Iain M. Banks - Raw Spirit - In Search of the Perfect Dram: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

* buchtipps buchkritik buchneuerscheinungen

sf magazin google plus   Bücher   Iain M. Banks - Raw Spirit - In Search of the Perfect Dram: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   Buch Bücher
11.02.2012   > Impressum   > Mediadaten  
 
 
buch neue literatur romane bestseller krimis thriller science fiction buchempfehlungen buchbesprechungen buchtipps buchkritik
Romane Krimis Thriller Lesetipps Bücher Buchkritik Literatur
 

-

Raw Spirit - In Search of the Perfect Dram (2003), engl. (in dt. noch nicht erschienen)
Whisky in der Sommerfrische
Sein Londoner Verleger schickte Iain M. Banks, einer der Vertreter der 'Schottischen Renaissance' der Literatur, los, um bekannte und unbekannte Destillerien aufzusuchen. Seine alten und neuen Erfahrungen mischen sich zu Reisebuch, Sittengemälde und Blick in die Innenwelt des verschmitzten Lebemanns.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 04.08.2009

Sie sitzen vielleicht mit Freunden zusammen und genießen einen guten Whisky; vielleicht sogar das „Perfect Dram“, das perfekte Schlückchen, wie es im vollen Titel von „Raw Spirit - In Search of the Perfect Dram“ heißt. Beinahe unweigerlich werden Sie anfangen zu sinnieren: Wie ist es dort, wo dieses eigenartige Getränk gemacht wird? Wie ist die Landschaft, das Meer, wie sind die rauhen Küsten und vorgelagerten Inseln Schottlands? Wie sind seine Menschen? Und - letztendlich ganz pragmatisch - was geht da vor sich, um diese Essenz aus Torf, Meersalz, Flüssen, Gerstenmalz und dem Charakter der Bewohner in eine Flasche zu kriegen? Gerne würden Sie mal nachschauen. Iain M. Banks, obgleich sowieso schon Schotte, hat es getan. Und wurde dafür auch noch bezahlt. Er ist bekannt dort, auf der Insel, in einer Riege mit seinem Freund Ian Rankin, dem internationalen Krimi-Star, oder Harry-Potter-J.-K.-Rowling, beide aus Edinburgh. Zwei seiner Romane wurden von der BBC verfilmt. In die deutschen Übersetzungen schaffen es leider wenige seiner Bücher. Das mag daran liegen, dass er keine Krimis schreibt, die ja meist als Serie angelegt sind und stumpf der Reihe nach auf die ausländischen Märkte kommen. Im Auftrag seines Londoner Verlegers recherchiert er von März bis August 2003, um ein Buch über schottische Whiskys zu schreiben. Die Form bleibt ihm überlassen. Welch ein Vergnügen! Im Nachhinein glücklicherweise auch für den Leser, denn das Buch hat wirklich keine Form bekommen, was beim begnadeten, verschmitzten Erzähler Banks nur positiv ausgehen kann. Um doch etwas mit Nomenklatur rumzuschmeißen: Roadtrip, Erinnerungen, Reisebuch, Sittengemälde, Vorlieben von Banks wie Autos und Great Wee Roads, Politisches, Anekdoten, Skurriles - und, nicht zuletzt, das Wissen und die Tests um den Whisky, flott und süffisant vorgetragen, alles andere als akademisch, so, dass es im Gedächtnis bleibt.

Nun ist er also unterwegs, Iain M. Banks, er, der Autonarr, entweder mit seinem Defender, seinem starken BMW, seinem alten Jaguar. Doch die Destillerien auf den Inseln machen es nötig, dass er alle möglichen und unmöglichen Verkehrsmittel nutzt. Oft verbindet er das Nützliche mit dem Angenehmen und reist mit Freunden oder besucht sie. Einmal kommt seine damalige Frau ihm nachgereist. Die beiden und ihre Freunde haben Spaß und schlechtes Gewissen zugleich über die Kosten des dafür eigens gecharterten Sportflugzeugs. Eher wie eine Agentin beschreibt Banks sie, als sie im Rock auf einer stürmischen Insel aus dem Flieger steigt.
„Great Wee Roads“, so nennt Banks die kleinen Straßen oder gar die Single Track Roads seiner Heimat, die, die vielleicht eine längere Fahrzeit von A nach B verlangen, die aber ihren Befahrer entschädigen mit Abwechslung und einer neuen, atemberaubenden Szenerie hinter jeder Kuppe. Ein passionierter Fahrer schwankt in solchen Momenten zwischen den beiden Verlangen Anhalten wegen der Aussicht und Genießen des Fahrflusses. Da können sich eben Auftrag und Vergnügen doch nicht ganz decken: Um die zerfranste Küstenlinie mit ihren aneinandergereihten Hügelchen und Klippen und die weiter innen liegenden Lochs zu genießen, sollte man seine Schuhe gut wachsen und mitten durchs Torfmoor marschieren. Manchmal nimmt Banks Bezüge auf seine Romane, etwa „The Crow Road“ oder „The Wasp Factory“, wenn er in Landschaften steht, die ihn darin zu Beschreibungen inspiriert haben.

Fröhlich wird abgeschweift: Man erfährt Anekdoten über Banks ' alte Verlegerfreunde, Weggefährten im Schriftsteller-Biz und aus Tagen vor Banks ' Erfolg als Autor. Man lernt die Animositäten zwischen den Städtern und den Landbewohnern mit netten typischen Banks-Hieben. So eine Diskussion im Auto über die Verkehrsschilder „Slow. Young pheasants.“ (Langsam. Junge Fasane). Die Pheasants, das ziemlich nahe am Wort Peasants (Bauern) liegt, sollen also nicht überfahren werden, damit sie noch zum Niederschießen zur Verfügung stehen; so der Tenor und einzig wahre Erklärung von Banks ' Bande. Tja, „pc“ und Öko ist für Städter erfunden, nicht für Landbewohner.

Ein Whisky-Buch? Ja, sogar mit Pronunciation Guide der Orte der unzähligen bekannten und unbekannten Destillerien. So lernen wir schon im Text, dass Islay „Eila“ ausgesprochen wird, also am Ende anders als beispielsweise Overlay.
Und, allem bisher Gesagten zum Trotz, es geht ganz schön ins Detail ohne ein stumpfer Whisky-Führer zu sein. Dabei werden Sentimentalitäten nicht gepflegt, sondern eben nur beschrieben, so etwa, dass kaum noch eine Destillerie ihr eigenes Malz herstellt, also die Vorstellung von glühenden Torfsoden unter riesigen Röst-Trommeln irreführend ist. Doch vieles in der Technik ist eben doch noch skurril und von Tal zu Tal eigen und unterschiedlich. Einige Dinge werden wohl immer gleich bleiben: Ein Whisky-Fass ist nie neu, es ist entweder ein gebrauchtes Sherry-Fass oder ein Rum-Fass und der unterschiedliche Geschmack jedes einzelnen „Casks“ (Fass/Gebinde), je nachdem, ob es beispielsweise in dem der See am nächsten gelegenen Kellerraum lagert oder weiter Richtung Landesinnerem.
Spannend auch, dass sich im Laufe der Reise einige Lieblingswhiskys für Banks herauskristallisieren, wobei er so fair ist, für alle ihm bekannten Marken die Besonderheiten herauszustellen und versucht, deren Geschmack zu beschreiben. Die Fairness ist nur Logik, denn die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

Bei der Aufzählung der unzähligen Sherry-Finishes der Whiskys der Glenmorangie-Destillerie verbinden sich plötzlich klangvolle südländische Ortsnamen wie Madeira oder Malaga vor dem geistigen Auge mit der Sommerfrische des nordischen Schottlands. Oder gar die Havana-Reserve von Glenfiddich unter Verwendung kubanischer Rumfässer...
Gerne wäre man einer von Banks ' Freunden gewesen, die - ein Running Gag des Buches - immer wenn sie erfahren, an was er gerade arbeitet, fragen „D' you need a hand?“

Ein Buch für Daheimbleiber - den nächsten Whiskyladen aufsuchen - und Wegfahrer. Und immer ein Plädoyer an Lebensfreude und das Beisammensein bei einem guten Tropfen.

Besprochene Ausgabe: Century | 2003 | 368 Seiten | Festeinband* | € 21,95
 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel

      
 
 
blog comments powered by Disqus
 
 
 

We see you! sf magazin lebt von Werbung. Sie haben keine Berechtigung, diese Site mit eingeschaltetem Ad-Blocker (Werbeblocker) zu surfen!
 
>>> Mehr Info ...

 
> Impressum   > Mediadaten   |  sf magazin google plus  Bücher   Neue Bücher  Buch Bücher
 
  • + sf magazin!
 
 
 
> Datenschutz
 
  • sf magazin   +
  • Bücher Romane Bestseller Krimis Thriller Buchneuerscheinungen
  • Exaktes Ad-Serving.
    Elegante Kunden-Reportings.