Ian McEwan - For You - Libretto für eine Oper von Michael Berkeley, zweisprachige Ausgabe Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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Ian McEwan For You - Libretto für eine Oper von Michael Berkeley, zweisprachige Ausgabe

Ian McEwan - For You - Libretto für eine Oper von Michael Berkeley, zweisprachige Ausgabe (2009) - Orig.: For You (2008), engl.

Das Genie als Arschloch
Frauenquäler Albert Einstein, Frauenverschlinger Richard Wagner - dürfen die das, weil sie schon zu Lebzeiten als Genies anerkannt sind? „Bullshit“ sagt Romancier Ian McEwan in einem Interview der timesonline. Doch in der Michael Berkeley-Oper „For You“ fallen Männlein wie Weiblein auf dieses Spiel rein.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 10.12.2009
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Zum zweiten Mal nach 26 Jahren haben Ian McEwan und Michael Berkeley zusammengearbeitet. Ian McEwan ist fest im britischen Literaturkanon und preiseüberhäuft und auch Michael Berkeley ist bekannter britischer Komponist und macht viel für die BBC, als Moderator und als Orchesterleiter. Im friedensbewegten 1982 gingen die beiden auf die Barrikaden mit ihrem Anti-Atom-Oratorium „Or Shall We Die?“. Berkeley 's Frau ist seit 30 Jahren McEwan 's Literaturagentin.
1982 war McEwan gerade mal für seine Kurzgeschichten bekannt, aber noch nicht für seine Romane. Vielleicht trieb es ihn, den Kurzgeschichten-Könner, deswegen mal wieder dazu, ein Opern-Libretto zu verfassen. Denn die Erfordernisse und der Erstellungsprozess dürften durchaus eine Menge Parallelen haben. Die Figuren müssen schnell stehen, es muss knallen, nicht zuviele Worte, gerade in der modernen Oper. Das gelingt in „For You“ bravourös.

„For You“ wurde am 28. Oktober 2008 vom Music Theatre Wales im Linbury, Covent Garden, London uraufgeführt und von der Sunday Times gefeiert. Die Oper schwankt zwischen Gesellschaftsgroteske und rabenschwarzem Kriminalstück, also typisch McEwan. Der alternde, berühmte Komponist und Orchesterleiter 'Charles' ist nicht mehr zufrieden mit seinem musikalischen Schaffen. Er zieht Vergleiche zu seiner Jugend, als sein „Leben nur aus Sex bestand, aus Zigaretten und Fast Food [...] alle zwei Wochen neu verliebt.“ Musikalisch spürt er nicht mehr die Gier des jungen Mannes nach Neuem, nicht mehr die Sehnsucht und „den brennenden Hunger“. Im Punkt Sex belügt er sich selber. Den nimmt er sich zugenüge mit seinen Musikerinnen, nach dem Schema zuerst abkanzeln wegen angeblicher musikalischer Missgriffe, dann vergeben, dann vögeln. So treibt er's mal mit „Flöte“, mit „Harfe“ oder „Horn“. Letztere hat er gerade im Bett im heimischen Schlafzimmer und Ehefrau 'Antonia' beschwert sich (im zweisprachig abgedruckten Text):

Is this the flute whose husband owns a bank,
or the harp with the autistic son,
or the Cello with the house in Wales?

Sie hätten doch abgemacht, dass er Arbeit nicht mit nach Hause bringe.

„None of these. I am the horn.“ antwortet das Horn.

Doch da kriegen noch andere ihr Fett weg, so auch Ehefrau Antonia selbst, die sich nach Beobachtungen des Hausmädchens 'Maria' in saurem Selbstmitleid gefällt, eigentlich selber nach dem Fehltritt lechzt, doch auf die „hohle Tugend der Treue“ pocht, um sich selber tragisch und überlegen zu fühlen. Wahrscheinlich deswegen ist sie auch todkrank, „Krankheit ist ihre einzige Karriere“, bemerkt die Magd zynisch. Die wiederum ergeht sich in oralen und analen Tagträumereien mit - genau! - dem Hausherrn. Nun könnte man sagen, das kennt man schon aus Film und Buch zugenüge, doch ist es sehr humorvoll dargestellt und kommt in einer regelrechten Schussfahrt daher. Denn viel Zeit hat ja die Oper nicht. Das gesungene Wort ist wesentlich langsamer als das gesprochene, hinzu kommen szenische Pausen und Umbaupausen.

Pikant ist, dass, ähnlich ihrer Figur Charles, „Mitte sechzig“, sowohl Ian McEwan als auch Michael Berkeley kürzlich die sechzig überschritten haben. timesonline fragte die beiden, ob sie ihr Oratorium „Or Shall We Die?“, das kurz vor der Premiere von „For You“ wieder neuaufgeführt werden soll, heute genauso schreiben würden. Sie meinen, die Problematik sei, dass der Erschaffer zu etwas für ihn Uraltem stehen müsse, das für ihn 40 Jahre her sei, für die Öffentlichkeit aber sozusagen in der Gegenwart existiere. Dennoch würde McEwan heute nur Kleinigkeiten im Text anders machen.
Im selben Interview sagt McEwan süffisant, stellvertretend auch für Berkeley, jeder von ihnen beiden kenne „ein bis zwei“ reale, lebende Vorbilder dieser Figur des Komponisten Charles. Von den alten, großen Komponisten würde er jederzeit Bach Wagner vorziehen. Der sei ein cooler Familienvater gewesen.

„For You“, nämlich für Charles, tut Maria alles, die sich nach einem Missverständis seiner Liebe sicherglaubt. Die bauernschlaue Maria sichert sich ihre Position auf eine Weise, die sich Charles in seinen düstersten Albträumen nicht ausgemalt hätte...

Wie schwer es ist, ein Libretto zu übersetzen, kann der Rezensent nicht beurteilen. Auf jeden Fall fehlt dem deutschen Text jeglicher Schwung des Originals. Das Original ist auch für den Ungeübten leicht zu lesen.

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