscheinen zu lassen.
Andere Stories spinnen die Indikationen psychedelischer Medikamente fort (Modedroge LSD und das in den 60ern zur psychiatrischen Behandlung entwickelte MDMA lassen grüßen) oder träumen das große Thema Zeit...
Zurück nach Vermilion Sands: Eine entrückte Diva mietet sich in eine der begehrtesten Villen am Strand ein und entpuppt sich mit all ihren Exzentritäten als Lyrik-Mäzenin. Die Lyrik-Maschinen - eine Art programmierbarer Schreibmaschinen, die selbständig Verse ausspucken - werden zerstört und Tony Sapphire und Konsorten müssen ihr Einkommen wieder mit Inbrunst verdienen...
Besprochene Ausgabe: Heyne | 2007
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