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- Geisterjagd

(2012) - Orig.: The Noise within (2010), engl.
Das weiße Rauschen
Der Brite Ian Whates bespielt elegant die Klaviatur der klassischen Space Opera inklusive der kommenden Grundfrage des Transhumanismus: Wieviel hält dein Grundhirn aus, wenn man es bionisch verstärkt?  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 22.04.2012
Ian Whates - Geisterjagd
Zoom Ian Whates - Geisterjagd

Wieviel Dinge wer am Besten gleichzeitig tun kann ist beliebte Neckerei, vor allem zwischen den Geschlechtern, und schon bald werden die Gerichte entscheiden müssen, ob man etwa mit der google-Augmented-Reality-Brille (augmented = erweitert) Autofahren darf. Von einem der Lieblingsexportgüter Deutschlands, dem Hubschrauber "Tiger", sagen die Piloten, die Künstliche Intelligenz dieser Maschine übernehme das Fliegen, sie selber machten Wichtigeres. Längst sind wir schon indirekt Cyborgs - wenn wir während einer Unterhaltung unseren Wissensdurst oder unsere Neugier nicht im Netz befriedigen können, fühlen wir uns unvollständig.

Das trifft 'Philip Kaufman' in Ian Whates' "Geisterjagd" besonders hart. Seine Firma entwickelt bionische Verstärker, mit denen sich das menschliche Gehirn direkt mit einer Künstlichen Intelligenz verbinden kann. Da noch Prototyp, weiß man bisher nur, welcher Typus Mensch gut damit zurecht kommt und welcher nicht. Philip selbst gehört zur letzteren Sorte ...

Klar, es wäre keine Space Opera, stünde hier nicht auch der militärisch-industrielle Komplex an vorderster Front der technischen Entwicklung. So muss Firmenchef Philip neidisch auf die Kontrolldaten der ersten Jungfernflüge seiner jungen Testpiloten gucken, die, komplett in Gel verpackt, in einem erweiterten Bewusstseinsstatus mit ihrem Kampfraumschiff regelrecht verschmelzen und ungeahnte Manöver fahren können. An solchen Stellen merkt man regelmäßig, ob ein Science-Fiction-Autor sein sprachliches Handwerkzeug eingepackt hat. Whates hat. Etwa, als einem Piloten nach der Mission die Kopfbuchse gezogen wird, "als die Realität mit aller Macht auf ihn einstürmte und sein Bewusstsein sich wieder auf einen zentralen Punkt komprimierte. Es zog sich aus der expandierten Welt zurück wie ein seichtes Gewässer, welches einen Abfluss hinunterrauscht, oder ein zweidimensionales Bild, das sich rasant zusammenfaltet, bis nur noch sein eingeschränktes 'Ich' übrig blieb."

Den Transhumanen in rein digitaler Form gibt es schon, zur Erzählzeit von Ian Whates ' "Geisterjagd". So wird Philip öfter als ihm lieb ist vom "Geist" seines verstorbenen Vaters kontaktiert. Ein "Partial" nennt Whates das, bei Kollege Iain M. Banks ist es das "Gedankenkonstrukt". Wer Geld hat, kann es sich auch schon zu Lebzeiten leisten und unliebsame Aktivitäten und Arbeiten auf es abschieben. Philip, bekannt als guter Redner, ist zwar körperlich bei seinen Vorträgen präsent, überlässt aber seinem Partial das Reden - es kennt keine "Ähms" und balanciert die Satzmelodie perfekt aus, weil es keine Nervösität kennt.

Philip ist die am feinsten gezeichnete Figur des Buches, der Typus des maßlos ergeizigen Wissenschaftlers. Sie muss einem nicht sympathisch sein, aber sie ist eine kraftvolle. Doch zur Opera gehören jede Menge Erzählstränge, die aufeinander zurauschen. Einen trägt Agent 'Leyton', die klassische Kampfsau, die zudem intelligent ist. Er müht sich ab mit Industriespionage, Hierarchiekämpfen in den obersten Rängen des Militärs und dem geheimnisvollen Piratenraumschiff "The Sun Seeker". Der ans Schwarze Brett genagelte Name von Philip Kaufman in der unter Kopfgeldjägern bekannten Bar "Death Wish", Missionen auf verlotterten Vergnügungsplaneten und natürlich Space Action machen "Geisterjagd" zu einem amüsanten Hybrid aus Krimi, Verschwörungsthriller und Space Opera.

>>> Mehr Bücher im Genre Space Opera ...

Besprochene Ausgabe: Heyne  |  2012  |  450 Seiten  |  Broschur*  |  € 8,99

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